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Beratung

Fallmanager im Außendienst

Jobcenter Unna Logo

Im Jobcenter Unna sind die Schreibtische einiger Fallmanager und -managerinnen zum Teil den ganzen Tag unbesetzt. Sie sitzen im Café, im Park oder in den Wohnungen von Leistungsberechtigten. Nicht zum Vergnügen, sondern ganz offiziell: Ihre Arbeitsmethode nennt sich „walk & talk“. In Unna im östlichen Ruhrgebiet finden solche Treffen außerhalb der Jobcenter-Büros seit 2018 statt. Auch andere Jobcenter wie Eberswalde und Dessau (siehe separaten Artikel) probieren sie bereits aus.

Im Rahmen zweier Projekte gehen einige Fallmanager aus Unna regelmäßig in diesen „Außendienst“. Im Projekt „Guide“ vermitteln sie Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen in den Arbeitsmarkt. „Take Off“ richtet sich an schwer erreichbare Jugendliche und Erwachsene unter 25 Jahren. Bei beiden Projekten ist eine enge Bindung zu den Teilnehmenden wichtig.

Der Schreibtisch als Barriere fällt weg.

„Durch die Methode des ‚walk & talk‘ fällt die wahrgenommene Barriere des Schreibtisches weg, eine Begegnung auf Augenhöhe lässt sich so leichter erreichen“, beschreibt Fallmanager Christian Weil seine Erfahrung bei „Guide“. Die Leistungsberechtigten kennen den Ablauf eines regulären Gespräches in der Behörde. Durch den Ortswechsel nach draußen, in den Park oder in die Nachbarschaft ändert sich die bekannte und zum Teil negativ behaftete Routine.

Das verändert die Atmosphäre des Gesprächs und zum Teil auch dessen Verlauf. Das Treffen wird persönlicher und die Leistungsberechtigten fühlen sich besser abgeholt und individueller betreut. So kann ein vertieftes Vertrauensverhältnis entstehen, was oft durch den amtlichen Charakter der regulären Gespräche nicht möglich ist.

Neue Orte schaffen eine andere Atmosphäre.

Diese Erfahrung bestätigt auch Britta Duckwitz, die am Projekt „Take Off - Gemeinsam durchstarten“ beteiligt ist. Auch Duckwitz ist Fallmanagerin. Im Projekt betreut sie 15 Jugendliche sehr eng – sie trifft jeden und jede in der Regel einmal pro Woche. Duckwitz sagt: „Sie können den Ort des Treffens frei wählen, sodass sich die Jugendlichen direkt mit einbezogen fühlen. Im Regelbetrieb fühlen sie sich manchmal oder zum Teil mit ihren Problemen nicht wahr- oder ernstgenommen.“

Duckwitz geht sehr bewusst mit Sanktionen gegenüber den teilnehmenden Jugendlichen um und versucht diese zu vermeiden, wenn immer möglich. Auch deshalb kann sie eine engere Bindung aufbauen und wird entsprechend von den Jugendlichen als Ansprechpartnerin positiver wahrgenommen.

Persönliche Gespräche helfen bei der Vermittlung.

Während der Corona-Zeit hat Duckwitz „walk & talk“ noch stärker genutzt. Bei den Spaziergängen beobachtete sie, wie sich die Gesprächsatmosphäre zwischen ihr und den Jugendlichen verändert. So berichten einige über ihre Hobbys und persönliche Interessen. Diese Informationen helfen wiederum Duckwitz, neue Perspektiven für die Jugendlichen auf dem Arbeitsmarkt zu finden oder neue Förderungen und Programme anzubieten. „Dennoch ist es natürlich wichtig, eine gewisse Distanz und Objektivität zu wahren, denn man bleibt der Fallmanager“, sagen Duckwitz und Weil übereinstimmend.

Trotz des größeren Zeitaufwandes nehmen alle Beteiligten „walk & talk“ sehr gerne an. Die Vorbereitungen für das Gespräch dauern natürlich länger. Die Fallmanager müssen die wichtigsten Daten aus der E-Akte der Leistungsberechtigten notieren und mitnehmen, ohne den Datenschutz auszuhöhlen. Mit An- und Abfahrt dauert solch ein Gespräch bis zu drei Stunden. Auch deshalb betreuen die Fallmanager maximal 25 Leistungsberechtigte im Rahmen des Projekts „Guide“ oder wie im Fall von „Take Off“ 15 junge Erwachsene.

Fallmanager haben keine Sicherheitsbedenken.

Sicherheitsbedenken oder Angst vor Übergriffen spielen in den Gedanken von Fallmanager Weil keine Rolle. Alle Teilnehmenden im Projekt „Guide“ haben den Willen zur Veränderung und wollen gefördert und betreut werden, da dies die einzige Voraussetzung ist, um bei dem Projekt mitmachen zu können. Duckwitz kommt beim ersten Termin immer im Tandem mit einer Kollegin oder einem Kollegen. Erst nach dem Kennenlernen folgen Einzeltreffen.

„walk & talk“ ist ein gutes Instrument zur Vertrauensförderung, doch das gilt nicht für alle Leistungsbeziehenden. „Es muss immer abgewogen werden, ob sich die Methode zielfördernd einsetzen lässt oder ob sie überhaupt gewünscht ist“, sagt Duckwitz. Weil ergänzt: „Durch das Aufsuchen vor Ort entwickelt sich innerhalb des Beratungsgesprächs eine sozialarbeiterische Ebene, die dem Kunden und dem Fallmanager neue Perspektiven und sinnvolle Lösungsansätze aufzeigen kann.“ Das „walk & talk“ ist also für beide Seiten eine neue Erfahrung, die Vertrauen zwischen Fallmanagern und Leistungsberechtigten steigert. Mit diesem gesteigerten Vertrauen auf beiden Seiten ist der Weg zur Integration in den Arbeitsmarkt umso intensiver und persönlicher.