Alexandra Schmitt und Nicole Coutier standen vor großen Hürden: lange Arbeitslosigkeit, gesundheitliche Einschränkungen, finanzielle Sorgen. Heute sind beide aus dem Team im Wundzentrum Werner in Langenselbold nicht mehr wegzudenken. Wie haben sie das geschafft?
„Ich kann meinen Kindern wieder mit Stolz begegnen.“
Alexandra Schmitt, kaufmännische Leitung im Wundzentrum in Langenselbold:
Ich bin 53 Jahre alt. Viele Jahre war ich bei Schwab Versand angestellt, bis eine Krebserkrankung und Depressionen alles veränderten. 2015 folgte die Arbeitslosigkeit. Als Alleinerziehende wollte ich meinen Kindern ein gutes Beispiel sein, aber Körper und Seele haben nicht mitgespielt. Es gab viele frustrierende Phasen. Bis ich mir professionelle Hilfe suchte, hat es lange gedauert. Einige Jahre war ich dann in ambulanter Therapie. Meine Freunde und Familie haben mir in dieser Zeit geholfen. Auch mein Fallmanager im Jobcenter, Herr Pospischil, hat mich sehr einfühlsam begleitet und mir Mut gemacht. Dann gab mir im Mai 2022 meine heutige Arbeitgeberin Frau Werner eine Chance – und ich merkte recht schnell: Ab jetzt wird’s nur noch besser! Der Wiedereinstieg in die Arbeitswelt verlief dank Frau Werners Geduld und Verständnis gut. Ich bin von Anfang an offen mit meiner Situation umgegangen, was mein Selbstwertgefühl gestärkt hat. Heute bin ich kaufmännische Leiterin. Ich organisiere, plane, kümmere mich um Buchhaltung und Rechnungswesen und habe immer ein offenes Ohr für das Team. Das Wichtigste: Ich kann meinen Kindern wieder mit Stolz begegnen. Meine Botschaft: Niemals aufgeben, immer an sich glauben – und wenn nötig, nach Hilfe fragen. Alles dauert seine Zeit.
„Solange man aktiv bleibt, ergeben sich Möglichkeiten.“
Nicole Coutier, Wundversorgerin im Wundzentrum Werner in Langenselbold:
Ich bin gelernte Kinderkrankenschwester und 43 Jahre alt. Nach meiner Elternzeit wollte ich unbedingt zurück in meinen Beruf. Aber das war nicht möglich: Mein Sohn ist chronisch krank und bekam keinen Hortplatz. Ohne nachschulische Betreuung konnte ich keine Schichtarbeit übernehmen. Das war das größte Hindernis. Mehrere Jahre habe ich gesucht, doch in dieser Zeit nur eine geringfügige Beschäftigung in der Schulbetreuung gefunden. Wegen des geringen Verdienstes erhielt ich Unterstützung vom Jobcenter. Die finanziellen Sorgen waren das Schwerste. Der Kontakt zum Jobcenter war immer freundlich und hilfreich. Ich hatte das Gefühl, dass meine Situation verstanden wurde und mir gezielte Hilfeangebote gestellt wurden. Die Unterstützung meiner heutigen Chefin, mein eigener Ehrgeiz und der Zuspruch meiner Familie und Freunde haben mir in dieser Zeit geholfen, nicht aufzugeben. Im Jahr 2023 kam der Wendepunkt: Das Vorstellungsgespräch im Wundzentrum Werner. Es war sehr aufregend, und ich war unsicher, ob ich den Anforderungen gewachsen bin. Aber Frau Werner hat mir mit ihrem Verständnis den Einstieg erleichtert. Heute arbeite ich als Wundversorgerin und Teamleitung im Außendienst. Es bedeutet mir sehr viel, wieder in meinem erlernten Berufsfeld zu arbeiten und mich dort weiter zu spezialisieren. Das Zusammenspiel mit Patientinnen und Patienten, Angehörigen, Arztpraxen und Pflegediensten ist herausfordernd, aber auch sehr erfüllend. Das Beste: Ich konnte zum ersten Mal mit meiner Familie in den Urlaub fahren. Mein Tipp: Solange man aktiv bleibt, ergeben sich immer Möglichkeiten.
„Dranbleiben, auch wenn nicht alles glattläuft.“
Frank Pospischil, Fallmanager im kommunalen Jobcenter Main-Kinzig-Kreis:
Bei Frau Schmitt war die lange Zeit ohne Büroerfahrung die größte Hürde. Ihr langer Bezugszeitraum machte eine Vertrautheit mit heutiger Bürosoftware unwahrscheinlich. Außerdem war die Arbeitgeberin zur Zeit ihres Einstiegs gerade erst dabei, sich selbständig zu machen. Das war ein emotionales Auf und Ab, ob die Beschäftigung tatsächlich zustande kommt. Bei Frau Coutier war die Betreuungssituation das größte Hindernis. Schichtarbeit kam für sie nicht infrage. Wir haben im Wundzentrum eine Stelle für sie gefunden, die ideal zu ihrer Familiensituation passt. Es gab aber auch bei ihr Momente, in denen der Erfolg infrage stand. Besonders das Vorstellungsgespräch war schwierig: Frau Coutier wirkte schüchtern und wortkarg. Das lag wahrscheinlich auch daran, dass sie zu diesem Zeitpunkt noch etwas unsicher war, ob sie den körperlichen Anforderungen in dem Job gewachsen sein würde. Trotz dieser Herausforderungen haben wir gemeinsam Lösungen gefunden. Entscheidend dabei war, dass wir alle Chancen und Herausforderungen vor Ort mit allen Beteiligten regelmäßig abgestimmt haben. Heute sind sowohl Frau Schmitt als auch Frau Coutier fest im Team des Wundzentrums integriert! Das zeigt, wie sehr unsere Arbeit die Lebenssituation und Perspektive der Menschen positiv verändern kann. Mein Tipp für andere Jobcenter: Dranbleiben, auch wenn nicht alles glattläuft.
„Ich bin froh, dass ich beiden eine Chance gegeben habe.“
Janette Werner, Gründerin Wundzentrum Werner GmbH:
Ich kannte Frau Schmitt privat. Frau Coutier wurde mir vom Jobcenter vorgestellt. Mit beiden bin ich offen und neutral in die ersten Gespräche eingestiegen. Natürlich hatte ich anfangs Bedenken wegen der langen Arbeitslosigkeit und der Belastung, aber die waren völlig grundlos. Beide sind sehr flexibel und arbeitswillig und freuen sich jederzeit auf neue Herausforderungen. Die finanzielle Unterstützung des Jobcenters über die SAM-Förderung* erleichterte uns als junges Unternehmen die Einarbeitung enorm. Mein Rat an andere Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber: Traut euch – es lohnt sich. Ich bin froh, dass ich beiden eine Chance gegeben habe.
Mehr Einblicke im Video
Ein Auf der Website des kommunalen Jobcenters Main-Kinzig-Kreis können Sie einen weiteren Beitrag lesen und ein kurzes Video sehen, dass einen Eindruck vermittelt von Alexandra Schmitt und Nicole Coutier an ihrem neuen Arbeitsplatz.
*Was ist die SAM-Förderung?
Für die erfolgreichen Vermittlungen ins Wundzentrum war die Förderung des Arbeitgebers nach § 16e SGB II wesentlich. Dieses Förderinstrument unterscheidet sich deutlich von klassischen Eingliederungsleistungen, und zwar hinsichtlich mehrerer Dimensionen:
- Zielgruppe: Die Förderung ist gezielt für Personen konzipiert, die seit mindestens zwei Jahren arbeitslos sind und aufgrund bestehender Vermittlungshemmnisse nur eingeschränkte Chancen auf eine unmittelbare Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt haben.
- Bedingung: Es muss ein sozialversicherungspflichtiges Beschäftigungsverhältnis begründet werden.
- Ziel: Die Förderung soll eine langfristige Perspektive für die geförderten Person und Arbeitgeber eröffnen und Beschäftigung nachhaltig stabilisieren.
- Wesentliches Merkmal: Deutlich längere Förderdauer, sie kann bis zu zwei Jahre betragen. Im Mittelpunkt steht nicht nur die finanzielle Entlastung des Arbeitgebers, sondern insbesondere die nachhaltige Integration langzeitarbeitsloser Menschen in den Arbeitsmarkt unter begleitender Unterstützung durch das Jobcenter.
Neugierig geworden?
Im Praxisblick stellen wir inspirierende Erfolgsgeschichten vor – zum Beispiel, wie Deniz Eyidogan dank des Jobcenters Aachen nach 20 Jahren Arbeitslosigkeit eine neue Perspektive als Hausmeisterhelfer gefunden hat.
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