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Mit Erfahrung und Herz: Ver­mittlungs­arbeit im Wandel

Ramona Stresemann – über 20 Jahre Vermittlung, neue Herausforderungen und warum sie sagt: Nicht aufgeben heißt die Devise.

Jobcenter Vorpommern-Greifswald

Ramona Stresemann

Frau Stresemann, wie lange arbeiten Sie bereits in der Arbeitsvermittlung?

Ramona Stresemann:
Ich arbeite seit etwa 20 Jahren im Bereich der Arbeitsvermittlung. Mein beruflicher Start in der Bundesagentur für Arbeit war im Jahr 2001 als Mitarbeiterin in der Eingangszone. Dann hatte ich 2005 für ein Jahr die Möglichkeit, meine Arbeit in der ARGE ‚Job-Center Uecker-Randow‘ - Dienststelle Pasewalk - als Mitarbeiterin in der Eingangszone fortzusetzen. 2006 folgte dann eine weitere Veränderung innerhalb der Dienststelle Pasewalk und ich bin in die Arbeitsvermittlung gewechselt. Hier arbeite ich bis heute.

Ich kann durch meine Unterstützung einen großen Beitrag für den Einzelnen leisten. Hierüber bin ich sehr glücklich.

Wie haben Sie die Entwicklung des Arbeitsmarkts in den letzten Jahren erlebt – insbesondere mit Blick auf die Zielgruppen im SGB II?

Ramona Stresemann:
Der Arbeitsmarkt hat sich in den letzten Jahren grundlegend geändert. Digitale Fähigkeiten sind heute wichtiger denn je. Außerdem stehen heute viel mehr und auch andere Arbeitsangebote für die Beratung und Vermittlung zur Verfügung als noch vor 10 Jahren. Durch die politischen Ereignisse der letzten Jahre ist zudem die Unterstützung von geflüchteten Menschen zu einer Hauptaufgabe geworden.

Wie hat sich die Vermittlungsarbeit verändert?

Ramona Stresemann:
Die größte Veränderung ist das Voranschreiten der Digitalisierung. Viele Abläufe sind schneller geworden, transparenter und für alle besser zugänglich. Zudem gibt es weniger einfache berufliche Tätigkeiten, während die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften steigt. Ich muss also die vorhandenen regionalen, aber auch überregionalen Netzwerke kennen und nutzen, um erfolgreich zu vermitteln. Außerdem mache ich mich regelmäßig mit den sich verändernden Berufszweigen vertraut und berate zu diesen. Es gehört inzwischen dazu, Stellen zu vermitteln, Qualifizierungen anzubieten, Berechtigungen für Sprachkurse festzustellen und die Nutzung digitaler Angebote zu unterstützen.

Gibt es bestimmte Zielgruppen, bei denen sich die Herausforderungen besonders verändert haben?

Ramona Stresemann:
Für alle Zielgruppen des SGB II gilt: je länger eine Arbeitssuche andauert, desto schwieriger und zeitintensiver wird der individuelle Eingliederungsprozess. Deshalb ist ein Ziel unseres Jobcenters, Menschen durch professionalisierte Leistungen und Angebote schneller und passgenauer in Arbeit zu vermitteln, um Langzeitarbeitslosigkeit zu vermeiden.

Aus welchen Vermittlungsfällen konnten Sie besonders viel lernen?

Ramona Stresemann:
Kein Fall gleicht dem anderen. Menschen sind vielschichtig, ihre Bedürfnisse und die damit verbundenen Hintergründe individuell. Besonders Leistungsbeziehende mit einer Fluchtgeschichte berühren und inspirieren mich. Viele wollen neu anfangen, stehen aber vor großen Herausforderungen. Es ist wichtig, den Menschen Kraft und Zuversicht zu geben und auch die Rahmenbedingungen zu berücksichtigen – wie Kinderbetreuung oder Gesundheit.

Welche Ansätze haben sich in der Praxis bewährt?

Ramona Stresemann:
Der Fokus auf den Erwerb von Sprachkompetenzen. Zudem hat sich die spezialisierte Betreuung von Zielgruppen bewährt. Im Jobcenter Vorpommern-Greifswald führen wir gemeinsame Fallbesprechungen mit dem gemeinsamen Arbeitgeber-Service (gAGs) durch, um Unterstützung aus verschiedenen Blickwinkeln zu ermöglichen. Ein wichtiges Tool ist auch die JobZENTRALE – eine auf unseren Einzugsbereich ausgerichtete Metasuchmaschine für Stellenangebote mit zahlreichen Sprachversionen, die wir aktiv nutzen.

Ich nutze die Strategien der „kleinen Schritte“ und lasse mich von Misserfolgen nicht unterkriegen. Ich halte viel von zweiten Chancen.

Können Sie ein Beispiel nennen, wie Sie konkret eine schwierige Vermittlungssituation erfolgreich begleitet haben?

Ramona Stresemann:
Ein Leistungsbeziehender kam 2023 mit seiner Frau und zwei kleinen Kindern aus der Ukraine nach Deutschland. Der Mann war 35 Jahre alt, hatte keine Deutschkenntnisse, war aber als Elektroingenieur hochqualifiziert. Wir schmiedeten gemeinsam einen Plan: Er startete im September 2023 mit dem Sprachkurs, den er im Juli 2024 erfolgreich abschloss. Parallel erfolgte mit unserer Unterstützung die Anerkennung seiner Abschlüsse. Er nahm jedes unserer Angebote wahr: Bildungsberatung, Gemeinsame Beratungstage, Jobmesse, Beratungsgespräche, Sprachkurse, digitale Angebote und die Nutzung der JobZENTRALE. Trotz vieler Bewerbungen und Vorstellungsgespräche blieb der Erfolg zunächst aus. Wegen des noch bestehenden Sprachdefizites erhielt er Absagen. Daraufhin organisierte ich für ihn einen B2-Kurs. Da es vor Ort keinen Platz mehr gab, entschied er sich, nach Prenzlau zu fahren. Das war ein großer Einsatz, der sich gelohnt hat.

Rückschläge gehören zum Leben. Manchmal braucht es viele kleine Schritte. Nicht aufgeben heißt die Devise.

Im Mai 2025 berichtete er dann von 35 Bewerbungen, sieben Videovorstellungsgesprächen und zwei konkreten Einladungen. Im August hatte er drei Zusagen: aus Berlin, Sachsen und Baden-Württemberg. Er entschied sich letztlich für die Stelle in Baden-Württemberg und trat am 1. September 2025 dort die Arbeit an. Ich habe mich sehr mit ihm gefreut.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Vermittlungsarbeit?

Ramona Stresemann:
Ich wünschen mir, dass die persönliche Beratung erhalten bleibt und nicht durch Künstliche Intelligenz ersetzt wird. Gute Vermittlung lebt vom direkten Kontakt. Auch eine verlässliche finanzielle Ausstattung und mehr Wertschätzung für unsere Arbeit wären wichtig. Es ist eine anspruchsvolle und sinnstiftende Tätigkeit – und für mich eine Arbeit aus tiefstem Herzen.

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