Ab dem Jahr 2027 tritt ein aktualisiertes Zielsteuerungssystem im SGB II in Kraft, das Erfolge stärker am gesamten Integrationsprozess bemisst und auf zwei inhaltlichen Säulen fußt. Neben der Integration in Erwerbsarbeit (Säule 2) lassen sich Fortschritte an der Verbesserung der Beschäftigungsfähigkeit und sozialer Teilhabe beobachten – entlang lokaler Schwerpunkte, die Jobcenter eigenständig festlegen (Säule 1). Was zeichnet einen guten lokalen Schwerpunkt aus? Welche Fallstricke sind zu überspringen? Und wie verändert sich die Rolle des Jobcenter-Controllings durch diese und andere Entwicklungen? Darüber diskutierten die rund 100 Teilnehmenden in drei Veranstaltungen der Servicestelle SGB II im September in Erfurt, Karlsruhe und Braunschweig.
Anregungen boten Praxisimpulse wie der von Pierre Köhler aus dem Jobcenter Stadt Leipzig, das seine Erfahrungen aus dem Bundesprogramm rehapro in die Planung lokaler Schwerpunkte hat einfließen lassen. Christine Bode vom kommunalen Jobcenter Stuttgart und Thomas Heinecke aus dem Jobcenter Landkreis Celle teilten ihre Erkenntnisse zur neuen Säule 1, die sie in einer Pilotierungsphase sammeln durften. Im Anschluss näherten sich die Teilnehmenden in Kleingruppen der Entwicklung lokaler Schwerpunkte und Beobachtungspunkte zur Messung der Zielerreichung und tauschten sich in einer weiteren Arbeitsphase zu aktuell drängenden Themen aus, etwa zur Rolle des Controllings heute und in Zukunft, digitalen Veränderungsprozessen, Datenqualität und der kommenden Säule 2.
Schließlich hatten die Teilnehmenden die Chance, ihre Fragen in einer Videoschalte direkt an das BMAS zu richten.
Zentrale Erkenntnisse der Werkstätten:
- Das neue System mit dem Setzen lokaler Schwerpunkte in der ersten Säule erfordert ein Umdenken in den Jobcentern weg von klassischer Kennzahlenorientierung.
- Bei der Auswahl lokaler Schwerpunkte ist entscheidend, ob diese mittelbar oder unmittelbar auf die Beschäftigungsfähigkeit und/oder soziale Teilhabe der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten wirken. Hierfür entwickeln die Jobcenter je nach gewähltem Schwerpunkt eigene Messmethoden.
- Die Planung der lokalen Schwerpunkte gelingt am besten gemeinsam. Jobcenterleitung, Teams in der Vermittlung sowie Controlling müssen eng zusammenarbeiten.
- Alle Mitarbeitenden im Jobcenter zu beteiligen, ist und bleibt entscheidend – gerade bei Festlegung, Umsetzung und Nachhaltung lokaler Schwerpunkte.
- Im Zweifelsfall mit wenigen lokalen Schwerpunkten starten, evaluieren, nachsteuern und peu à peu ergänzen.
- Datenqualität bleibt ein zentrales Thema für gutes Controlling. Manche Jobcenter setzen dafür gezielte Fokustage zur Überprüfung an.
Eine ausführliche Dokumentation wird im Extranet bereitgestellt.
Mehr über das Zielsteuerungssystem 2027
Sie haben Fragen zum neuen Zielsteuerungssystem? Das FAQ gibt Antworten und wird laufend ergänzt.