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Servicestelle SGB II für Jobcenter | SGB2.info Praxisblick Verantwortung lernt man oft auf Umwegen

Verantwortung lernt man oft auf Umwegen

Ein Gastbeitrag des Leistungsbeziehenden David Blödow: Wie sein Wiedereinstieg in Arbeit durch die Unterstützung des Jobcenters Vorpommern-Greifswald gelang.

privat, Kurt Pogoda für IAB

Geradlinig war sein Weg nicht. Dennoch gelang David Blödow der Wiedereinstieg ins Berufsleben – auch dank Unterstützung des Jobcenters Vorpommern-Greifswald. Wie genau es dazu kam, wer ihn auf seinem Weg begleitete und wie er heute auf diese Zeit zurückblickt, lesen Sie hier:

Manchmal werde ich auf die vielen Stationen in meiner Vergangenheit angesprochen. Ja, ich habe mich oft ausprobiert, und ja, ich habe Fehler gemacht. Ich war in einer Lebensphase, in der mir die Orientierung fehlte, gerade als wichtige Stützen wegbrachen und ich viel zu früh Verantwortung übernehmen musste, der ich damals kaum gewachsen war.

Aber genau das ist der Punkt: Ich schäme mich nicht für diese Zeit. Im Gegenteil. Ein lückenloser Lebenslauf sieht auf dem Papier schön aus, aber er erzählt nichts über die Fähigkeit, Krisen zu meistern. Ich habe gelernt, mich aus schwierigen Situationen selbst herauszuarbeiten. Ich habe gelernt, was Verantwortung wirklich bedeutet, weil ich weiß, wie es aussieht, wenn man sie schleifen lässt.

Wenn ich die Zeit zurückdrehen könnte, um einen 'perfekten' Lebenslauf zu haben, wäre ich heute ein anderer Mensch. Vermutlich ein schwächerer. Ich möchte, dass meine Kinder genau den Vater erleben, der ich heute bin: Keinen, der unfehlbar ist, sondern einen, der weiß, dass Hinfallen erlaubt ist – solange man wieder aufsteht. Das ist die Botschaft, die ich heute auch als Autor weitergebe.

Eine der wichtigsten Erkenntnisse des letzten Jahres ist für mich: Das Leben wirkt oft wie ein ewiger Kreislauf. Manche Menschen bleiben darin gefangen. Für mich war es die Chance, genau zur richtigen Zeit diesen Kreislauf zu durchbrechen und meinen Weg geradlinig fortzusetzen. Vielleicht bin ich es gewesen, der diesen Schritt gegangen ist, aber entscheidend war für mich, zu verstehen, wer diesen Schritt mit mir geht.

Das, was eigentlich schon immer in mir war, wurde durch die richtige Unterstützung zum Weg nach draußen. Ein großer Anteil daran gebührt dem Albert Schweitzer Familienwerk, das mir in schwierigen Zeiten den Rücken stärkte.

Besonders hervorheben möchte ich jedoch die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter Vorpommern-Greifswald. Als meine Tochter zu mir zog, war das Entgegenkommen dort spürbar. Es waren Menschen, keine bloßen Aktenzeichen, die mir halfen:

Meine Leistungssachbearbeiterin im finanziellen Bereich, die durch ihre kompetente und direkte Art besticht – eine Konstante, die nicht um den heißen Brei redet, sondern die Hebel ehrlich und sicher setzt. Meine Arbeitsvermittlerin, die als persönliche Beraterin stets einfühlsam und verständnisvoll auf meine familiäre Situation blickte. Und, die engagiert nach Lösungen und Perspektiven für Arbeitnehmer sucht. Für mich war diese Hilfe ein Zeichen des Entgegenkommens, das in mir die Motivation weckte, genau das zurückzugeben.

So traf ich schließlich auf Netto Marken-Discount. Das Angebot eines Zuverdienstes erschien mir privat und finanziell als die ideale Lösung, um den Weg dorthin zurückzufinden, wo ich wieder sein wollte: mitten im Berufsleben.

Bei Netto bekam ich schnell die Möglichkeit, etwas zu schaffen, mich selbst zu verwirklichen und mir dabei treu zu bleiben. Die Zusammenarbeit im Team, die Motivation und das Vertrauen waren ausschlaggebend. Dabei habe ich gelernt: Man bekommt etwas, wenn man bereit ist zu geben.

Heute kann ich mit Stolz behaupten, den Sprung geschafft zu haben und mich dort genau richtig zu fühlen. Wenn ich heute auf diesen Weg zurückblicke, verspüre ich Stolz und nehme eine große Portion Motivation für die Zukunft mit. Und ich bin dankbar für alle, die mich auf dieser Etappe unterstützt haben. Doch für mich soll es das nicht gewesen sein – ich sehe mich jetzt erst am Anfang dessen, was noch kommen soll. Ich habe erkannt, dass meine wahre Motivation darin liegt, irgendwann etwas zu hinterlassen, das mit Geld nicht zu bezahlen ist: Gefühle und Zeit.

Manchmal braucht es Jahre, um alle Zeichen zu verstehen, und manchmal ändert eine einzige kleine Eingebung alles. Meine Vergangenheit – privat wie beruflich – hat mich zum Nachdenken angeregt. Durch einen Traum entstand so die Idee zu meinem Buch. Zentrale Themen meiner Geschichten sind Mysterium, Trauma, Chaos, Reue und Vergebung, verpackt in surrealen Zuständen. Dadurch möchte ich nicht nur Menschen erreichen, die gerne lesen, sondern Menschen, die fühlen und miterleben wollen.

Für mich steht heute fest: Das, was mir meine wichtigsten Bezugspersonen damals gaben, möchte ich heute an meine Kinder weitergeben. Das Vertrauen, das ich von meinem Umfeld und meinem Arbeitgeber bekomme, möchte ich nicht enttäuschen, sondern ehrlich erwidern.

Über David Blödow

David Blödow (37) lebt in Wolgast in Mecklenburg-Vorpommern und arbeitet seit August 2025 beim Netto Marken-Discount in Teilzeit.

Mit dem Jobcenter Vorpommern-Greifswald kam der alleinerziehende Vater in einer Phase großer Veränderungen in Kontakt. Sein Arbeitslosengeld lief aus, gleichzeitig zog seine Tochter im Teenageralter zu ihm. Es musste vieles gleichzeitig geregelt werden, erinnert er sich. Neben Anträgen und Behördengängen galt es, einen neuen Familienalltag zu organisieren und neue berufliche Perspektiven zu entwickeln.

Die Zusammenarbeit mit dem Jobcenter erlebte er als verständnisvoll und lösungsorientiert: Es ging nicht darum, alles sofort perfekt zu machen, sondern darum, die wirklich relevanten Punkte nacheinander zu klären.

Bei einer vom Jobcenter organisierten Jobmesse lernte David Blödow dann seinen heutigen Arbeitgeber kennen – der Wiedereinstieg in das Berufsleben gelang. Heute übernimmt er Verantwortung im Markt und blickt auf diese Zeit als entscheidenden Wendepunkt zurück. Sein Ziel: Langfristig den Leistungsbezug verlassen und finanziell unabhängig werden.

Neben seiner beruflichen Tätigkeit schreibt er heute unter dem Pseudonym Daisy Maguerin Romane, die sich mit Themen wie Angst, Schuld und persönlicher Entwicklung beschäftigen. Für die Zukunft wünscht er sich vor allem Stabilität, sowohl beruflich als auch privat.

Menschen in ähnlichen Situationen macht David Blödow Mut: Ein Schritt zurück bedeutet nicht automatisch zu scheitern. Manchmal braucht es diesen Schritt, um zwei nach vorne zu kommen.

Man muss nicht perfekt starten, um an sein Ziel zu kommen

Das weiß auch Raffaele Gianni. Früher war er ein Kind im SGB II-Leistungsbezug – heute arbeitet er in der Bundestagsverwaltung. Hier lesen Sie mehr über seine Geschichte.

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