Eines Tages fand sich Tanja Müller* plötzlich im Jobcenter wieder – ein Jahr zuvor hatte sie ihre betriebsbedingte Kündigung erhalten. Zur gleichen Zeit erkrankte sie und ein langer Genesungsprozess begann. Heute ist Tanja Müller wieder im Jobcenter und arbeitet als Arbeitsvermittlerin im Team von Barbara Willhelm* in Berlin Mitte.
„Für mich war es sowas wie ‚Liebe auf den ersten Blick.“
Tanja Müller*, Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Berlin Mitte:
Seit einem Jahr arbeite ich als Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Berlin Mitte. Ich hatte zuvor Jura studiert. Nach dem Studium war ich in einem Betreuungsverein tätig – bis er verkauft wurde und ich mich umorientieren musste. In dieser Zeit ohne Arbeit erkrankte ich. Ich wurde operiert, Zeit verging und ich rutschte ins SGB II. Für mich war das erstmal ein Schlag, weil ich Angst hatte und es mir peinlich war… bis ich auf Paula Bundt traf.
Als ich Arbeit suchte, kümmerte sich das Alleinerziehenden-Team des Jobcenters um mich. Paula Bundt war damals meine Ansprechperson. Für mich war es sowas wie „Liebe auf den ersten Blick.“ Ich habe gleich gesehen: Die Frau hört mir zu. Sie weiß, was ich will: in den öffentlichen Dienst. Sie hat mich aufgebaut, meine Stärken erkannt und mich begleitet. Als Stellen in der Arbeitsvermittlung des Jobcenters zu besetzen waren, erklärte sie mir die Anforderungen. Da merkte ich schnell: Das entspricht genau meinen Stärken und ist genau das, was ich will – auch weil ich so gerne andere Menschen berate, motiviere und ihnen zuhöre.
Mir war bewusst, dass ich einen Job finden muss, an dem ich trotz Herausforderungen wachsen kann und gleichzeitig auch noch genug Kraft für meine Familie und mich selbst habe. Ein Ort, wo ich tatsächlich aufleben kann. Die Stelle im Jobcenter passte. Deswegen wollte ich unbedingt in Vollzeit arbeiten – auch weil ich aufs Geld schaue. Ich will meinen Kindern etwas mitgeben, ihnen etwas bieten, sie fördern. Das ist mir superwichtig. Sie sollen sehen, dass eine Frau allein, stark, selbstbestimmt, selbstbewusst und selbstwirksam durchs Leben gehen kann, für sich selbst sorgen und ein unabhängiges Leben führen kann. Das wollte ich meinen zwei Töchtern weitergeben. Sie haben mich immer motiviert. Natürlich möchte ich auch ein gutes Vorbild sein.
Ich habe mich also eingelesen in das Thema SGB II. Gleichzeitig hat Paula Bundt mich auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet. Ihr Tipp: „Zeig, dass du teamfähig bist.“ Dann folgte ein gutes Vorstellungsgespräch. Es war wie im Flow. Ich war in meiner Rolle aufgegangen und es hat gefruchtet. Paula war mein Glücksbringer!
Heute fühlt es sich großartig an, Menschen wieder in Arbeit zu bringen. Ich gehe ganz häufig aus dem Haus und sage: Ich liebe diesen Job und kann behaupten: Ich bin angekommen!
„Tanja kennt die andere Seite des Schreibtischs. Diese Erfahrung verändert den Blick auf die Dinge.“
Paula Bundt*, Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Berlin Mitte:
Ich arbeite als Vermittlerin im Team für Alleinerziehende. Tanja Müller und ich waren uns von Anfang an sympathisch. Sie brachte eine gewisse Lebenserfahrung, Sprachkenntnisse und juristisches Wissen mit. Ihre Menschlichkeit hat mich direkt beeindruckt und ist in der Arbeitsvermittlung wichtig. Ich merkte insgesamt sehr schnell, dass ich sie gerne als Kollegin hätte. Und so haben wir dann auch zusammen an dem Ziel gearbeitet.
Ihre hohe Motivation war von Anfang an spürbar. Sie wollte ihre Situation ändern. Natürlich gab es auch Höhen und Tiefen und ich musste sie ein bisschen aufbauen. Dafür hatten wir im Alleinerziehenden-Team ausreichend Zeit: Wir betreuen nur 100 Leistungsberechtigte. Dadurch haben wir mehr Zeit als in den Basisteams und können gemeinsam einen längeren Weg gehen. Außerdem arbeiten wir in einem Netzwerk mit der AWO und Familienzentren zusammen. Diese Netzwerkarbeit hat meine Sicht auf die Erfordernisse und Bedarfe von Alleinerziehenden geprägt.
Netzwerkarbeit ist aber für alle Mitarbeitenden – auch unter Kolleginnen und Kollegen – wichtig. Diesen Rat gab ich auch Tanja Müller, als sie die Stelle antrat. Und dass sie auf ihre Gesundheit achten soll, um handlungsfähig zu bleiben.
Tanja kennt die andere Seite des Schreibtischs. Diese Erfahrung verändert den Blick auf die Dinge. Wer ungewollt arbeitslos war, der kann anders mitreden.
„Tanja Müller schafft es andere Menschen zu motivieren.“
Barbara Willhelm*, Teamleiterin im Bereich „Markt und Integration“ im Jobcenter Berlin Mitte:
Seit 15 Jahren leite ich das Team Markt und Integration im Jobcenter Berlin Mitte. Tanja Müller ist eines von 14 Team-Mitgliedern und sie passt atmosphärisch sehr gut zu uns. Wir setzen auf Beständigkeit, kollegiale Zusammenarbeit gehen fair miteinander um – das ist mir genauso wichtig wie fachliche Qualifikationen.
Frau Müller brachte alles mit, was wir für die Stelle gesucht haben: Sie schafft es andere Menschen zu motivieren und Herausforderungen richtig anzugehen. Das kann sie herausragend gut – und dadurch ergänzt sie unser Team um weitere Stärken.
Ihr Potenzial war früh zu erkennen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten sind noch lange nicht ausgeschöpft. Die Arbeitsvermittlung hat sehr breit gefächerte Aufgaben und die Einarbeitung ist gerade für Quereinsteigende herausfordernd – auch für Frau Müller. Aber sie hatte schon Verwaltungserfahrung in einer Behörde und juristische Kenntnisse durch ihr Studium. Das machte sich schnell bemerkbar. Zudem war sie von Anfang an sehr motiviert und ehrgeizig.
Ich bin sehr beeindruckt, wie Frau Müller ihren Weg gegangen ist – trotz gesundheitlicher Einschränkungen und als alleinerziehende Mutter von zwei Kindern. Sie hat nie nachgelassen. Im Gegenteil: Manchmal habe ich das Gefühl, dass ich sie ein bisschen bremsen muss (lacht).
Neugierig geworden?
Im Praxisblick erzählen wir mehr spannende Geschichten zum Thema Vermittlung. Zum Beispiel wie Rita Habar einen Ausbildungsplatz in einer Bundesbehörde fand – dank Unterstützung der Jugendberufsagentur Berlin.
Mit unserem Newsletter verpassen Sie keine Artikel oder Veranstaltungen mehr. Jetzt anmelden!