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Flucht

Geflüchtete am Arbeitsmarkt: Forschende präsentieren Maßnahmen-Evaluation

Profitieren Geflüchtete von Integrationsmaßnahmen am Arbeitsmarkt? Und sind solche Maßnahmen volkswirtschaftlich sinnvoll? Diesen Fragen gingen sieben Forschungsinstitute gemeinsam nach. Am 3. Dezember 2021 stellten sie ihre Ergebnisse vor und diskutierten mit Fachleuten darüber.

Mitarbeitende von sieben Instituten der empirischen Wirtschafts- und Sozialforschung haben untersucht, wie arbeitsmarktpolitische Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete wirken. Unter Federführung des Forschungsinstituts zur Zukunft der Arbeit (IZA) führten sie dafür statistische Wirkungsanalysen durch. Sie nutzten hierfür administrative Daten der Bundesagentur für Arbeit und die Ergebnisse einer Längsschnitt-Befragung von Geflüchteten. Ergänzt wurden diese quantitativen Analysen durch  insgesamt 16 regionale Fallstudien, die Interviews mit mehr als 300 Personen umfassten, eine flächendeckende Online-Befragung von Agenturen für Arbeit und Jobcentern in zwei Wellen sowie ergänzende Experteninterviews, um Wirkungszusammenhänge besser identifizieren und erklären zu können. Den Auftrag für das Forschungsprojekt hatte das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) erteilt.

Die wichtigste Erkenntnis ist: Der weit überwiegende Teil der untersuchten Maßnahmen erhöht den Arbeitsmarkterfolg der Menschen signifikant. „Zum Beispiel sind im Durchschnitt rund zwei Drittel derjenigen, die an einer Aktivierungsmaßnahme bei einem Arbeitgeber teilnehmen, nach 40 Monaten beschäftigt, bei vergleichbaren Nichtteilnehmenden aber nur gut die Hälfte“, erläuterte der Projektleiter, Professor Holger Bonin vom IZA. Das BMAS ergänzte: „Besonders erfreulich ist, dass der Maßnahmeneinsatz auch wirtschaftlich ist. Die Integrationsmaßnahmen kosten weniger, als die öffentliche Hand durch eingesparte Sozialleistungen und zusätzliche Steuern und Beiträge zurückerhält.“ Der Erfolg zeige sich insbesondere darin, dass die Maßnahmen vielen der so Geförderten den Einstieg in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung ermöglichen. Die festgestellten Beschäftigungseffekte führten so zumindest auf mittlere Sicht zu einer gesamtfiskalisch positiven Kosten-Nutzen-Bilanz.

Bei Frauen besteht noch Handlungsbedarf

Ein weiteres Ergebnis der Studie: Aufgrund der Maßnahmen erlangen viele der Teilnehmenden ein deutlich höheres Niveau in der deutschen Sprache – eine wichtige Voraussetzung, um am gesellschaftlichen Leben in Deutschland teilzunehmen und berufliche Aufstiegsperspektiven zu erhalten.

Je nach Alter und Qualifikation profitieren verschiedene Gruppen unterschiedlich stark von den Maßnahmen – und Frauen mindestens genauso gut wie Männer. Sie finden jedoch deutlich seltener ihren Weg in Maßnahmen. Hier besteht also noch Handlungsbedarf. Inwiefern Frauen von speziell auf sie zugeschnittenen Angeboten profitieren, muss noch weiter erforscht werden: Frauenspezifische Maßnahmen sind hilfreich, um Ungleichheiten auszugleichen“, sagte Professor Martin Brussig vom Institut Arbeit und Qualifikation der Universität Duisburg-Essen. Hier gebe es noch viel Aufklärungsbedarf, auch bei den Mitarbeitenden in den Jobcentern: „Zu oft werden Migrantinnen ausschließlich in Richtung einer Tätigkeit in der Pflege beraten.“ Oft würde ihnen auch unterstellt, sie seien besonders familienorientiert, in traditionellen Strukturen verhaftet und deshalb wenig zugänglich für Unterstützungsangebote.

Teilnehmende berichten aus der Praxis

Nach der Online-Präsentation der Ergebnisse konnten sich die Teilnehmenden selbst einbringen. Einige ergänzten das Gesagte mit Erfahrungen aus ihrer praktischen Arbeit.

So erläuterte Renate Schremmer von der Regionaldirektion Berlin-Brandenburg der Bundesagentur für Arbeit, dass eine individuelle muttersprachliche Beratung in den ersten Wochen nach der Einreise wünschenswert sei. Neben der gesundheitlichen Situation seien dann auch die beruflichen Erfahrungen zu erkennen und (berufliche) Lebensziele zu erarbeiten, um idealerweise bereits vor Beginn der Sprachkurse eine hohe Motivationslage zu schaffen.

Ruth Weckenmann aus der Regionaldirektion Baden-Württemberg verwies darauf, dass Mütter mit Kindern im betreuungsbedürftigen Alter in ihrem Bundesland bisher ungenügend Zugang zu Integrationsmaßnahmen des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF) hätten, weil es kein Angebot von Kinderbetreuung gebe. Eine weitere Teilnehmerin machte auf ein anderes Problem aufmerksam: Viele Geflüchtete, die zur Beratung zu ihr kämen, könnten die Vorteile einer sozialversicherungspflichtigen Tätigkeit gegenüber einem Minijob zunächst nicht nachvollziehen. Dies zu vermitteln sei schwierig und weitere Aufklärung notwendig.

Studie formuliert Empfehlungen

Aus den Ergebnissen ihrer Studie leiteten die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler Handlungsempfehlungen ab, wie das Instrumentarium und die Rahmenbedingungen für die Integration von Geflüchteten in Zukunft verbessert werden können. Dazu zählt zum Beispiel, dass noch mehr geeignete Geflüchtete an wirksamen Maßnahmen teilnehmen sollten. Die hierfür erforderlichen Ressourcen der Jobcenter sollten entsprechend gestärkt werden. Geflüchtete Frauen und ihre besonderen Bedürfnisse sollten bei der Zuweisung in Maßnahmen noch stärker in den Fokus genommen werden. Bei den an der Förderung Beteiligten sollten teils vorhandene Stereotype hinterfragt und angegangen werden. Außerdem sollten Arbeitgebende künftig stärker einbezogen, Geflüchtete noch gezielter beraten und rechtliche Hürden weiter abgebaut werden.

Das IZA hat die Ergebnisse mit vielen Grafiken in einer Präsentation zusammengefasst. Sie können die PDF-Datei hier herunterladen.

Auf der Website des BMAS können Sie den gesamten Schlussbericht zur „Begleitevaluation der arbeitsmarktpolitischen Integrationsmaßnahmen für Geflüchtete“ kostenlos herunterladen.