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Startseite der Servicestelle SGB II Praxisblick Traum-Trio: Familienzentrum, Stadt, Jobcenter

Traum-Trio: Familienzentrum, Stadt, Jobcenter

In Krefeld kooperiert das Jobcenter eng mit Familienzentrum und Stadtprojekt. Das Dreigespann setzt auf Vertrauen und Präsenz in einer Familiensprechstunde.

 Jobcenter Krefeld

Die drei Frauen hinter der Kooperation (von links): Claudia Brüker, Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt im Jobcenter Krefeld, Kerstin Kurdek, Städtische Sozialarbeiterin beim Projekt „Wir im Quartier Plus” und Katja Kühlen-van Dam, PlusKita-Kraft im Familienzentrum Westwall.

Eine hohe Termintreue, dankbare Eltern und eine begeisterte Kitaleitung zeichnet die Familiensprechstunde im Familienzentrum Westwall in Krefeld aus. Es gibt sie seit drei Jahren und sie ist so beliebt, wie erfolgreich. Was macht sie so besonders? Und lässt sich das Konzept auch auf andere Jobcenter übertragen?

Jeden zweiten Freitag hält Kerstin Kurdek, Städtische Sozialarbeiterin beim Projekt „Wir im Quartier Plus”, die Familiensprechstunde in den Räumen am Westwall ab. Etwa einmal pro Monat ist Claudia Brüker mit dabei, die im Jobcenter Krefeld als Beauftragte für Chancengleichheit (BCA) arbeitet. Kurdek ist sich sicher, dass das Familienzentrum der beste Ort ist, um sich wieder Gedanken zum Berufswiedereinstieg zu machen. Denn:

Es gibt viele Familien, die wieder in den Beruf finden wollen, nachdem sie einen Betreuungsplatz für das Kind bekommen haben.

Deswegen setzt die Kooperation direkt am Familienzentrum an und BCA Brüker berät dort mittlerweile bis zu 60 Eltern jährlich zum Thema beruflicher Wiedereinstieg. Typische Themen sind die Berufswegeplanung, Integrations- und Berufssprachkurse, Maßnahmen zur Arbeitsaufnahme oder eine Förderung beruflicher Weiterbildung. Aber manchmal geht es auch um anderes, wie die Anerkennung des Abschlusses oder darum, was bei Stromsperrungen zu tun ist.

Das Projekt „Wir im Quartier Plus” wird im Rahmen des Programms „Akti(F) Plus – Aktiv für Familien und ihre Kinder” durch das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) und den Europäischen Sozialfonds (ESF) gefördert. Durch den ESF werden in ganz Europa Projekte zur Bildung, Qualifizierung und Chancengleichheit am Arbeitsmarkt mit dem Ziel der Beschäftigungsförderung finanziert.

Das Geheimrezept? Vertrauen.

Der Schlüssel für die hohe Bekanntheit und Nachfrage der Sprechstunde: PlusKita-Kraft* Katja Kühlen-van Dam. Sie öffnet jeden Tag das Familienzentrum, die Eltern kennen sie dadurch vom morgendlichen „Hallo“ an der Tür. Weil sie immer ein offenes Ohr für die Familien hat, gibt es viel Nähe und Vertrauen. Früher oder später berichten die Familien – von denen viele in sozioökonomisch schwierigen Verhältnissen leben – ihr dann zum Beispiel auch von einem Brief, mit dem sie nicht genau umzugehen wissen, oder stellen Fragen. Kühlen-van Dam spürt die Bedarfe der Eltern unter der Woche auf, koordiniert die Sprechstundentermine und bereitet diese inhaltlich vor. Claudia Brüker sagt:

Über diesen Smalltalk kommen die Kita und dann auch wir im Jobcenter an die Problemlage der Familien dran.

Würde unser Konzept so aussehen, dass nur eine BCA ein oder zweimal im Jahr zur Familiensprechstunde käme, könnten wir damit im Einzelfall natürlich auch Eltern erreichen. Aber die intensive Kooperation zwischen PlusKita-Kraft, der Sozialarbeiterin des Projekts ‚Wir im Quartier Plus‘ und mir bringt deutlich mehr Kontinuität mit sich. Die Eltern sind viel besser erreichbar und es sind nachhaltigere und tiefere Beratungen möglich. Es brauche immer jemanden, der vertrauensvoll bei den vereinbarten Schritten weiter begleitet und unterstützt – auch außerhalb vom Familienzentrum. Insbesondere zum Start der Familiensprechstunde bewiesen sowohl Brüker als auch Kurdek viel Ausdauer bei der Vertrauensarbeit. Kurdek war über viele Monate sogar wöchentlich in der Kita präsent.

Zusammen stark

Entscheidend für den Erfolg der Zusammenarbeit ist daneben die projektinterne Filterfunktion: Eine bekannte Vertrauensperson, hier Kühlen-van Dam, empfiehlt den Familien einen Termin in der Familiensprechstunde mit Sozialarbeiterin Kurdek. Diese wiederum reicht relevante Fälle punktuell an Brüker, weiter. Hand in Hand und effektiv.

Als Einzelkämpfer wären wir nicht weit gekommen, so Kerstin Kurdek. Gute Kontakte zu anderen Beratungsstellen wie der Schuldnerberatung seien ebenso erfolgsentscheidend, wie die Absprache untereinander, sagt Kurdek. Bei Problemen wie Wohnungsnot, Schrottimmobilien und häuslicher Gewalt nimmt das Projekt oft eine Lotsenfunktion ein.

Kein einfacher Weg

Bis hin zur gut etablierten Kooperation war es nicht immer leicht. Über drei Jahre baut das Trio nun schon über die Sprechstunde ihre Beziehungen zu den Familien im Quartier am Westwall auf. Doch das Angebot zahlt sich aus Sicht von Katja Kühlen-van Dam, Kerstin Kurdek und Claudia Brüker aus. Das merken sie an der Dankbarkeit, mit der sie von den Familien überschüttet werden. Kleine und große Berichte von Frauen auf Erfolgskurs machen Mut.
Dazu gehört zum Beispiel eine alleinerziehende Mutter, die so scheu war, dass sie Kurdek beim ersten Gespräch nicht in die Augen schauen konnte. Durch die kontinuierliche Beratung in der Projektsprechstunde im Familienzentrum und mit Einbezug des Jobcenters schaffte sie es, trotz zwei Kindern, sich erfolgreich in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren.

Ob Kita, Elternfrühstück oder Kleiderbörse – Kooperation ist Trumpf

Das Jobcenter Krefeld ist mittlerweile eine feste Größe im Familienzentrum – auch durch die positive Mundpropaganda der Eltern untereinander. Brüker ist heute durch die Kooperation mit dem Familienzentrum und Stadtprojekt ganz nah an den Familien dran, weiß aber auch, wie schwierig der Weg dahin für ein Jobcenter sein kann. Ihr Rat für andere BCA:

Wenn ihr vor Ort in einer Einrichtung etwas anbieten wollt, dann schaut, dass ihr dies in Kooperation mit einem schon bestehenden und etablierten Angebot in der Kita macht.

Neben einer Kita-Sprechstunde könnten zum Beispiel auch Elternfrühstücke und Kleiderbörsen perfekte Angebote sein, um als Jobcenter-Mitarbeitende mit Eltern über gleichberechtigte Teilhabe am Arbeitsmarkt ins Gespräch zu kommen.

* PlusKita-Kräfte sind vom Land NRW finanziell gefördert. Eine Kita erhält eine PlusKita-Kraft, wenn sie einen hohen Anteil von Kindern mit Unterstützungsbedarf hat. Arbeitsschwerpunkte der PlusKita-Kraft sind Elternarbeit und sprachliche Förderung.

Neugierig geworden?

Im Praxisblick erzählen wir spannende Geschichten zum Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Wie gelebte Gleichstellungspolitik von Jobcentern deutschlandweit Frauen auf Erfolgskurs bringt, lesen Sie in unserem Bericht zur Konferenz „Chancengleichheit jetzt! 2025“.

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