Veranstaltungen Übersicht Termine Rückblick Freibetragsrechner Kennzahlen Übersicht Aktuelle Kennzahlen SGB II - Kennzahlentool Hilfe und Erläuterungen Übersicht SGB II-Vergleichstypen Materialien und Downloads Publikationen Übersicht Grundsicherung Chancengleichheit chancen – Das Magazin Flucht Podcasts SGB II-Glossar Sonstige Publikationen Personalausstattung Übersicht Einflussfaktoren Archiv Personalbemessung Zielvereinbarungen Übersicht Archiv Eingliederungsberichte
Digitalisierung in den Jobcentern Grundsicherung
Service Veranstaltungen Kennzahlen Hilfe und Erläuterungen Publikationen Personalausstattung Zielvereinbarungen Praxisblick
Startseite der Servicestelle SGB II Praxisblick Wieder in Arbeit: Inklusive Erfolgsgeschichte aus dem Saarland

Wieder in Arbeit: Inklusive Erfolgsgeschichte aus dem Saarland

Alwina Wilhelm ist glücklich in ihrem Job im Reformhaus – dank der Zusammenarbeit des Jobcenters Landkreis Neunkirchen, der Bundesagentur für Arbeit und des Berufsfortbildungswerks (bfw).

Natalie Pauly, Jobcenter im Landkreis Neunkirchen

Alwina Wilhelm (27) und ihre Chefin Nicole Homann lieben beide ihre Arbeit im Reformhaus Escher.

Sie ist angekommen. Nach Jahren der Suche fühlt sich die 27-jährige Alwina Wilhelm endlich zuhause in ihrem Job als Verkäuferin im Reformhaus Escher in Neunkirchen. Hier blüht sie auf, und wird gebraucht. Doch bis hierhin war es nicht immer einfach: Dyslexie und Dyskalkulie begleiteten sie auf ihrem Weg.

Wie ihr dennoch der Einstieg auf dem ersten Arbeitsmarkt gelang, berichten sie und Ihre Unterstützerinnen und Unterstützer im Folgenden:

„Meine Geschichte ist wie Alice im Wunderland.“

Alwina Wilhelm, Verkäuferin im Reformhaus Escher:

Wenn ich heute im Laden stehe, Kundinnen und Kunden berate und am Ende sogar den Laden selbstständig abschließe, fühlt sich das manchmal wie ein neues Leben an. Der Weg dahin war nicht leicht.

Ich nahm viele Anläufe, um einen Job zu finden: Darunter Praktika, Erprobungen und Ausbildungen in immer wieder neuen Betrieben. Oft scheiterte es daran, dass ich an schlechten Tagen nicht die gleiche Leistung bringen konnte, wie an guten. Auch meine Depression macht das manchmal schwer. Viele wussten nicht, wie sie mit mir umgehen sollen. Immer wieder von vorne anzufangen hat mich frustriert.

Der Wendepunkt kam, als ich über die Reha-Beratung der Bundesagentur für Arbeit in eine Maßnahme der Unterstützten Beschäftigung (UB) beim bfw kam. So kam ich ins Reformhaus. Da hörte man mir zu. Alle Mitarbeitenden kannten meine Geschichte – und sie wussten, dass ich mehrere Chancen brauche.

Ich begann zunächst ein Praktikum. Hier fühlte ich mich zum ersten Mal wirklich gesehen. Nicole, meine Chefin, nahm sich Zeit. Sie erklärte mir alles rund um Ernährung, Vitamine, Schlafhilfen, glutenfreie Produkte. Ich war beeindruckt, wie viel Wissen ich im Reformhaus brauche. Und ich merkte schnell: Das interessiert mich wirklich. Als sich abzeichnete, dass ich bleiben kann, konnte ich es kaum glauben. Meine Geschichte ist wie bei Alice im Wunderland, weil sich plötzlich eine Möglichkeit eröffnete, die ich nicht mehr erwartet habe.

Heute bin ich einfach stolz auf mich. Ich trage Verantwortung, ich lerne jeden Tag Neues. Außerdem habe ich ein tolles Team und eine super Chefin, die alle an mich glauben. Wenn ich meinem früheren Ich etwas mitgeben könnte, wäre es das: Gib nicht auf. Die richtige Stelle kommt. Du darfst so sein, wie du bist.

Der richtige Arbeitgebende kann alles verändern.

Katja Kaiser, Fallmanagerin Reha, Jobcenter im Landkreis Neunkirchen:

Als ich Frau Wilhelm kennenlernte, war klar: sie gibt nicht auf. Aber wir brauchten Geduld. Sie ist Rehabilitandin der Bundesagentur für Arbeit (BA). Das bedeutet, wir stimmen alle Schritte eng zwischen Reha-Beratung der BA, Bildungsträgern wie dem bfw und dem Jobcenter ab. Unser Ziel war: Frau Wilhelm fördern, ohne sie zu überfordern.

Die größte Herausforderung war es, den richtigen Betrieb zu finden. Ein Unternehmen, das ein verständnisvolles Umfeld bietet. Und ein Arbeitgebender, der gemeinsame Lösungen finden will. Nicht jeder Arbeitgebende bringt diese Offenheit mit. Umso wichtiger war es, dranzubleiben.

Der entscheidende Schritt war dann das Praktikum im Reformhaus Escher. Dort passte vieles zusammen. Die Stimmung, die Teamgröße, die Aufgaben. Das Praktikum wurde durch die UB eng begleitet und gleichzeitig haben wir Fördermöglichkeiten vorbereitet: einen Eingliederungszuschuss (EGZ) für sechs Monate und zusätzlich eine Aufstockung aus dem saarländischen Modell-Sonderförderprogramm „Beschäftigung von behinderten Menschen mit multiplen oder gravierenden Vermittlungshemmnissen auf dem ersten Arbeitsmarkt“. Durch diese Kombination konnten wir die Einstellung unterstützen.

Was mich an Frau Wilhelm beeindruckt, ist ihr Durchhaltevermögen. Sie steht immer wieder auf. Sie lässt sich nicht entmutigen. Und genau diese Haltung hat am Ende den Ausschlag gegeben. Als ich hörte, dass der Betrieb sie übernehmen möchte, wusste ich: Das ist der Moment, an dem alles zusammenkommt.

Förderungen für mehr Barrierefreiheit

Eine Rehabilitandin oder ein Rehabilitand ist eine Person, deren Erwerbsfähigkeit aufgrund von Behinderung oder chronischer Erkrankung gefährdet oder gemindert ist und die Unterstützung benötigt, um am Arbeitsleben teilzuhaben oder wieder einzusteigen. Hier ermöglicht die BA spezielle Leistungen zur Teilhabe am Arbeitsleben (LTA).

Im Fall von Frau Wilhelm waren

  • die UB als Reha-Maßnahme der BA,
  • das perfekte Arbeitgebenden-Matching,
  • der EGZ des Jobcenters für sechs Monate und
  • das Modell-Sonderförderprogramm des Saarlandes für Menschen mit Vermittlungshemmnissen

die Schlüssel zum Erfolg.

Frau Wilhelms Energie steckt an. Ich habe viel von ihr gelernt.

Nicole Homann, Filialleiterin des Reformhauses Escher:

Als Frau Wilhelm zu uns kam, war ich eigentlich müde. Ich hatte mehrere Praktika begleitet, manche funktionierten gut, andere gar nicht. Verkauf ist ein Beruf, in dem man offen und ansprechbar sein muss. Das ist nicht für jede oder jeden leicht.

Dann stellte Frau Wilhelm sich vor mit ihrer freundlichen, offenen Art – und ich merkte schnell: Da ist Potenzial. Also starteten wir das Praktikum.

Dass wir sie einstellen konnten, verdanken wir auch der Zusammenarbeit mit Frau Jenny Wannemacher vom bfw, die uns miteinander vernetzte, der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter. So etwas gelingt nur, wenn Zusammenarbeit auf Vertrauen basiert.

Natürlich gab es zu Beginn Fragen: Wie gehen wir mit Frau Wilhelms Einschränkungen um? Wie gestalten wir Abläufe so, dass sie funktionieren? Wir haben viel miteinander gesprochen und kleine Hilfen geschaffen: Spickzettel für Zahlen, klare Routinen, gemeinsame Absprachen. Frau Wilhelm hat viel gefragt und so gezeigt, dass sie bei uns arbeiten will. Manchmal sogar zu sehr – sie ist eher drei Schritte voraus als einen zurück. Da musste ich sie manchmal bremsen.

Heute kann ich sagen: Es hat sich gelohnt. Sie bringt Energie, Freude und Frische ins Team. Und sie hat auch mein Leben verändert: Ich ruhe jetzt mehr in mir selbst. Ich bin eigentlich so ein Mensch: ‚Lieber Gott, gib mir Geduld – aber bitte sofort!‘ Sie hat mich aber tatsächlich gelehrt, durchzuatmen und die Geduld aufzubringen, die Situation in Ruhe zu klären. Das hat mich auch im privaten Bereich nachdenklich gemacht, sodass ich jetzt öfter denke: ‚Moment – jetzt überleg erst mal: Wie würde die Frau Wilhelm damit umgehen?‘ Dafür bin ich sehr dankbar.

Neugierig geworden?

Egal ob erster oder zweiter Arbeitsmarkt – im Praxisblick erzählen wir mehr spannende Geschichten zum Thema Vermittlung. Wie Olena Kheimatulla den Weg zur Umschulung meisterte, lesen Sie in unserem Beitrag.

Mit unserem Newsletter verpassen Sie keine Artikel oder Veranstaltungen mehr. Jetzt anmelden!