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Startseite der Servicestelle SGB II Praxisblick Wieder in Arbeit: Erfolgsgeschichte aus dem Jobcenter Coburg Land

Wieder in Arbeit: Erfolgsgeschichte aus dem Jobcenter Coburg Land

Mit Beharrlichkeit und enger Begleitung startet Frau Kheimatulla ihre Umschulung zur Industriekauffrau. 

Jenny Helmprobst, Agentur für Arbeit Coburg

Olena Kheimatulla kam im Jahr 2023 gemeinsam mit ihrem Kind nach Deutschland. Schritt für Schritt fand sie sich im Alltag zurecht. Ihr nächstes Ziel: in der Arbeitswelt Fuß fassen. Gemeinsam mit dem Jobcenter Coburg Land, der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg entwickelte sie deshalb einen Plan.  Als Teilnehmerin des Pilotprojektes „Jobturbo Deluxe“ startete sie schließlich Anfang August 2024 in eine Umschulung zur Industriekauffrau bei der Federnfabrik Dietz.  

Wie sie den Weg zur Umschulung meisterte, erzählen sie und ihre Unterstützerinnen und Unterstützer im Folgenden:  

Ich musste wieder ganz von vorne anfangen.

Olena Kheimatulla, Umschülerin zur Industriekauffrau:

Die ersten Wochen in Deutschland waren für mich ein bisschen stressig: ein neues Land, neue Menschen, andere Gesetze, auf die ich mich einstellen musste. Gleichzeitig fand ich aber auch Ruhe, neue Möglichkeiten und ein neues Leben. Ich musste wieder ganz von vorne anfangen. Beim ersten Kontakt mit dem Jobcenter wollte ich wissen, ob ich mit meiner zwölfjährigen Berufserfahrung im kaufmännischen Bereich in Deutschland einen Job finden könne. Meine Ansprechperson Frau Nikolenko sagte, dass es möglich ist, es jedoch ein „Aber“ gebe – und das war die Sprache. So begann mein Weg. 

Ich bereitete mich konsequent auf meine Sprachprüfungen vor: vier Stunden täglich Sprachschule, danach drei bis vier Stunden Lernen zu Hause. Ich hörte Podcasts, sah Videos, las Fachtexte. Das zahlte sich aus: Noch bevor ich meine B1-Prüfung bestand, bekam ich die Möglichkeit zur Umschulung bei der Firma Dietz. Im ersten Moment habe ich an mir gezweifelt – doch das Vertrauen der Agentur für Arbeit und des Jobcenters gaben mir Kraft.  

Im Betrieb sammle ich jetzt vielfältige Erfahrungen: Ich war bereits im Einkauf, in der Buchhaltung, in der Logistik und bin aktuell im Auftragszentrum tätig. Jede Abteilung hat ihre spezifischen Aufgaben und Anforderungen, und ich kann überall etwas Neues lernen. Besonders gut gefällt mir die Arbeit im Auftragszentrum, weil ich dort direkten Kontakt zu unseren Kunden habe und sie unterstütze. 

Gleichzeitig ist die Belastung durch die Kombination aus Arbeit, Berufsschule und Alltag hoch. Hinzu kommt die Kinderbetreuung. Dennoch: Heute unabhängig zu sein, bedeutet mir sehr viel. Ich bin sehr dankbar für die Hilfe, die ich am Anfang bekommen habe – sie war wichtig für meinen Start in Deutschland. Gerade deshalb ist es mir aber auch wichtig, eigenes Geld zu verdienen, selbstständig zu sein und meinen Alltag aus eigener Kraft zu gestalten. Diese Unabhängigkeit gibt mir Sicherheit, Stolz und das Gefühl, wirklich angekommen zu sein. 

Frau Kheimatulla hat uns bereits im ersten Gespräch überzeugt, dass sie sich von keinen Herausforderungen zurückhalten lässt.

Tetiana Nikolenko, Integrationsfachkraft Jobcenter Coburg Land:

Als Frau Kheimatulla zu uns kam, war die Situation in ihrem Heimatland unsicher. Deshalb wollte sie gemeinsam mit ihrem Kind neu anfangen. Bereits im ersten Gespräch hat sie uns damals überzeugt, dass sie sich von keinen Herausforderungen zurückhalten lässt. 

Am Anfang wollten wir ihr möglichst viel Zeit für den Spracherwerb geben. Doch nach rund sieben Monaten überraschte sie uns – das erste Kennenlerngespräch fand vollständig auf Deutsch statt. Mit meiner Erfahrung als frühere Fremdsprachenlehrerin weiß ich: Ein solcher Fortschritt verrät zahlreiche Stärken des Menschen. 

Für die Teilnahme am „Jobturbo Deluxe“ waren Eigenmotivation, die Bereitschaft neu anzufangen, Sprachkenntnisse auf B1-Niveau und berufliche Vorerfahrung entscheidend. Frau Kheimatulla brachte all das mit. In der Ukraine war sie zuvor Teamleiterin. Zu Beginn des Projekts fanden alle zwei Wochen persönliche oder telefonische Termine statt-, bei denen wir gemeinsam an Bewerbungen arbeiteten. Wichtig war dabei auch die enge Zusammenarbeit mit dem Arbeitgeberservice der Agentur für Arbeit, um den Bewerbungsprozess zu verkürzen. Dank den direkten Verbindungen der Kolleginnen und Kollegen war es möglich Vorstellungsgespräche oder Praktika schnell und unkompliziert zu vereinbaren.  

Die entscheidenden Faktoren für die schnelle Zusage der Firma Dietz sehe ich in Frau Kheimatullas Organisation, ihrer Lernbereitschaft und ihrer Motivation. Absagen entmutigten sie nicht. Sie blieb offen, probierte Vorschläge aus und hielt konsequent Kurs. Für mich zeigt ihre Geschichte, wie wichtig Vertrauen und engmaschige Begleitung sind. Ohne das fühlt sich eine Person schnell allein gelassen.

Frau Kheimatulla ist ein Paradebeispiel, wie gut eine Umschulung funktionieren kann.

Andrea Dietz, Geschäftsführerin Federnfabrik Dietz GmbH:

Den Start für unsere Teilnahme am „Jobturbo Deluxe“ stellte ein Besuch von Stefan Trebes, Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg dar. Er berichtete uns von einigen Bewerbenden, die gerne an einer Umschulung in unserem Unternehmen teilnehmen wollten. Die zugesicherte umfassende Unterstützung der Agentur für Arbeit bewegte uns dann dazu, am Projekt mitzuwirken.

Eine der besagten Bewerbenden war Frau Kheimatulla. Sie beeindruckte uns sofort, als wir sie kennenlernten: So schnell lernte sie die Sprache. Hinzu kam ihr angenehmes Auftreten, das wunderbar mit uns harmonisierte. Wir mussten daher nicht lange überlegen und entschieden uns für ihre Einstellung. 

Ihr anschließender Einstieg war unkompliziert. Wir konnten mit kleinen Anpassungen den Ausbildungsstart genauso beibehalten, wie auch bei anderen Auszubildenden. Seither durchlief sie schon einige Stationen. Hier zeigt sie sich immer wieder als sehr engagiert und wissbegierig, und mit einer guten Auffassungsgabe. Schwierigkeiten sahen wir bei Frau Kheimatulla nie – im Gegenteil: Sie demonstriert, wie erfolgreich Integration und Umschulung gelingen können.

Der Arbeitgeberservice war in diesem Projekt der Ankerpunkt.

Maksym Holikov, Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg:

Durch meine ukrainische Herkunft unterstütze ich oft sprachlich und kulturell als Berater zwischen Arbeitgebenden und Bewerbenden. Beim „Jobturbo Deluxe“ war vor allem die rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit entscheidend: das SGB II brachte starke Bewerbenden ein, das SGB III die passenden Arbeitgebenden. Auf dieser Basis organisierten wir zunächst Speeddatings und sammelten Informationen, um ein gutes Matching zu ermöglichen. 

In diesem Prozess führten wir auch ein erstes Gespräch mit Frau Kheimatulla. Dabei überprüften wir ihre Sprachkenntnisse und stellten ihr das Projekt vor. Anschließend begleiteten wir sie bis zum Start der Umschulung. 

Für mich zeigt ihre Geschichte, wie wichtig Motivation, Zuverlässigkeit und Lernfähigkeit sind. Dass Frau Kheimatulla innerhalb von sechs Monaten das Sprachniveau B1 erreichte, spricht für sich. Die Förderung über das Qualifizierungschancengesetz machte die Umschulung möglich. Kombiniert mit ihrer vorherigen Berufserfahrung macht sie das zu einer hervorragenden Fachkraft. Ihr Weg zeigt:  Fachkräftesicherung funktioniert, wenn alle motiviert ein Ziel verfolgen.   

„Jobturbo Deluxe“ auf einen Blick 

Jobturbo Deluxe ist ein gemeinsames Pilotprojekt der Agentur für Arbeit Bamberg-Coburg und der Jobcenter der Region. Es startete im März 2024 und richtet sich an motivierte Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten mit ersten Deutschkenntnissen. Das Projekt ermöglicht ihnen den direkten Einstieg in eine dreijährige Umschulung zur Industriekauffrau oder zum Industriekaufmann. Die Teilnehmenden bringen häufig kaufmännische Erfahrungen mit und werden sprachlich und fachlich eng begleitet. 

Wie funktioniert Jobturbo Deluxe“?

Das Projekt baut auf klaren Abläufen und einer engen Abstimmung aller Beteiligten auf. Jobcenter, ArbeitgeberService und Unternehmen arbeiten zusammen und führen Speeddatings für ein passgenaues Matching durch. Zusätzlich unterstützen Sprachkurse, Bildungsträger und die Bezirksregierung beim Übergang in die Umschulung. Unternehmen erhalten zudem finanzielle Förderungen und organisatorische Hilfe.  

Wie lässt sich „Jobturbo Deluxe“ übertragen? 

„Jobturbo Deluxe“ zeigt, wie rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit gelingt. Der Erfolg beruht auf: 

  • motivierten Teilnehmenden mit klaren Zielen, 
  • engagierten Arbeitgebenden, 
  • engmaschiger Begleitung durch Jobcenter und Agentur für Arbeit, 
  • und der guten Einbindung externer Akteure wie Berufsschule und Sprachkursträger. 

Das Projekt wurde bereits bundesweit ausgezeichnet und kommt an weiteren Standorten zum Einsatz. 

Neugierig geworden?

Im Praxisblick berichten wir über weitere Menschen, die dank unterstützender Projekte in Deutschland ankommen und ihren Weg in Arbeit finden. So auch Nathalie Klingbeil, deren Einstieg bei der Stadt Orbdurch das Jobcenter Main-Kinzi-Kreis ermöglicht wurde.

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