„Nur Mut?!" lautete das Motto des diesjährigen xFelds, das am 21. und 22. September in Göttingen stattfand. Im Mittelpunkt stand die Frage, wie Jobcenter auch unter schwierigen Rahmenbedingungen handlungsfähig bleiben und Veränderungen aktiv gestalten können. Denn das 13. SGB II- Änderungsgesetz zur Umgestaltung der Grundsicherung für Arbeitssuchende, ein neues Zielsteuerungssystem und die kommende Sozialstaatsreform verändern schon heute und in Zukunft die Arbeit der Jobcenter. Das kann für Unsicherheit sorgen.
Um dem entgegenzuwirken, wurden drei Facetten von Mut beleuchtet:
- Mut zum Handeln,
- Mut zum Verändern und
- Mut zum Dranbleiben.
Den Auftakt machte der Neurologe Dr. Orell Mielke mit einer Keynote über den Umgang mit Unsicherheit. Zwischen wissenschaftlichen Erkenntnissen und praktischen Impulsen aus Klinikalltag und Erfahrungen als Führungskraft, spannte er den Bogen von individueller Resilienz über Hoffnung bis hin zu konkreten Methoden, wie dem ‚physiologischem Seufzer‘ für herausfordernde Situationen. Besonders in Erinnerung blieb sein Appell:
Mut ist zu handeln, auch bei nur 50 Prozent.
Entscheidend sei die Bereitschaft, auch unter Unsicherheit Verantwortung zu übernehmen.
Ungewöhnlich, ungehemmt, umgedacht
Am zweiten Tag erprobten die Teilnehmenden ungewöhnliche Methoden, um neue Impulse für ihre Arbeit zu gewinnen. Von Lachyoga über Impro-Theater und Job-Crafting bis zur Positiven Psychologie nutzten sie vielfältige Gelegenheiten zum Ausprobieren. So verließen sie ihre Komfortzone und stärkten ihre Fähigkeit, auch in unsicheren Situationen aktiv zu bleiben.
Ob im Gespräch oder in einem außergewöhnlichen Workshop: Das xFeld gab den Teilnehmenden neue Impulse, um mit Handlungsmut und Neugier in den Jobcenteralltag zurückzukehren.
Die Teilnehmenden lernten in verschiedensten Workshops neue Techniken für mehr Resilienz und Veränderungskompetenz im Alltag.
Kleine Ideen, große Wirkung
Dass Mut oft als Wagnis beginnt, zeigten Praxisbeispiele aus fünf Jobcentern:
Das Jobcenter Altenburger Land stellte seinen gemeinsam gestalteten Sozialraum vor. Ursprünglich aus dem Wunsch entstanden, einen Aufenthaltsort für Mitarbeitende zu schaffen, entwickelte sich daraus ein Beispiel für Beteiligung, Vertrauen und Gemeinschaft, so Nadine Michel, Teamleiterin Leistungsbereich. Dabei geht es um mehr als nur Räumlichkeiten. Diskutiert wurde auch, wie analoge Begegnungen den Zusammenhalt stärken.
Kein Entkommen aus dem Jobcenter? Einen spielerischen Ansatz präsentierte Daniel Röhmeier vom Jobcenter Frankfurt am Main mit seinem interaktiven Exit-Game. Anhand eines fiktiven Falls erleben Teilnehmende die Zusammenarbeit der unterschiedlichen Bereiche eines Jobcenters. Das Thema Hospitationen und Personalgewinnung, mal innovativ gedacht, sind heute unheimlich wichtig geworden. Das Exit-Game wurde dabei als kreativer Weg vorgestellt, um Perspektiven zu wechseln, Vorurteile abzubauen und Interesse an der Arbeit im Jobcenter zu wecken.
Wie Mut zum Dranbleiben aussehen kann, zeigte das kommunale Jobcenter Kreis Offenbach mit dem Projekt IMPULS. Dirk Reiner und Lea-Maria Röhler stellten die regelmäßig stattfindende Gruppenveranstaltung für Menschen, die aktuell weit vom Arbeitsmarkt entfernt sind, vor. Durch konkrete Fallbeispiele und die Erfahrungen wird klar, wie Motivation, Zuversicht und Ressourcenstärkung dazu beitragen können, soziale Teilhabe zu fördern und neue Perspektiven zu eröffnen.
Wir haben gefragt und Sie geantwortet. Am Netzwerkabend sprachen die Teilnehmenden des xFelds 2026 in Göttingen darüber, was Mut für sie bedeutet. Einen Ausschnitt daraus sehen Sie hier:
„Respekt ist keine Einbahnstraße“
Heute immer mehr ein Thema im Jobcenteralltag: Respekt. Mit seiner multimedialen Kampagne setzt das Jobcenter Freiburg ein sichtbares Zeichen für einen wertschätzenden Umgang zwischen Leistungsberechtigten und Mitarbeitenden. Die hausgemachte Respekt-Kampagne setzt auf Bilder von echten Orten, Menschen und authentische Situationen aus dem Jobcenteralltag. Botschaften wie „Hinter jedem Schalter sitzt ein Mensch“ oder „Respekt ist keine Einbahnstraße“ erinnern daran, was im gegenseitigen Umgang vielleicht in Vergessenheit gerät. Im Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen aus anderen Jobcentern wurde deutlich, dass Respekt nicht nur eine Frage der Kommunikation mit Leistungsberechtigten ist, sondern auch der eigenen Haltung innerhalb der Organisation.
Wie Jobcenter auf Fachkräftemangel und hohe Fluktuation reagieren können, zeigte das Jobcenter Berlin Tempelhof-Schöneberg. Vorgestellt wurde ein eigenes Onboarding-Team, das neue Mitarbeitende strukturiert beim Einstieg begleitet und fachliches Lernen eng mit praktischer Anwendung verbindet. Die lebhaften Diskussionen und das große Interesse der Teilnehmenden machten deutlich, wie relevant die Frage geworden ist, neue Kolleginnen und Kollegen langfristig zu gewinnen und zu halten.
Die Bälle in der Luft halten: Während der interaktiven Keynote von Jongleur und Veränderungsexperte Andreas Gebhardt durften die Teilnehmenden ihr Geschick auf die Probe stellen.
Zum Abschluss der Veranstaltung warf Jongleur und Veränderungsexperte Andreas Gebhardt einen Blick auf den Umgang mit Wandel. Seine Botschaft passte zum Leitgedanken des xFelds:
Sicherheit ist kein dauerhafter Zustand.
Wer auch in Zukunft handlungsfähig bleiben wolle, müsse bereit sein, sich kontinuierlich weiterzuentwickeln. Oder wie er es formulierte:
Das Risiko von heute, ist die Sicherheit von morgen. Die beste Zeit für Veränderung ist immer jetzt.
Das xFeld 2026 hat gezeigt: Mut fängt nicht erst bei großen Reformen oder weitreichenden Entscheidungen an. Sondern im Kleinen. Oft entsteht er dort, wo Menschen ausprobieren, voneinander lernen und den ersten Schritt wagen. Genau dafür bot das xFeld erneut Raum. Für Austausch, Inspiration und die Erkenntnis, dass Veränderung weniger eine Frage perfekter Lösungen ist, als die Bereitschaft, gemeinsam mutig zu sein.
Sie können vom xFeld nicht genug bekommen?
Noch mehr Bilder von den zwei aktiven Tagen und die Präsentationen der Praxisbeispiele finden Sie im Extranet der Servicestelle SGB II.