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Startseite der Servicestelle SGB II Praxisblick „Ich gebe Quereinsteigenden Sicherheit“

„Ich gebe Quereinsteigenden Sicherheit“

Teamleiter David Hausmann kam selbst als Quereinsteiger ins Jobcenter. Im Interview erläutert er, wie gute Einarbeitung aussieht und wann Mitarbeitende bleiben.

Namensnennung nicht erwünscht.

David Hausmann arbeitet seit 2014 im Jobcenter Hamburg am Standort Wilhelmsburg und begleitete seither viele neue Mitarbeitende bei ihrem Einstieg im Bereich Leistungsgewährung.

Sie arbeiten seit 2014 im Jobcenter Hamburg. Was haben Sie vorher gemacht?

David Hausmann: Zuerst eine Kochlehre, dann habe ich das Abitur nachgeholt und ein Wirtschaftsrechtsstudium abgeschlossen. Danach rutschte ich in eine schwierige Phase. Weil ich aber dringend eine Beschäftigung brauchte, arbeitete ich im Postfrachtzentrum. Gleichzeitig erhielt ich Unterstützung durch das Jobcenter Mecklenburger Seenplatte Süd. Dort erfuhr ich dann von einer freien Position in der Rechtsstelle. Ich bewarb mich, wurde leider nur Zweiter, aber bekam am Standort Wilhelmsburg des Jobcenters Hamburg die Chance als Sachbearbeiter im Jobcenter anzufangen – zunächst befristet. Seitdem habe mich bis zur Teamleitung weiterentwickelt.

Was verstehen Sie mit Blick auf die Leistungsabteilung als Quereinstieg?

David Hausmann: Ich sehe mich selbst als Quereinsteiger, weil ich nicht aus der kommunalen Verwaltung oder der Bundesagentur für Arbeit komme. Mein Jurastudium hilft mir bei Aufgaben rund um Gesetze und Rechtsprechung, aber den öffentlichen Dienst musste ich mir neu erschließen.

Was hat Sie damals am Quereinstieg gereizt – und was begeistert Sie heute?

David Hausmann: Mir war es sehr wichtig, weiter mit den Themen Recht und Gesetz zu arbeiten. Die Leistungsgewährung bot mir diese Möglichkeit. Die Arbeit überraschte mich von Anfang an: Ich erlebte ständig neue Konstellationen, viel direkten Kontakt zu Leistungsempfangenden und mochte die vielfältigen rechtlichen Herausforderungen. Diese Abwechslung finde ich sehr reizvoll. Gleichzeitig bietet mir das Jobcenter Hamburg durch seine Größe immer wieder neue Chancen: Von Fachbetreuungen, über Schulungen anderer Mitarbeitender bis hin zu Hospitationen, durfte ich schon vielfältige Erfahrungen machen. Heute ist es vor allem dieser vielfältige Arbeitsalltag, der dafür sorgt, dass ich gern hier arbeite.

Wie hat Ihre Einarbeitung damals dafür gesorgt, dass Sie sich von Beginn an gut aufgehoben fühlten?

David Hausmann: Ich hatte einen festen Paten und lernte früh in der Praxis. Echte, kleine Fälle gaben mir Sicherheit und nahmen die Scheu vor der Software. Wir bündelten die Themen – beschäftigten uns etwa eine Woche nur mit dem Bereich Einkommen, in der nächsten Woche dann mit den entsprechenden digitalen Angeboten, anschließend mit rechtlichen Stellungnahmen und so weiter. So verknüpfte ich nach und nach Wissen und Technik. Schwierig fand ich einen Wechsel der Patenschaft in der Mitte der Einarbeitungszeit. Ich hatte mich an einen Menschen und eine Arbeitsweise gewöhnt, danach änderte sich alles. Heute achte ich daher besonders auf stabile Patenschaften, damit neue Kolleginnen und Kollegen verlässlich begleitet werden.

Wie viele Quereinsteigende arbeiten in Ihrem Team und inwiefern bereichert das den Arbeitsalltag?

David Hausmann: In meinem Team sind etwas mehr als ein Viertel Quereinsteigende. Ihre beruflichen Erfahrungen reichen von Gastronomie über Politik und Mathematik bis zur Sozialarbeit. Diese Vielfalt führt zu frischen Ideen, neuen Fragen und verbessert Abläufe in unserem Jobcenter. Die Quereinsteigenden selbst erleben zu Beginn oft ei-ne hohe fachliche und emotionale Komplexität: anspruchsvolle Rechtsfragen, unterschiedliche Lebenslagen und teils sehr belastende Situationen der Leistungsempfangenden. Dazu kommt ein Außenbild der Jobcenter, das oft unrealistisch ist. Ich unterstütze neue Mitarbeitende daher mit klaren Schritten, offenen Gesprächen und einer Struktur, die Sicherheit gibt. Fachliches entsteht durch Training, Resilienz durch Austausch und Balance. Auch Empathie ist wichtig – es braucht aber auch Abstand, damit wir selbst langfristig gesund bleiben.

Wie begleiten Sie die neuen Mitarbeitenden persönlich?

David Hausmann: In ganz unterschiedlichen Rollen. Seit 2016 gebe ich Schulungen – zuerst zur Software Allegro für die Mitarbeitenden in der Leistung und Eingangszone, später zu vorläufigen Entscheidungen, Aufhebungen, Erstattungen und heute zu Datenschutz. Parallel begleite ich neue Kolleginnen und Kollegen als Einarbeitungspate – früher als Sachbearbeiter und heute als Teamleiter mit meiner Stellvertretung. Wir nutzen den Einarbeitungsplan der Aus- und Fortbildung und planen am Standort konkrete Schritte: geeignete Einstiegsfälle, Fachthemen und den sicheren Umgang mit Allegro und der E-Akte.

Wann bleiben neue Mitarbeitende langfristig?

David Hausmann: Neue Kolleginnen und Kollegen brauchen das Gefühl von Zugehörigkeit. Sie bleiben, wenn sie Unterstützung erleben und merken, dass wir sie ernst nehmen. Wir lassen daher niemanden allein vor einem Stapel Unterlagen sitzen. Das Team achtet darauf, weder mit Belehrungen noch mit Unterlagen zu überfordern. Wir begleiten eng, geben Orientierung und ermöglichen Verantwortung. Die Fachlichkeit vermitteln wir Schritt für Schritt. Eine gute Einarbeitung lebt von Struktur, Nähe und Vertrauen. Letztlich ist es die Kultur im Team, die darüber entscheidet, ob jemand langfristig bleiben möchte.

Fünf Tipps für einen gelungenen Quereinstieg in der Leistungsgewährung

So können Jobcenter- die Einarbeitung erfolgreich gestalten und neue Kolleginnen und Kollegen langfristig binden:

1. Patenschaften bewusst wählen:
Feste persönliche Ansprechpersonen können viel bewegen: Engagierte Patinnen und Paten im Team geben neuen Mitarbeitenden Orientierung und Sicherheit.

2. Mit echten, kleinen Fällen einsteigen:
Konkrete Vorgänge erleichtern den Zugang zum Thema Leistungsgewährung.

3. Komplexität steigern – nicht stapeln:
Neue Mitarbeitende profitieren von klaren Schritten statt Informationsflut.

4. Teamkultur aktiv gestalten:
Unterstützung, Austausch und Offenheit halten neue Kräfte im Jobcenter.

5. Vielfalt nutzen:
Quereinsteigende bringen neue Sichtweisen, die Abläufe verbessern.

Hier finden Sie einen ausführlichen Einarbeitungsplan Leistung im Jobcenter Hamburg [DOC, 111KB].

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