Ob Tauchlehrerin, Sozialpädagogin oder Trainerin – im Jobcenter Rhein-Sieg finden Menschen mit unterschiedlichsten beruflichen Hintergründen ihren Platz. Ihre Erfahrungen bereichern die Arbeit. Ihre Vielfalt ist gelebter Teil des Leitbilds. Zwei Stimmen aus der Praxis.
Angela Glasner: Alle fanden meinen Lebenslauf sehr exotisch.
Meine beruflichen Wege haben mich schon so ziemlich überall hingeführt
, sagt Angela Glasner. Ihre Laufbahn begann im Ausland: In der Türkei arbeitete sie als Abteilungsleiterin im Robinson Club Çamyuva. Später führten sie Stationen nach Israel, Ägypten, Sri Lanka und Mexiko. In dieser Zeit leitete sie unter anderem ein Exkursionsbüro, machte eine Tauchlehrerausbildung und lebte zeitweise unter einfachen Bedingungen am Strand – ohne Strom und fließend Wasser. Aus privaten Gründen kehrte sie schließlich nach Deutschland zurück.
Nach ihrer Rückkehr gestaltete sich der Wiedereinstieg schwierig. Alle fanden meinen Lebenslauf sehr exotisch.
Schließlich fand sie eine Stelle im Wahlamt einer Kommune und entdeckte dabei ihr Interesse für Verwaltung. Mit dem Alter ändern sich die Herausforderungen
, stellt sie fest.
Eine Umschulung zur Verwaltungsfachangestellten folgte. Währenddessen lernte sie Markus Lindmüller, Teamleiter für Rekrutierung sowie Aus- und Weiterbildung im Jobcenter Rhein-Sieg, kennen. Er hat mich mit seiner Präsentation überzeugt.
Ein Praktikum im Jobcenter bestätigte den positiven Eindruck: Was mir sofort aufgefallen ist, war, dass das Jobcenter Rhein-Sieg im Gegensatz zur Kommune viel ‚frischer und entstaubter‘ arbeitet.
Nach dem Praktikum bewarb sie sich. Mit Erfolg: Heute ist sie Fachassistentin im Team Rekrutierung/Aus- und Weiterbildung.
Sabina Bruno: Das Jobcenter Rhein-Sieg ist ein offenes, diverses Arbeitsumfeld, in dem unterschiedliche Perspektiven ausdrücklich willkommen sind.
Nach meinem Studium der Gender Studies war ich in der offenen Jugendarbeit tätig – unter anderem in einem Jugendtreff für queere Jugendliche
, berichtet Sabina Bruno. Dort begleitete sie Projekte, unterstützte Jugendliche im Alltag und hielt Workshops und Vorträge zu queer-sensibler Jugendarbeit.
Für ihren Wechsel in die öffentliche Verwaltung waren zwei Dinge ausschlaggebend: Ich wollte meine sozialpädagogische Erfahrung in einem neuen, vielfältigen Umfeld einzubringen und gleichzeitig einen sicheren Rahmen für berufliche Weiterentwicklung finden.
Seit Februar 2025 arbeitet sie als Integrationsfachkraft im Team Arbeitgeberbetreuung. An ihrer Arbeit schätzt sie die enge, wertschätzende Zusammenarbeit im Team und die Begegnungen mit Leistungsbeziehenden. Ihr Rat an alle, die über einen Quereinstieg nachdenken: Einfach ausprobieren!
Einarbeitung mit System: Der Quereinstieg ist gelebte Praxis
Das Jobcenter Rhein-Sieg setzt seit Jahren auf Quereinsteigende: Alle Mitarbeitenden, die quereinsteigen, bringen eigene berufliche Erfahrungen und einen frischen Blickwinkel mit
, erklärt Markus Lindmüller.
Die Vielfalt der Mitarbeitenden ist gewollt und fest im Leitbild des Jobcenters verankert. Genauso heterogen wie die Lebensläufe unserer Leistungsbeziehenden sind auch die Lebensläufe unserer Mitarbeitenden
, so Lindmüller. Diese Diversität ist ein Gewinn für die Beratung: Sie ermöglicht individuelle Lösungsansätze und stärkt das Verständnis für unterschiedliche Lebenslagen.
Der Quereinstieg ist seit Jahren fester Bestandteil der Personalstrategie. Mehr als die Hälfte aller neuen Kolleginnen und Kollegen kommen jedes Jahr aus verwaltungsfremden Bereichen und den unterschiedlichsten Branchen. Der Umgang mit Vielfalt ist Teil unserer DNA
, so Lindmüller.
Annekathrin Rapsch, Dozentin im Jobcenter Rhein-Sieg und Markus Lindmüller, Teamleiter im Jobcenter Rhein-Sieg.
Strukturierter Start: Onboarding ab dem ersten Kontakt
Wer ohne Verwaltungserfahrung ins Jobcenter wechselt, startet in ein intensives Lernprogramm. Die Einarbeitung gleicht in etwa einer Ausbildung
, erklärt Lindmüller. Denn: Die Inhalte sind komplex und der zeitliche Rahmen eng.
Doch die Unterstützung ist umfassend: Bereits vor dem ersten Arbeitstag beginnt das strukturierte Onboarding. Neue Mitarbeitende erhalten einen Einarbeitungsplan und lernen frühzeitig ihre zukünftige Führungskraft kennen. Uns ist es wichtig, von Anfang an Kontakt zu halten. Das gibt Sicherheit – und ermöglicht eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie
, erläutert Annekathrin Rapsch, Dozentin für interne Schulungen im Jobcenter Rhein-Sieg.
Begleitung durch Training und Praxis
In den ersten Monaten durchlaufen neue Kolleginnen und Kollegen ein kombiniertes Einarbeitungsmodell: Zertifizierte, jobcentereigene Trainerinnen und Trainer übernehmen die theoretischen Schulungen. Die praktische Seite gestalten Einarbeitungskoordinatorinnen und -koordinatoren im jeweiligen Team. Ergänzend steht die „individuelle Lernbegleitung“ zur Verfügung – insbesondere für Personen, deren Studium oder Ausbildung schon einige Jahre zurückliegen. Viele sind das intensive Lernen nicht mehr gewohnt. Die Lernbegleitung hilft, sich zu strukturieren und gezielt Inhalte zu vertiefen
, erzählt Nicole Weber, ebenfalls Dozentin in der internen Qualifizierung.
Fehler sind Teil des Lernens
Ein wichtiger Aspekt der Einarbeitung ist das Arbeitsumfeld: Wir begegnen der Schulungsintensität mit einem optimalen Fokus auf die eigene Einarbeitung
, betont Lindmüller. Dazu gehört auch eine konstruktive Fehlerkultur: Fehler dürfen gemacht werden – sie sind Teil des Lernprozesses. Diese Haltung nimmt Druck und fördert Entwicklung.
FAQ: Wie gelingt der Einstieg als Quereinsteigerin oder Quereinsteiger im Jobcenter Rhein-Sieg?
Ich habe keine Verwaltungsausbildung – kann ich mich trotzdem bewerben?
Ja. Zwar ist je nach Stelle eine Ausbildung oder ein Studium zwingende Voraussetzung, beides muss aber nicht unbedingt verwaltungsnah sein.
Welche Unterstützung bekomme ich als Quereinsteigerin oder Quereinsteiger?
Sie erhalten Schulungen durch zertifizierte Trainerinnen und Trainer, Unterstützung durch Einarbeitungskoordinatorinnen und-koordinatoren im Team und bei Bedarf durch eine individuelle Lernbegleitung.
Habe ich dieselben Entwicklungschancen wie andere Mitarbeitende?
Ja. Eigenschaften wie Serviceorientierung, Beratungskompetenz, Teamfähigkeit und Lernbereitschaft zählen für eine mögliche Personalentwicklung mehr als der formale Ausbildungshintergrund.
Sie haben weitere Fragen zum Quereinstieg im Jobcenter Rhein-Sieg? Nutzen Sie hierfür gerne das Kontaktformular des Jobcenters Rhein-Sieg.
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