Viele Jobcenter suchen Personal. Auch in Frankfurt am Main ist der Bedarf hoch. Deswegen entwickelt das Haus Führung gezielt weiter und verknüpft die Personalgewinnung eng mit diesen Fortbildungen. Jobcenterleiter Ulli Dvorak und Bereichsleiter Daniel Röhmeier erklären, was sich dadurch verändert hat.
Warum spielt Führung eine so zentrale Rolle für die Personalgewinnung?
Ulli Dvorak: Wir haben irgendwann gemerkt: Ohne gute Führung können wir uns bei der Mitarbeitendenakquise abstrampeln, wie wir wollen. Wir kommen nicht vorwärts. Wenn Führung nicht funktioniert, bleiben die Leute nicht. Oder sie kommen gar nicht erst. Deshalb haben wir uns zuerst um uns selbst gekümmert. Was erwarten wir eigentlich von Führung? Was dürfen Mitarbeitende erwarten? Daraus ist unser eigenes Führungskonzept entstanden, bestehend aus: Klarheit. Orientierung. Und einem gemeinsamen Verständnis davon, wie wir miteinander arbeiten wollen.
Wie bereiten Sie Mitarbeitende im Jobcenter auf Führung vor?
Ulli Dvorak: Viele trauen sich Führung erst mal nicht zu. Oder sie wissen schlicht nicht, was auf sie zukommt. Genau da setzt unser Nachwuchsprogramm an. Wir lassen die Leute ausprobieren: Hospitationen, Austausch, Reflexionsgruppen. Statt Theorieveranstaltung ein Reinschnuppern in den Alltag. Das verändert etwas: Plötzlich sagen Menschen, die vorher gezögert haben: ‚Ich probiere das jetzt.‘ Und einige gehen diesen Schritt dann auch.
Was unterscheidet gute Fachkräfte von guten Führungskräften?
Ulli Dvorak: Wir haben lange Fachexpertinnen und -experten zu Führungskräften gemacht. Das funktioniert nicht automatisch. Führung bedeutet vor allem: mit Menschen arbeiten. Entscheidungen vertreten. Unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen. Wer fachlich gut ist, kann daran wachsen, muss es aber nicht wollen. Deshalb ist für uns die entscheidende Frage: Hat jemand Lust auf Verantwortung für andere?
Wie gewinnen Sie junge Menschen für die Arbeit im Jobcenter?
Ulli Dvorak: Es gibt dieses Bild: Junge Leute wollen keine Verantwortung. Das erlebe ich anders. Was ich sehe: Menschen, die etwas bewegen wollen. Die direkten Kontakt suchen. Die sehen möchten, was ihre Arbeit bewirkt. Und genau das bieten wir. Man hat hier nicht nur Vorgänge, sondern Menschen vor sich. Das spricht viele an.
Daniel Röhmeier: Wir versuchen, das erlebbar zu machen. Nicht mit Hochglanzbroschüren, sondern mit Einblicken in den Alltag. Beim Exit-Game zum Beispiel arbeiten sich die potenziellen Bewerberinnen und Bewerber durch echte Aufgaben. Sie sprechen mit unseren Mitarbeitenden, lösen kleine Fälle. Das Entscheidende ist: Sie machen mit. Sie sitzen nicht nur daneben. Und genau dadurch verstehen sie schneller, worum es hier wirklich geht.
Welche Rolle spielt Ehrlichkeit in der Personalgewinnung?
Daniel Röhmeier: Eine sehr große. Wir sagen ganz klar, was die Arbeit im Jobcenter bedeutet – im Guten wie im Herausfordernden. Das Jobcenter ist kein einfacher Arbeitsplatz. Es ist eine Massenverwaltung, es gibt Druck, es gibt komplexe Situationen. Aber: Man kann hier auch sehr viel bewegen. Uns geht es nicht darum, möglichst viele Bewerbungen zu bekommen. Uns geht es darum, die richtigen zu bekommen.
Was können kleine Jobcenter von Ihrem Ansatz übernehmen?
Ulli Dvorak: „Nicht alles braucht viele Ressourcen. Drei Dinge funktionieren überall.
- Führung klären. Was wollen wir? Wie gehen wir miteinander um?
- Den eigenen Nachwuchs ernst nehmen und fördern.
- Zeigen, wer wir sind – nicht nur schreiben. Der persönliche Kontakt macht den Unterschied.“
Daniel Röhmeier: Und zuhören. Was können die Menschen gut? Was wollen sie machen? Wenn man das ernst nimmt, entstehen oft ganz neue Wege – ohne zusätzliches Budget.
Zentrale Maßnahmen im Jobcenter Frankfurt am Main
- Eigenes Führungskonzept mit klaren Erwartungen
- Nachwuchsprogramm zum Ausprobieren von Führung
- Praxisnahe Personalgewinnung (zum Beispiel durch das Exit-Game*)
- Schulungs- und Qualifizierungszentrum zur systematischen Einarbeitung
- Mehr Zeit für Fortbildung und persönliche Entwicklung
- Fokus auf Haltung, Teamarbeit und passgenaue Einsatzbereiche
*Als Inspiration finden Sie hier eine Exit-Game-Anleitung [DOC, 33KB], die Sie auf Ihr eigenes Jobcenter übertragen können.
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Im Praxisblick erzählen wir mehr spannende Geschichten zum Thema Personalgewinnung, zum Beispiel wie das Jobcenter Hamburg Quereinsteigende in der Leistung einarbeitet.