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Themenabende mit der ukrainischen Gemeinschaft im Jobcenter Jerichower Land

Im Jobcenter Jerichower Land finden seit einigen Monaten regelmäßig Themenabende statt, die gemeinsam mit und für die ukrainische Gemeinschaft in der Region organisiert werden. Wie es dazu kam und welches Potenzial der Job-Turbo für die Integration von Menschen in den Arbeitsmarkt im Jerichower Land bietet, berichtet Geschäftsführer Markus Weidel im Interview.

Herr Weidel, welche Maßnahmen ergreift das Jobcenter Jerichower-Land, um geflüchtete Menschen in Arbeit zu bringen?

Markus Weidel: Unabhängig von den Themen, die alle im Zuge des Job-Turbos laufen – Integration von Menschen in Erwerbstätigkeit, Pflege einer engeren Kontaktdichte sowie einer höheren Beratungsaktivität – haben wir die Ansprache an die Arbeitgeber besonders in den Mittelpunkt gestellt. Wir waren sehr aktiv dabei, die verschiedenen Unternehmerkreise aus der Region anzusprechen, uns dort vorzustellen und auch den Job-Turbo insgesamt zu präsentieren. Besonders ist bei uns im Jobcenter die gute und enge Zusammenarbeit mit der ukrainischen Gemeinschaft: Wir haben vor zwei Jahren eine ukrainische Sprachmittlerin eingestellt, die sehr gutes Deutsch spricht und die ukrainische Community ehrenamtlich betreut. Diese Kollegin hat uns geholfen, die Ukrainerinnen und Ukrainer im Landkreis besser zu erreichen und zu unterstützen. Diese enge Bindung hilft uns im Jobcenter sehr. Eine ähnlich gut vernetzte Community wie die den Ukrainerinnen und Ukrainer hier im Landkreis gibt es unter Geflüchteten aus den anderen Herkunftsländern nicht.

Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Themenabende für die ukrainischen Geflüchteten zu veranstalten? Wie laufen diese ab und wie ist die Resonanz? 

Markus Weidel: Wir haben mit unserer Sprachmittlerin vereinbart, den Job-Turbo der ukrainischen Gemeinschaft vorzustellen. Diese trifft sich regelmäßig im Gemeindehaus der katholischen Kirche in Burg (Kreisstadt Jerichower Land), um verschiedene Themen zu besprechen. Einen dieser Abende haben wir genutzt und uns als Jobcenter sowie unsere Angebote vorgestellt. Es waren ungefähr 160 Personen anwesend, das Angebot wurde also sehr gut angenommen und es kamen zahlreiche Rückfragen. Da war uns schnell klar: Wir können es nicht bei der einen Veranstaltung belassen. Deshalb haben wir beschlossen, gemeinsam eine Themenabendreihe zu starten. Aktuell planen wir den sechsten gemeinsamen Abend. Die Themen werden auf Wunsch der Teilnehmenden festgelegt und mit den jeweiligen Fachexpertinnen und -experten bei uns im Jobcenter vorbereitet und auch durchgeführt. Nach dem ersten allgemeinen Themenabend haben wir Feedback eingeholt, um herauszufinden, was die Teilnehmenden wirklich interessiert. Weitere Themenabende fanden unter Anderem zu den Themen Jobbörse, Selbstständigkeit, Berufsorientierung und -auswahl, Alles rund ums Kind und Leistungen im SGB II statt. Und die Resonanz ist sehr gut. Die Teilnehmendenzahlen bisher sind beeindruckend und der Wunsch nach mehr zeigt auch, wie akut der Bedarf an Informationen und Austausch ist. Die Termine veröffentlichen wir auf unserer Website, aber Vieles läuft auch über WhatsApp in der ukrainischen Community.

Wie läuft die Zusammenarbeit mit externen Netzwerkträgerinnen und -trägern ab?

Markus Weidel: Die Zusammenarbeit mit den Arbeitgebern ist essenziell. Wir haben regelmäßig Kontakt mit lokalen Unternehmen und Netzwerkträgerinnen und -trägern, sowie der Migrationsberatung. Innerhalb des Landkreises gibt es eine große Arbeitsgruppe Sprache, die regelmäßig tagt und alle Partner hier in der Region mit an Bord holt. Es gibt Veranstaltungen und Jobmessen, bei denen Arbeitgeber die Möglichkeit haben, unsere geflüchteten Leistungsbeziehenden kennenzulernen und ihre Stellenangebote vorzustellen. Diese Vernetzung ist entscheidend, um geflüchtete Menschen in Arbeit zu bringen. Generell waren die Unternehmen sehr interessiert am Thema Job-Turbo und ich erlebe den Personenkreis insgesamt als aufgeschlossen: sie wollen den Geflüchteten eine Chance geben und haben auch die Möglichkeiten dazu. Viele haben auch schon Erfahrungen mit Migrationen aus den Jahren 2015/2016 gesammelt und konnten auf diesen Strukturen aufbauen. Wenn Fragen aufkommen, dann geht es meist um bürokratische Vorgänge, Anerkennungsverfahren oder Ähnliches. Bei der Anerkennungsberatung fehlen oft die Kapazitäten im Hinblick auf ausreichende Terminangebote. Insgesamt ist es wichtig, den gemeinsamen Prozess deshalb so transparent und eng wie möglich zu gestalten.

Welche erfolgreiche Vermittlungsgeschichte einer geflüchteten Person in Arbeit ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Markus Weidel: Da kann ich von einem neunzehnjährigen Ukrainer erzählen: Nach Integrations- und Sprachkurs sowie Einstiegsqualifizierung hat er nun einen Ausbildungsplatz hier bei Burger Küchen, einem großen lokalen Unternehmen, als Fachinformatiker für Systemintegration angeboten bekommen. Das ist für mich ein tolles Beispiel einer nachhaltigen Integration, zumal ein Arbeitsplatz im IT-Bereich auch sein Wunsch war. Er versteht schon sehr gut Deutsch, beim Sprechen ist er noch etwas schüchtern, aber das kann jetzt am Arbeitsplatz weiter gefestigt werden.

Wo sehen Sie die Herausforderungen bei der (langfristigen) Integration von geflüchteten Menschen in Arbeit und wie gehen Sie mit diesen Herausforderungen um?

Markus Weidel: Eine große Herausforderung ist die Sprachkompetenz. Ohne gute Deutschkenntnisse ist eine nachhaltige Integration schwierig. Daher legen wir großen Wert auf Sprachkurse und kontinuierliche Sprachförderung. Glücklicherweise haben wir hier bei uns in Burg im Jerichower Land recht kurze Wartezeiten. Zudem müssen wir eng mit den Arbeitgebern zusammenarbeiten und ihnen klarmachen, dass sie den geflüchteten Menschen eine Chance geben können, auch wenn diese noch nicht vollständig qualifiziert sind. Netzwerkarbeit in der Region ist enorm wichtig, genauso wie der Kontakt zwischen den Geflüchteten und potenziellen Arbeitgebenden. Wir müssen definitiv weiter Zeit in Integrations- und Aufbaukurse investieren. Durch den Job-Turbo haben wir eine hohe Kontaktdichte und die Leistungsbeziehenden werden, sofern genügend Personal und Ressourcen verfügbar sind, regelmäßig ins Jobcenter eingeladen. Damit können wir ganz viel erreichen.