Das Projekt „Szenenwechsel in JobAction” des kommunalen Jobcenters Mayen-Koblenz begleitet junge Menschen am Übergang von der Schule in den Beruf. Ein Höhepunkt des Angebots war das Theaterstück „Nummer 128”, welches die beteiligten Jugendliche am 18. Juni bei den Burgfestspielen Mayen auf die Bühne brachten. Wir waren bei der Aufführung dabei und haben mit den Projektverantwortlichen, Träger SoRocket sowie Teilnehmenden über die Entwicklungen gesprochen, die dieses Projekt möglich gemacht hat.
Durch das Projekt habe ich gelernt, mehr Präsenz zu zeigen und mich mehr zu trauen. Jetzt fühle ich mich sicherer, auch vor anderen zu sprechen.
Muaid Algarawie, Teilnehmer des Projekts
Im Mittelpunkt der Aufführung standen Situationen, die viele junge Menschen aus ihrem Alltag kennen: warten, Bewerbungen schreiben, keine Rückmeldung erhalten, sich durch Zuständigkeiten bewegen. Das Stück erzählt diese Erfahrungen aus der Perspektive der Jugendlichen – und zeigt gleichzeitig, wo auch institutionelle Grenzen eine Rolle spielen. Von diesem Perspektivwechsel können auch wir als Jobcenter-Mitarbeitende lernen
, erklärt Daisy Hansen vom Jobcenter Landkreis Mayen-Koblenz nach einem höchst gelungenen, fast ausverkauften Theaterabend.
Das Stück wurde gemeinsam von den Teilnehmenden entwickelt: Sie brachten ihre eigenen Erfahrungen, Vorurteile, Unsicherheiten und Fragen nach Zugehörigkeit ein – und machten ihre persönliche Entwicklung sichtbar, für das Publikum und für sich selbst. Dabei war der Weg dorthin nicht immer leicht, wie Teilnehmer Rodi Marko berichtet:
Am Anfang war es für mich schwer, bei ‚Nummer 128‘ mitzumachen. Das war neu für mich und echt nicht meine Komfortzone. Ich musste mich echt überwinden. Am Ende bin ich aber froh, dass ich es gemacht habe.
Rodi Marko, Teilnehmer des Projekts
Viele der teilnehmenden Jugendlichen befinden sich, wie Rodi, in einer Phase der Orientierung zwischen Schule und Beruf. Unsicherheiten, Zukunftsängste oder herausfordernde Lebenssituationen prägen häufig ihren Alltag. Hinzu kommen persönliche Belastungen, sprachliche Hürden oder Fluchterfahrungen. „Szenenwechsel“ bietet ihnen einen geschützten Raum, um gehört zu werden, Hemmungen abzubauen und Erfolgserlebnisse zu sammeln. Natürlich geht es auch um Kunst, Ausdruck und Bühne – aber eigentlich geht es um etwas Größeres: darum, sich sichtbar zu machen. Sich zu trauen
, sagt Julian Breitbach, Standortleitung des Projekts Szenenwechsel und Sozialpädagoge. Denn auf einer Bühne zu stehen, bedeutet auch, sich auf die Bühne des Lebens zu wagen: laut zu werden, Raum einzunehmen und an sich zu glauben.
Kreative Arbeit als Schlüssel zur Integration
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor des Projekts ist die enge Zusammenarbeit aller Beteiligten: Gefördert durch das Programm JobAction des Landes Rheinland-Pfalz arbeiten das kommunale Jobcenter Mayen-Koblenz, der Träger SoRocket sowie sozial- und theaterpädagogische Fachkräfte eng zusammen, um die Jugendlichen individuell zu begleiten.
Dabei war für das Team des Projektträgers SoRocket von Beginn an klar: Kreative Ansätze wie Theaterarbeit eröffnen einen besonderen Zugang zu eigenen Themen und Erfahrungen. Denn auf der Bühne wird sichtbar, was in Formularen, Lebensläufen oder Maßnahmen oft verborgen bleibt, wie etwa Haltung, Mut, Humor und Verletzlichkeit. Im geschützten Raum der Proben konnten die Teilnehmenden sich ausprobieren, Hemmungen abbauen und Vertrauen in eigene Fähigkeiten entwickeln. Solche Erfahrungen können langfristiger wirken als klassische Maßnahmen, weil sie die Persönlichkeitsentwicklung nachhaltig stärken und neue Perspektiven eröffnen – auch mit Blick auf den weiteren beruflichen Weg,
schildert Julian Breitbach von SoRocket. Mit der eigentlichen Aufführung gingen die Beteiligten dann noch einen Schritt weiter:
Das ist für viele ein enormer Entwicklungsschritt – vielleicht sogar einer der stärksten ihres bisherigen Lebens. Nicht, weil plötzlich alle Probleme gelöst sind, sondern weil sie erleben: ‚Ich kann etwas schaffen, von dem ich vorher dachte, dass ich es niemals könnte.‘
Julian Breitbach, SoRocket
Besonders sichtbar wurde diese Entwicklung unter Applaus und Standing Ovation am Abend der Aufführung. Viele haben etwas geschafft, was sie sich zu Beginn kaum zugetraut hätten
, berichtet Nadine Winter, Koordinatorin U30 im Jobcenter. Die Aufführung sei nicht nur ein kulturelles Ereignis gewesen, sondern auch ein persönlicher Meilenstein für die Teilnehmenden. Für sie ist die zentrale Botschaft des Projekts deshalb:
Junge Menschen möchten gehört, ernst genommen und beteiligt werden. Wenn wir ihnen diese Möglichkeiten eröffnen, entstehen Selbstvertrauen, Motivation und Perspektiven – wichtige Voraussetzungen für eine erfolgreiche Integration in Ausbildung, Arbeit und Gesellschaft.
Nadine Winter, Koordinatorin U30
Auch Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend des Landes Rheinland-Pfalz unterstreicht, wie wichtig passgenaue Angebote für junge Menschen sind:
Nicht allen gelingt es auf Anhieb, den Übergang von Schule in Ausbildung und Beruf zu bewältigen. Mit unserem Förderprogramm „JobAction“ verbessern wir die Chancen junger Menschen, fördern Jugendliche ihrem Bedarf entsprechend konsequent und erhöhen ihre Ausbildungsfähigkeit. Förderprojekte wie „Szenenwechsel“ zeigen eindrucksvoll, wie erfolgreich auf die jeweiligen Bedarfe der Jugendlichen eingegangen werden kann – und vor allem auch, wie viel Potenzial in den Jugendlichen steckt. Deswegen werden wir Projekte dieser Art auch in Zukunft mit dem Europäischen Sozialfonds fördern.
Sabine Bätzing-Lichtenthäler, Ministerin für Arbeit, Soziales, Frauen, Familie und Jugend des Landes Rheinland-Pfalz
Wie geht es weiter mit „Szenenwechsel“?
Mit der Aufführung bei den Burgfestspielen Mayen haben die Beteiligten im Projekt „Szenenwechsel“ einen wichtigen Meilenstein gemeistert. Für die verbleibende Projektlaufzeit bis Ende 2026 steht nun ihre weitere persönliche und berufliche Entwicklung im Fokus.
Langfristig möchten die Verantwortlichen das Projekt weiter ausbauen. Ihr Wunsch: „Szenenwechsel“ fest bei den Burgfestspielen zu verankern – damit noch mehr junge Menschen die Möglichkeit bekommen, ihre Erfahrungen und Perspektiven sichtbar zu machen.
Weitere Eindrücke der Veranstaltung finden Sie in unserer Bildergalerie:
Das Projekt „Szenenwechsel in JobAction” begleitet junge Menschen beim Übergang von der Schule in Ausbildung oder den Beruf.
Typische Szenen aus dem Behördenalltag machen die Perspektiven der Jugendlichen sichtbar.
Im Stück verarbeiten die Jugendlichen eigene Erfahrungen, Unsicherheiten und Fragen nach Identität.
Standing Ovation: Die Aufführung bei den Burgfestspielen Mayen begeistert das Publikum.
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