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Servicestelle SGB II für Jobcenter | SGB2.info Praxisblick Dort hingehen, wo die Jobs sind

Dort hingehen, wo die Jobs sind

Vier Beispiele aus der Jobcenter-Praxis zeigen, wie Nähe zu Betrieben neue Perspektiven für Arbeitsuchende schafft.

Peter Meier, Jobcenter Neumünster

Arbeitsvermittlerin Habibe Demirovic aus dem Jobcenter Neumünster lernt, einen Hubwagen zu lenken.

Rein in die Betriebe

Vom Schreibtisch ins Hochregallager – einmal im Quartal wechseln die Integrationsfachkräfte des Jobcenters Neumünster ihren Arbeitsplatz. Seit 2026 besuchen sie gezielt regionale Unternehmen – koordiniert von einem zweiköpfigen Projektteam und eng abgestimmt mit dem gemeinsamen Arbeitgeberservice. Bei den zweistündigen Terminen nehmen die Mitarbeitenden selbst am Steuer eines Lastwagens Platz oder üben sich am Gabelstapler. Genau solche Erfahrungen machen einen Unterschied: Vermittlungsfachkräfte erleben das Tätigkeitsfeld vor Ort, verstehen Anforderungen unmittelbar und können sie anschließend deutlich anschaulicher vermitteln. Die Betriebsbesichtigungen sind ein Baustein, mit denen das Jobcenter seine Beratungsqualität ausbauen will. Klare Absprachen mit dem gemeinsamen Arbeitgeberservice bilden das Fundament: Das Jobcenter verzichtet auf eigene Kaltakquise, nutzt aber seine bereits bestehenden Kontakte. Grundlage sind Arbeitsmarktanalysen und die Potenziale der Leistungsberechtigten: Das Team prüft auf Basis vorhandener Kontakte, in welchen Betrieben Besichtigungen möglich sind. Gleichzeitig informiert es den Arbeitgeberservice transparent über alle Aktivitäten. Regelmäßige Austauschrunden sorgen dafür, dass beide Seiten aktuelle Entwicklungen, neue Stellenbedarfe und dazu passende Leistungsberechtigte zusammenführen. Das Beispiel zeigt: Auch ohne eigenes Akquise-Team lassen sich Arbeitgeberkontakte aktiv nutzen – solange Abstimmung, Transparenz und ein gemeinsames Verständnis der Rollen gesichert sind.

Begegnungen schaffen

Um Leistungsberechtigte direkt mit Arbeitgebern zusammenzubringen, schafft das kommunale Jobcenter Kreis Steinfurt sogenannte Begegnungsräume. Ziel dieser flexibel gedachten Formate ist es, den Arbeitgebern die Potenziale der Leistungsberechtigten näherzubringen und Letzteren jenseits alltäglicher Beratungsgespräche Einblicke hinter die Kulissen zu ermöglichen. Der Arbeitgeberservice stimmt die Formate ab, identifiziert Bedarfe am Arbeitsmarkt und pflegt die Kontakte zu Betrieben, Kammern und weiteren Netzwerkpartnern. Er entscheidet im Einzelfall: Passt ein „Job-Dating“ mit bis zu 30 Teilnehmenden oder lassen sich die Anfragen mehrerer Betriebe in einer größeren Veranstaltung bündeln? Bei der Gestaltung bindet der Arbeitgeberservice die Vermittlung aktiv ein und arbeitet insbesondere bei kleineren Formaten Hand in Hand: Vermittlungsfachkräfte schlagen geeignete Personen vor, begleiten Veranstaltungen und führen erste Beratungsgespräche direkt im Kontakt mit Unternehmen. Viele Leistungsberechtigte erkennen über die Begegnungsräume unerwartete neue Berufswege. Wirkung entsteht in Steinfurt, indem Arbeitgeberservice und Vermittlung sehr gut verzahnt agieren. Die Schnittstelle ist dadurch zugleich Knotenpunkt eines regionalen Netzwerks.

Raus vor die Haustür

Auch im Jobcenter Werra-Meißner-Kreis trägt der Netzwerkgedanke die Zusammenarbeit zwischen dem gemeinsamen Arbeitgeberservice und der Vermittlung. Regelmäßige Gespräche und eine digitale Austauschplattform stärken die Beziehung. Das Format „Jobs vor der Haustür“ veranschaulicht das: Sobald eine Integration in einem Beratungsgespräch absehbar wird, prüft die Vermittlung gemeinsam mit dem Arbeitgeberservice und der leistungsberechtigten Person konkrete Joboptionen im wohnortnahen Umfeld: Was kann und will die Person leisten? Wie mobil ist sie? Wie weit darf der Arbeitsplatz entfernt sein? All das sind Faktoren, die besonders in Flächenlandkreisen über eine Arbeitsaufnahme mitentscheiden. Der Arbeitgeberservice bringt dabei seine Marktkenntnis ein, identifiziert passende Betriebe und spricht diese gezielt an. Der Bereich Vermittlung liefert das Wissen über Kompetenzen, Motivation und die Person. So entsteht ein abgestimmtes Matching, das den Leistungsberechtigten Orientierung und eine Perspektive bietet.

André Streibert, Betriebsleiter der IDEE Technik Center GmbH in Hainichen.

André Streibert, Betriebsleiter IDEE Technik Center GmbH in Hainichen:

Täglich warten, reinigen, entkalken und reparieren bei uns etwa 20 Mitarbeitende rund 150 Kaffeemaschinen und Zubehör aus Gastronomie und Büros für Darboven und IDEE Office Coffee Service. Sie stehen viel, arbeiten mit Säuren und tragen Schutzkleidung. Das ist nicht für jeden geeignet. Wenn wir neue Mitarbeitende brauchen, ist seit Jahren Herr Fahrow, Vermittler aus dem Jobcenter Mittelsachsen, unser erster Ansprechpartner. Er kennt die Arbeitsuchenden gut und weiß, wer passen könnte. Er lädt Interessierte zum Vorstellungsgespräch bei uns ein und beantwortet vorab Fragen, zum Beispiel, ob das Jobcenter die Arbeitsschuhe bezahlt. Ich unterstütze beim Antrag auf Eingliederungshilfe – besonders bei Sprachbarrieren. Zwölf der aktuellen Kolleginnen und Kollegen hat uns Herr Fahrow vermittelt. Wir haben nur gute Erfahrungen gemacht.

Drei Hebel für gute Zusammenarbeit von Arbeitgeberservice und Vermittlung


  • Jobcenter-Mitarbeitende erleben Betriebe und verstehen Anforderungen besser.
  • Die Rollen von Arbeitgeberservice und Vermittlung sind klar und die beiden kommunizieren regelmäßig.
  • Durch das neue Wissen können Jobcenter-Mitarbeitende noch individueller an den Lebensrealitäten der Leistungsberechtigten ansetzen.

Neugierig geworden?

Wie eine enge Zusammenarbeit zwischen Jobcenter und Unternehmen in der Praxis aussieht, erfahren Sie in unserem Interview mit Ralf Fischer, Geschäftsführer der Druckerei Sachsendruck.

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