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Servicestelle SGB II für Jobcenter | SGB2.info Praxisblick Ein Terminal, viele Möglichkeiten

Ein Terminal, viele Möglichkeiten

Das Jobcenter Dresden bündelt digitale Verwaltungsangebote verschiedener Institutionen und erleichtert damit die digitale Teilhabe vieler Leistungsberechtigter. 

Kristin Schley (schleychwerbung)

Ricardo Donat, Geschäftsführer im Jobcenter Dresden

Im Jobcenter Dresden steht seit September 2025 ein besonderes digitales Terminal bereit. Dieses bündelt die digitalen Angebote verschiedener Institutionen. Im Interview berichtet Ricardo Donat, Geschäftsführer im Jobcenter Dresden, warum sich das Jobcenter für die Erweiterung seines „Startpunkt Digital“ entschieden hat, wie die Entwicklung ablief und vieles mehr. 

Herr Donat, wie sind Sie auf das Terminal aufmerksam geworden und warum hat sich das Jobcenter Dresden für seine Einführung entschieden? 

Ricardo Donat: Einer meiner Kollegen wurde zufällig im Fitnessstudio darauf aufmerksam – ursprünglich wurde es nämlich für Krankenkassen entwickelt. Danach haben wir intensiv geprüft, wie wir das Terminal für unsere Arbeit nutzen können. Schnell zeigte sich, dass das Terminal eine sinnvolle Ergänzung für unseren ‚Startpunkt Digital‘ darstellt. Weniger digitalaffine Menschen benötigen dabei Unterstützung. Daher bieten wir auch ergänzende Workshops an, etwa zu OnlineBewerbungen.

Das eID-Terminal in der Eingangszone

Welche konkreten Angebote stehen am Terminal zur Verfügung? 

Ricardo Donat: Über das Terminal können Leistungsberechtigte neben jobcenter.digital auch Online‑Dienste der Bundesagentur für Arbeit, Angebote einiger Krankenkassen sowie Dienste von Städten und Landkreisen nutzen. Auch die Beantragung eines Führungszeugnisses, die Abfrage der Punkte in Flensburg und alle ELSTER‑Verfahren sind möglich. Ein Scanner und Belegdrucker ermöglichen zudem den direkten Nachweis digital eingereichter Unterlagen. 

Welche Zielgruppen nutzen das Terminal und auf wen richten Sie Ihr Angebot besonders aus? 

Ricardo Donat: Ich sehe bei unseren Leistungsberechtigten drei verschiedene Zielgruppen: digitalaffine Personen, Personen mit gewissen Vorbehalten gegenüber digitaler Behördenkommunikation und Personen, die digital kaum oder gar nicht erreichbar sind. Unser Fokus liegt auf der zweiten Gruppe. Durch gemeinsames Ausprobieren möchten wir Sicherheit vermitteln und zeigen, dass digitale Angebote eine sinnvolle Alternative sein können. Für Menschen, die wir digital nicht oder nur eingeschränkt erreichen, sind wir selbstverständlich weiterhin persönlich da. 

Sie erwähnten bereits, dass Sie neben dem Startpunkt Digital“ und dem Terminal auch weiterführende Workshops anbieten. Wie funktionieren diese in der Praxis? 

Ricardo Donat: Die Workshops entstanden aus der Erfahrung, dass Menschen oft nicht an fehlenden Fachkenntnissen scheitern, sondern an den digitalen Prozessen, wie etwa Bewerbungen. Wir unterstützen praxisnah, indem wir diese Prozesse gemeinsam erarbeiten und direkt an den eigenen Geräten ausprobieren. In Kooperation mit der Stadt Dresden finden Workshops in externen Beratungsstellen statt, wodurch wir das gesamte Stadtgebiet abdecken.

Gab es Herausforderungen bei der Entwicklung und Einführung des Terminals – und wie wurden sie gelöst? 

Ricardo Donat: Der Entwicklungsprozess verlief sehr gut. Besonders wichtig war aus meiner Sicht, das Projekt im Haus umzusetzen und die Mitarbeitenden mitzunehmen. Um Berührungsängste abzubauen und einen sicheren Umgang zu schaffen, durften Mitarbeitende das Terminal zunächst auch für private Anliegen nutzen. Ergänzend boten wir interne Schulungen an. Diesbezüglich bin ich sehr stolz auf unser Haus. Einige Kolleginnen und Kollegen setzten sich intensiv mit dem Terminal auseinander und entdeckten sogar zusätzliche Funktionen, wie etwa die Beantragung des Dresden-Passes.  

Holen Sie kontinuierlich Feedback zum Terminal ein? Wenn ja, wie fällt dieses aus? 

Ricardo Donat: Das Feedback zu unseren Angeboten fällt insgesamt sehr positiv aus – sowohl von Nutzenden des Terminals als auch von den externen Beratungsstellen, mit denen wir zusammenarbeiten. Das freut uns besonders, denn die Rückmeldungen bestätigen uns darin, dass der Bedarf da ist. 

Wie sieht die Zukunft des Projekts aus?  

Ricardo Donat: Aktuell plant die Stadt Dresden den Ausbau weiterer Terminals. Gemeinsam arbeiten wir daran, digitale Angebote innerhalb der Stadt noch stärker zu verknüpfen und Prozesse zu vereinfachen. Jobcenter sind dabei Schnittstellen für digitale Angebote. Zieht eine Person beispielsweise um und wendet sich zunächst an das Jobcenter, erfolgt derzeit häufig noch der Verweis an das Bürgerbüro zur Ummeldung, bevor anschließend die Adressänderung im Jobcenter vorgenommen werden kann. Perspektivisch wollen wir diesen Prozess vereinfachen, indem die Ummeldung direkt am Terminal im Jobcenter vorgenommen werden kann. Hier kann eine positive Erfahrung entstehen, die dazu beiträgt, dass die Bürgerinnen und Bürger digitale Angebote künftig selbstverständlicher nutzen.  

Was würden Sie Jobcentern mitgeben, die ein ähnliches Angebot planen? 

Ricardo Donat: Ich möchte vor allem dazu ermutigen, Dinge auszuprobieren. Auch für uns war zu Beginn nicht vollständig absehbar, welche Möglichkeiten sich mit dem Terminal eröffnen. Der kontinuierliche Austausch mit den Leistungsberechtigten darüber, wo es Herausforderungen gibt und wie Unterstützung noch besser gelingen kann, spielt bei der Entwicklung von Angeboten eine zentrale Rolle. Das schafft Sichtbarkeit – vor allem aber stellt es die Menschen in den Mittelpunkt. Genau dafür sind wir letztendlich da, und das ist für mich eine Herzensangelegenheit. 

Zentrale Learnings von Ricardo Donat aus dem Projekt: 

  • Digitale Teilhabe ganzheitlich betrachten: Eigene digitale Angebote sind wichtig, aber erfolgreiche digitale Teilhabe erfordert den Blick auf das gesamte Unterstützungs- und Angebotsumfeld. 
  • Vernetzung als Erfolgsfaktor: Digitale Unterstützungsangebote sollten aufeinander abgestimmt werden, um Synergien zu nutzen. 
  • Transparenz schaffen: Nur wenn vorhandene Angebote bekannt sind, können sie sinnvoll genutzt und weiterentwickelt werden. 

Auch weitere Jobcenter haben das multifunktionale Terminal in den vergangenen Monaten implementiert, so zum Beispiel die Jobcenter Zwickau und Nordsachsen. Die Geschäftsführungen ziehen ein erstes Fazit: 

Mark Gäbelein, Geschäftsführer im Jobcenter Nordsachsen

Seit Anfang 2026 stehen die digitalen Servicepunkte an allen vier Standorten des Jobcenters Nordsachsen den Bürgerinnen und Bürgern zur Verfügung. Das ist unser Beitrag zur digitalen Teilhabe im ländlichen Raum – ein echter Mehrwert für gelebte Kundennähe. Digitalisierung bedeutet für uns: praktische Lösungen, die den Alltag erleichtern, Schritt für Schritt umgesetzt und immer bürgernah sowie von persönlicher Beratung begleitet. 

In erster Linie ist es für uns wichtig, mit diesem zusätzlichen Service auf digitale Angebote aufmerksam zu machen, denn tatsächlich ist für viele Leistungsbeziehende „digital“ Neuland. Eine Hürde liegt oftmals darin, dass sich Besucherinnen und Besucher aufgrund fehlender eigener Technik und folglich mangels Erfahrung nicht zutrauen, digitale Angebote zu nutzen. Der unkomplizierte Zugang zu den verschiedensten Angeboten wird sich positiv auf die Nutzung der digitalen Produkte und Programme des Jobcenters auswirken. Insofern zahlt sich die Unterstützung der Bürgerinnen und Bürger durch unsere Mitarbeitenden in Bezug auf deren Handlungsmöglichkeiten und die Funktionen des Terminals auch für uns aus. Unser Terminal wird nun täglich durch Personen genutzt, die im Jobcenter ein Anliegen klären oder einem Termin nachkommen möchten. 

Neugierig geworden?

Im Praxisblick erzählen wir mehr spannende Geschichten zum Thema Digitalisierung,zum Beispiel wie das Jobcenter München mit einem Mobil Leistungsbeziehende an digitale Anwendungen heranführt.

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