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„Wir lassen Sie nicht allein, wir unterstützen.”

Wie das Jobcenter München und die Deutsche Angestellten Akademie (DAA) mit dem CUP-Mobil digitales Know-How zu den Menschen bringen.

Martin Hangen (hangenfoto)

(Von links) Susanne Grandt, DAA-Projektleitung, Luca Bothe, Leiter des Sozialbürgerhauses Laim-Schwanthalerhöhe und Anette Farrenkopf, Geschäftsführerin des Jobcenter München, bei der Eröffnung des CUP-Mobils.

Liebe Frau Farrenkopf, warum hat sich das Jobcenter München für ein fahrbares digitales Beratungsbüro entschieden und seit wann gibt es das Angebot?

Anette Farrenkopf: Digitale Kompetenz ist ein wichtiger Faktor sozialer Teilhabe. Uns ist es daher wichtig, allen Münchnerinnen und Münchnern deutlich zu zeigen: Wir lassen Sie nicht allein, wir unterstützen Sie. Den Start machte zunächst unser CUP-Café. Seit 2022 haben wir mit dem Café einen festen Standort in München, an dem Menschen ohne Termin auf eine Tasse Kaffee vorbeikommen können und Unterstützung bei digitalen Anliegen erhalten. Aufgrund der Größe Münchens und der dezentralen Struktur der Sozialbürgerhäuser entstand mit der Zeit der Wunsch, dieses Angebot auch mobil anzubieten. Deshalb starteten wir Ende 2025 mit dem CUP-Mobil. Das Angebot schafft Sichtbarkeit, indem es bewusst vor unseren Sozialbürgerhäusern steht. Mit dem Mobil ermöglichen wir einen einfachen lokalen Einstieg in digitale Themen und Anwendungen. Ergänzt wird das Ganze durch gezielte Workshops im CUP-Café. Mitunter kann das Angebot sogar bis zu einer Förderung einer beruflichen Weiterbildung im Bereich digitaler Kompetenzen führen.

Welche grundlegenden digitalen Skills können Leistungsberechtigte im CUP-Mobil lernen?

Anette Farrenkopf: Die vermittelten Skills richten sich nach dem individuellen Bedarf. Ein Schwerpunkt ist die Unterstützung beim Zugang zu unseren digitalen Angeboten, etwa zu jobcenter.digital oder der Jobcenter‑App. Daneben vermitteln wir digitale Alltagskompetenzen wie Online‑Banking, die Nutzung der E-Services der Krankenkasse oder das Erkennen typischer Gefahren im Netz. Bei Bedarf stehen kostenlose Leihgeräte zur Verfügung. In unseren Workshops erhalten die Teilnehmenden zudem Einblicke in neue Technologien wie VR‑Brillen oder 3D‑Drucker.

Wie verlief der Entwicklungsprozess?

Anette Farrenkopf: Den Start machte eine Ausschreibung im Rahmen eines Ideenwettbewerbs. Rechtliche Grundlage ist die freie Förderung nach § 16f SGB II. In diesem Verfahren kamen wir dann mit der DAA zusammen und entwickelten das CUP gemeinsam weiter. Da es sich um ein spezielles Fahrzeug handelt, benötigten wir zudem einen Fahrzeugbauer. Der nahm die erforderlichen Ein- und Aufbauten vor und richtete die komplette digitale Ausstattung des Mobils ein.

Wie werden die verschiedenen Standorte des CUP-Mobils ausgewählt?

Anette Farrenkopf: Die Auswahl treffen wir anhand von verschiedenen Faktoren. Wir ermitteln zum Beispiel, wo der Bedarf besonders hoch ist oder welche Sozialbürgerhäuser weiter entfernt von unserem stationären Angebot liegen. Dabei spielt auch eine Rolle, wie schnell wir eine Stand-Genehmigung erhalten. Zuletzt stand das CUP-Mobil vor dem Zentrum Wohnen und Integration im Stadtteil Au-Haidhausen, unserer zentralen Anlaufstelle für wohnungslose und geflüchtete Menschen. Gerade dort ist Unterstützung besonders wichtig, damit auch diese Zielgruppen unsere digitalen Angebote nutzen können. Demnächst wird das CUP‑Mobil am Sozialbürgerhaus Sendling‑Westpark und danach am Sozialbürgerhaus Ramersdorf‑Perlach haltmachen.

Welche Rollen haben das Jobcenter München und die DAA jeweils im täglichen Betrieb?

Anette Farrenkopf: Unsere Aufgabe im Jobcenter besteht darin, die Menschen auf das Angebot aufmerksam zu machen, sie bei Bedarf an die Hand zu nehmen und kleine Veranstaltungen oder spezielle Beratungsangebote zu organisieren. Die Verantwortung für das Personal, die Betreuung der Technik sowie den laufenden Betrieb liegt bei der DAA.

Wie wird das Angebot angenommen?

Anette Farrenkopf: Das Projekt ist bisher sehr gut angelaufen. Die Rückmeldungen waren durchweg positiv. Viele Leistungsberechtigte nutzen das mobile Angebot als Einstieg für eine längere Fahrt mit dem CUP: Oft vereinbaren sie nach ihrem Besuch im CUP‑Mobil direkt Anschlusstermine im stationären CUP, weil ihnen die Unterstützung so gut geholfen hat.

Welche Zielgruppen erreichen Sie mit dem CUP-Mobil besonders gut?

Anette Farrenkopf: Die Zielgruppen sind tatsächlich sehr durchmischt und es sind keineswegs nur ältere Menschen. Auch junge Menschen gehören dazu. Die können zwar meist gut mit dem Smartphone umgehen, haben aber oft andere Schwierigkeiten, zum Beispiel einen E‑Mail‑Account einzurichten, digitale Bewerbungen zu erstellen oder Online‑Vorstellungsgespräche durchzuführen. Wir unterstützen Sie dabei.

Welche Indikatoren nutzen Sie, um den Erfolg des Mobils zu messen?

Anette Farrenkopf: Den Erfolg des Angebots messen wir in erster Linie anhand unserer weiterführenden Angebote. Wichtig ist vor allem die steigende Nutzung unserer digitalen Services: etwa jobcenter.digital, die Jobcenter‑App sowie die Zahl der online gestellten Neu- und Weiterbewilligungsanträge. Darüber hinaus beobachten wir die Workshops und Förderungen beruflicher Weiterbildungen. Wir erfassen, wie stark die Leistungsberechtigten die Angebote nutzen und welche Maßnahmen gute Ergebnisse bei der Integration in Arbeit liefern. Dass das Konzept erfolgreich ist, erkennen wir zudem an der Resonanz anderer Jobcenter: So hat das Jobcenter Hamburg beispielsweise unser CUP‑Konzept früh kennengelernt und inzwischen selbst drei Cafés eingerichtet.

Martin Hangen (hangenfoto)

Anette Farrenkopf, Geschäftsführerin des Jobcenter München (vorne) und Susanne Grandt, DAA-Projektleiterin im CUP-Mobil.

Wo wir gerade von anderen Jobcentern sprechen: Was raten sie denen, die ein ähnliches Projekt umsetzen möchten?

Anette Farrenkopf: Der niederschwellige Ansatz ist aus unserer Sicht besonders wichtig. Wir verpflichten Leistungsberechtigte nicht zur Teilnahme. Stattdessen kommen die Menschen freiwillig und können das Angebot ohne Termin nutzen. Das senkt Hemmschwellen und öffnet die Tür zu Workshops, Qualifizierungen und Weiterbildungen. Wenn jemand ins CUP-Mobil kommt und etwas Interessantes ausprobiert, dann meldet er oder sie sich oft eigenständig für weitere Angebote an. Genau darin liegt die besondere Stärke des Projekts.

Wie sieht die Zukunft des Projekts und der Digitalisierung im Jobcenter München aus?

Anette Farrenkopf: Aktuell planen wir, das CUP‑Mobil vermehrt bei Veranstaltungen einzusetzen, etwa bei großen Beratungsformaten für Frauen, Messen für Alleinerziehende oder unseren Career Days für Geflüchtete. Wichtig ist für uns dabei immer: Digitale Angebote sollen die persönliche Beratung ergänzen, nicht ersetzen. Die persönliche Begleitung bleibt ein zentrales Element unserer Arbeit und ist auch für die Integration in Arbeit weiterhin essenziell.

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Im Praxisblick erzählen wir mehr spannende Geschichten zum Thema Digitalisierung, zum Beispiel wie das Jobcenter Kreis Bergstraße einen KI-Bot für die Beratung entwickelt hat.

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