Ein Minijob kann mehr sein als nur ein Nebenverdienst: Er kann die Tür zu einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung öffnen. Das Jobcenter Flensburg unterstützt Menschen dabei, diesen Schritt zu gehen. Aram Aleksanyan ist einer von ihnen. Auf Minijob-Basis überzeugte er beim Fahrzeugfolierer Carwrapper und verbesserte gleichzeitig sein Deutsch. Heute gehört er fest zum Team.
„Ohne Arbeit hat mir etwas gefehlt. Heute mache ich wieder das, was schon immer meine Leidenschaft war.”
Aram Aleksanyan, Folierer und Mitarbeiter bei „Carwrapper“:
Als ich aus der Ukraine nach Deutschland kam, habe ich schnell gemerkt: Mir fehlen Arbeit, Struktur und natürlich auch das Einkommen. Zuhause war ich es gewohnt anzupacken. Deshalb wollte ich nicht lange warten – ich habe im Internet nach Werkstätten gesucht und einfach selbst angeklopft.
Mit meiner Familie lebte ich im Umland von Kiew und hatte dort meine eigene Werkstatt für Fahrzeugfolierungen. Eigentlich habe ich Ingenieurswesen studiert, aber ich mag das Praktische lieber. Als das Nachbarhaus durch den Krieg zerstört wurde, war aber klar: Wir müssen gehen und uns anderswo ein Leben aufbauen.
Bei „Carwrapper“ habe ich vor drei Jahren schließlich gefunden, was ich gesucht habe. Ich konnte wieder in meinem Beruf arbeiten und mein Wissen sofort einbringen. Zunächst war ich geringfügig beschäftigt, weil ich parallel noch einen Deutschkurs besucht habe.
Die erste Zeit war nicht immer einfach. Mein Deutsch war noch nicht so gut und wir haben oft Englisch gesprochen. Nach einem Jahr bin ich in eine Vollzeitstelle gewechselt. Inzwischen klappt die Kommunikation viel besser. Den direkten Kontakt mit Kundinnen und Kunden überlasse ich aber manchmal noch lieber meinem Chef Marc.
Besonders schön ist, dass uns mehr verbindet als die Arbeit. Autos sind auch privat mein großes Hobby. Ich fahre selbst einen Sportwagen und besuche gerne Drift-Veranstaltungen. Diese Leidenschaft teilen Marc und ich. Mittlerweile treffen sich auch unsere Familien privat gelegentlich.
Natürlich träume ich manchmal noch davon, irgendwann wieder eine eigene Werkstatt zu haben. Im Moment bin ich aber zufrieden mit meinem Leben hier. Anderen Menschen, die neu nach Deutschland kommen, möchte ich Mut machen: Zeigt Initiative, bleibt dran und gebt nicht auf. Gleichzeitig wünsche ich mir, dass mehr Unternehmen offen auf geflüchtete Menschen zugehen. Viele bringen Motivation und Fachwissen mit. Manchmal braucht es nur jemanden, der ihnen eine Chance gibt.
„Nach kurzer Zeit war klar: Den lassen wir nicht mehr gehen.“
Marc Laskowski, Inhaber der Firma „Carwrapper”:
Eines Tages stand Aram gemeinsam mit seiner Frau vor der Tür und fragte nach Arbeit. Die beiden kamen zunächst mit meiner Frau ins Gespräch – und unterhielten sich bestimmt eine Stunde lang. Schnell war klar: Aram hatte in der Ukraine bereits seine eigene Werkstatt geführt und genau die Arbeit gemacht, die wir auch bei „Carwrapper” machen. Fachlich passte das sofort.
Genauso wichtig war die menschliche Seite: Aram übernimmt Verantwortung, denkt mit und packt an. Wenn ich mal nicht da bin, weiß ich, dass der Laden läuft. Diese Haltung findet man nicht jeden Tag.
Wegen seines Sprachkurses startete er zunächst auf Minijob-Basis. So konnten wir uns erstmal kennenlernen. Trotz anfänglicher Sprachbarrieren war schnell klar: Das ist ein Volltreffer. Ein Jahr später wurde daraus eine Vollzeitstelle. Heute möchte ich ihn nicht mehr hergeben – im Gegenteil: Am liebsten hätte ich ihn doppelt.
Gemeinsame Leidenschaft für Fahrzeuge: Aram Aleksanyan (links) und Marc Laskowski präsentieren ein Design bei „Carwrapper“.
Vielleicht war ich auch deshalb offen für diesen Schritt, weil ich selbst gute Erfahrungen mit der Arbeitsagentur gemacht habe. Der Weg in meine Selbständigkeit wurde damals durch ein Gründungscoaching begleitet. Deshalb weiß ich, wie wichtig Unterstützung und Chancen sein können. Auch in Aarams Fall waren die Begleitung und die Fördermöglichkeiten des Jobcenters für meinen Betrieb eine wertvolle Hilfe.
Ich wünsche mir, dass mehr Unternehmen den Mut haben, Menschen eine Chance zu geben, auch wenn sie noch nicht perfekt Deutsch sprechen oder etwas Unterstützung brauchen. Die passenden Fördermöglichkeiten gibt es. Gerade in Zeiten des Fachkräftemangels lohnt es sich, offen zu sein.
„Herr Aleksanyan war ein Paradebeispiel dafür, wie über eine gringfügige Beschäftigung die vollständige Integration gelingen kann.“
Herr Fabian, Integrationskraft Jobcenter Flensburg:
In meinem Projekt begleite ich rund 40 bis 50 Menschen auf dem Weg vom Minijob in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung. Das ist oft schwieriger, als es klingt. Nicht jede geringfügige Beschäftigung lässt sich ausbauen, häufig stehen persönliche, gesundheitliche oder betriebliche Hürden im Weg.
Manche Betriebe schätzen die Flexibilität von Minijobs oder sind unsicher, wie sie ausländische Qualifikationen einschätzen sollen. Gleichzeitig gibt es Branchen wie den Verkauf, das Friseurhandwerk oder das Reinigungsgeschäft, in denen sich Arbeitszeiten oft schrittweise ausbauen lassen.
Die vergleichsweise kleine Fallzahl im Projekt ermöglicht eine engmaschige Betreuung. So kann ich die Leistungsbeziehenden individuell begleiten, mit Arbeitgebenden im Austausch bleiben und möglichen Unstimmigkeiten bei Beschäftigungsbedingungen nachgehen.
In der Regel ermutige ich die Leistungsbeziehenden zunächst, selbst mit ihrem Arbeitgeber über eine Ausweitung ihrer Arbeitszeit zu sprechen. Wenn das nicht gelingt, suche ich das Gespräch mit den Betrieben. Dabei vermittle ich, welche Vorteile eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für die Mitarbeitenden bietet, etwa mehr Sicherheit und eine bessere Absicherung im Alter.
Umso mehr freue ich mich über Fälle wie den von Herrn Aleksanyan. Er hat von Anfang an viel Eigeninitiative gezeigt und gezielt nach Betrieben gesucht, die zu seiner beruflichen Erfahrung passen. Gleichzeitig traf er auf einen Arbeitgeber, der sein Potenzial erkannt und ihm trotz anfänglicher Sprachbarrieren die Chance gegeben hat, sich zu beweisen. Dass die Zusammenarbeit fachlich und menschlich so gut funktioniert hat, war aus meiner Sicht ein entscheidender Erfolgsfaktor.
Vom Minijob zur Vollzeitstelle: Integrationskraft Herr Fabian (links) vom Jobcenter Flensburg im Austausch mit Aram Aleksanyan und Marc Laskowski bei Carwrapper.
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