Rita Harbar brachte ihr Interesse für die öffentliche Verwaltung mit nach Deutschland – und fand den passenden Ausbildungsplatz beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin.
„Ich freue mich darauf, Menschen so zu helfen, wie mir geholfen wurde.“
Rita Harbar, Auszubildende zur Verwaltungsfachangestellten beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL):
Der Öffentliche Dienst hat für mich schon immer einen hohen Stellenwert. Deshalb wollte ich in diesem Berufsfeld bleiben, auch als ich hierhin kam. Deutschland hat für mich und andere so viel getan. Deshalb entstand in mir der Wunsch, selbst einen Beitrag in der öffentlichen Verwaltung zu leisten.
Während meines Bachelorstudiums „Public Management und Verwaltung“ habe ich erkannt, dass mir diese Art der Arbeit liegt. Ich bin sehr hilfsbereit und es gefiel mir, Bekannten bei Fragen zu verschiedenen deutschen Ämtern zu helfen. Ich begann also sofort herauszufinden, wie ich meinen Abschluss hier anerkennen lassen kann. Danach habe ich mich direkt auf verschiedenste Stellen beworben.
Die erste und schwierigste Herausforderung war die Sprachbarriere in Verbindung mit der Bürokratie. Ich habe versucht, Bezeichnungen zu übersetzen, und bin auf Wörter wie „Bescheid“ gestoßen. In meiner Muttersprache wird es als „Benachrichtigung“ übersetzt. Und dann versuchte ich zu verstehen, was das überhaupt ist. Geholfen dabei, die Dokumente dann immer besser zu verstehen, haben mir Deutschkurse und Sprachcafés.
Auch immer dabei: mein Arbeitsvermittler Herr Meyer. Er war beruflich und sozial mein Wegweiser. Er ist jemand, der seine Arbeit liebt und so gut wie möglich helfen will. Immer erreichbar, konnte ich ihm eine Nachricht schreiben und innerhalb einer Stunde rief er zurück. Als ich mich zwischen verschiedenen Ausbildungsplätzen entscheiden musste, erklärte Herr Meyer mir: Folge deinem Herzen. Er betonte auch, dass es sich nicht negativ auswirkt, wenn ich einen ersten Job ausschlage. Noch am Tag dieses Gesprächs erhielt ich den Anruf vom BVL mit dem Ausbildungsangebot. Ohne zu zögern habe ich zugesagt.
Fest steht auch: Ohne die finanzielle Unterstützung vom Jobcenter hätte ich nicht einmal darüber nachdenken können, wie ich mich beruflich weiterentwickeln kann. Ich hätte nicht erreichen können, was ich jetzt habe. All das stärkt mich und der Tag wird kommen, an dem ich anderen Menschen helfe – so wie mir geholfen wurde. In Zukunft werde ich gar keine finanzielle Unterstützung vom Staat mehr benötigen. Jetzt liegt mein Fokus auf der Ausbildung.
„Meine Aufgabe ist es, die richtigen Türen zu öffnen.“
Matthias Meyer, Arbeitsvermittler im Bereich U25 in der Jugendberufsagentur Berlin:
Rita Harbar kam im Mai 2024 über ihre damalige U25-Integrationsfachkraft zu mir. Um sie noch intensiver bei der Ausbildungsplatzsuche zu unterstützen, wurde sie an mich als Mitarbeitenden der Arbeitsvermittlung weitergegeben. In dieser Funktion habe ich einen kleineren Kundenstamm und kann mich gezielt auf jede*n Einzelne*n konzentrieren.
In unserem ersten persönlichen Gespräch hat sie mich sofort beeindruckt. Super vorbereitet stellte Frau Harbar durchdachte, fundierte Fragen zum deutschen Arbeitsmarkt und Ausbildungssystem. Ich habe direkt gemerkt: Sie weiß genau, was sie will, und ist bereit, dafür die Extrameile zu gehen. Sie brachte schon sehr viel mit: ein gutes Bildungsniveau aus der Ukraine, Deutschkenntnisse und vor allem eine enorme Motivation. Das ist nicht selbstverständlich. Ehrlich gesagt musste ich ihre Potenziale gar nicht groß stärken – die waren bereits vorhanden. Meine Aufgabe war eher, ihr die richtigen Türen zu öffnen. Ich habe ihr mein Netzwerk zur Verfügung gestellt und gemeinsam mit ihr eine klare Strategie entwickelt: Wo wollen wir hin und wie kommen wir dort am schnellsten an?
Man mag denken, dass der Weg einer jungen Geflüchteten in den Öffentlichen Dienst mit vielen Hürden verbunden war. Tatsächlich lief es jedoch erstaunlich glatt. Sie erhielt gleich zwei Zusagen für eine Ausbildungsstelle und musste sich entscheiden. Das hat sie zwar zunächst verunsichert, aber wir haben gemeinsam überlegt, welcher Ausbildungsberuf besser zu ihr passt und zwischendurch immer wieder Gespräche geführt.
Eine direkte Abstimmung meinerseits mit dem Arbeitgeber war in ihrem Fall gar nicht nötig. Frau Harbar hat alles selbst übernommen: Bewerbungen geschrieben, sich vorgestellt, überzeugt. Meine Rolle war eher die eines Begleiters im Hintergrund. Drei Dinge haben den entscheidenden Unterschied gemacht: Erstens unsere direkte Kommunikation miteinander. Zweitens ihre Einstellung zur Jugendberufsagentur, die sie als Netzwerkpartner sah, nicht als Behörde, die man „über sich ergehen lassen“ muss. Und drittens natürlich ihre hohe intrinsische Motivation.
Ich wünsche mir, dass auch die Integrationsfachkräfte in der U25-Vermittlung einen geringeren Betreuungsschlüssel bekommen. Denn: Gerade wenn es darum geht, junge Menschen gut und nachhaltig in ihr Berufsleben zu bringen, lohnt sich dieses Investment. Rita Harbar ist ein perfektes Beispiel dafür, was möglich ist, wenn man die Kapazität für eine enge Betreuung hat. Stellen Sie sich vor, wir könnten das für alle jungen Menschen leisten – das wäre ein echter Gamechanger!
„Vielfalt ist ein großer Gewinn für Behörden, fachlich wie auch menschlich.“
Pressestelle des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL):
Frau Harbar hat uns im Auswahlprozess durch ihre offene, freundliche und sehr engagierte Art überzeugt. Besonders beeindruckt hat uns ihre große Lernbereitschaft und Neugier sowie ihr klar erkennbarer Wunsch, sich aktiv einzubringen und weiterzuentwickeln.
Unsere Erfahrungen mit der Integration neuer Mitarbeitenden mit Flucht- oder Migrationsgeschichte sind meist positiv. Wichtig ist ein offenes, unterstützendes Arbeitsumfeld. Für alle Mitarbeitenden haben wir ein standardisiertes Onboarding und bieten individuelle Förderungen an. Was für uns am Ende zählt, sind Motivation, Einsatz und Leistung. Gleichzeitig hat die Internationalität in unserer Behörde einen hohen Stellenwert. Menschen mit einem Werdegang außerhalb Deutschlands sind ausdrücklich willkommen.
Für neue Mitarbeitende sind im öffentlichen Dienst häufig die vielen Fachbegriffen und verwaltungsspezifischen Ausdrucksweisen herausfordernd, die zusätzlich zu einer neuen Sprache erlernt werden müssen. Zudem unterscheidet sich das Bildungssystem in Deutschland oft von anderen Ländern, was manchmal zu Erklärungsbedarf führt bei neuen Auszubildenden.
Insgesamt bieten wir als Bundesbehörde gute Rahmenbedingungen für einen Einstieg ins Berufsleben. Wir leben eine wertschätzende Willkommenskultur, arbeiten strukturiert ein und es gibt feste Ansprechpersonen im Team und regelmäßiges Feedback. Zudem ist die Tätigkeit in unserem Haus sinnstiftend, denn die Mitarbeitenden leisten einen wichtigen Beitrag für das Gemeinwohl.
Anderen Behörden empfehlen wir, Potenziale stärker in den Blick zu nehmen und auch anzuerkennen, welche Zusatzleistung von ausländischen Bewerbenden parallel erbracht werden muss, wie zum Beispiel die Anerkennung ausländischer Abschlüsse oder die Erlangung eines Aufenthaltstitels. Eine offene Haltung und individuelle Unterstützung sind entscheidend, um neue Mitarbeitende langfristig zu gewinnen. Insgesamt zeigt unsere Erfahrung, dass Vielfalt oft ein großer Gewinn für Behörden ist, fachlich wie auch menschlich.
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Im Praxisblick erzählen wir mehr spannende Geschichten zum Thema Vermittlung. Zum Beispiel wie Alwina Wilhelm ihren Traumjob im Reformhaus fand – dank Unterstützung des Jobcenters Landkreis Neunkirchen.
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