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Mitreden, Mitgestalten, Mitwirken: Partizipationsworkshops im Jobcenter Hamm

Das Kommunale Jobcenter Hamm lebt Partizipation. Zur Einführung des Bürgergeldes hat das Jobcenter die Leistungsbeziehenden nach ihren Wünschen für gute Beratungspraxis gefragt. Wir haben mit Reinhard Fohrmann, geschäftsführender Vorstand im Kommunalen Jobcenter Hamm, über den Erfolg der Partizipationsworkshops gesprochen.

Herr Fohrmann, wie ist die Idee entstanden, Partizipationsworkshops mit den Leistungsbeziehenden durchzuführen?

Reinhard Fohrmann: Schon vor der Einführung des Bürgergeld-Gesetzes haben wir uns im Jobcenter mit dem Thema Partizipation beschäftigt. Mit der Einführung des Bürgergeldes haben wir uns überlegt, dass unsere Leistungsbeziehenden am besten wissen, was sie gut finden und was sie verändert oder verbessert haben möchten.

Wie haben Sie die Workshops umgesetzt?

Reinhard Fohrmann: Wir haben zunächst eine interne Arbeitsgruppe mit verschiedenen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern gegründet. Diese haben das Projekt dann den Kolleginnen und Kollegen vorgestellt und sie über das Vorhaben informiert. Meine Mitarbeitenden haben daraufhin die Leistungsbeziehenden in ihren täglichen Beratungsgesprächen gefragt, ob sie an den Workshops mitwirken wollen. Alle Interessierten haben wir zu den Workshops eingeladen.

Wie haben Sie sichergestellt, dass möglichst viele unterschiedliche Menschen an den Workshops teilnehmen?

Reinhard Fohrmann: Wir haben drei Zielgruppen ausgesucht, von denen wir annehmen konnten, dass sie unterschiedliche Ansprüche an das Jobcenter haben. Das waren zum einen Erziehende. Bei ihnen sind wir davon ausgegangen, dass sie besondere Bedürfnisse in der Beratung haben. Häufig geht es um Fragen rund um das Kind, etwa zu Schule und Erziehung. In der zweiten Gruppe waren Menschen, die alleine leben oder in Bedarfsgemeinschaften ohne Kinder, sogenannte Single-Bedarfsgemeinschaften. Diese Gruppe unterscheidet sich in ihren Anforderungen erheblich von denen mit Kindern. Für sie spielen Themen wie Gesundheit, Vereinsamung und Motivation eine viel stärkere Rolle. Und die dritte Gruppe waren Menschen mit Migrationshintergrund, hierunter natürlich auch Geflüchtete aus der Ukraine. Ihre Anforderungen unterscheiden sich teilweise aufgrund von kulturellen Hintergründen, zum Beispiel Sprachbarrieren oder Familiennachzug sind hier relevante Themen.

Haben die Workshops im Jobcenter Hamm stattgefunden?

Reinhard Fohrmann: Nein. Uns war wichtig, dass die Workshops nicht im Jobcenter stattfinden und auch nicht von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geleitet werden. Denn wir hatten die Sorge, dass die Leistungsbeziehenden nicht offen mit uns sprechen. Deswegen haben wir eine externe Moderatorin für die Workshops engagiert. Die Workshops fanden an drei Tagen mit rund 12 bis 14 Teilnehmenden statt.

Was kam bei den Workshops heraus? Waren die Ergebnisse für Sie überraschend?

Reinhard Fohrmann: Aus den Workshops konnten wir drei große Themen ziehen: Aufbau der Beratungsbeziehung, Berücksichtigung der individuellen Situation und bessere Informationen zu Angeboten von Dritten wie dem Mieterbund oder der Schuldnerberatung. Der Wunsch nach mehr Berücksichtigung der individuellen Situation passt im Übrigen sehr gut zum Bürgergeld, insbesondere zum Kooperationsplan. Positiv überrascht hat mich das Lob für die Kolleginnen und Kollegen und dass sich viele Leistungsbeziehende sehr gut bei uns betreut fühlen. Da wir im Jobcenter häufig mit Vorurteilen konfrontiert sind, hatte ich eine schlechtere Stimmung unserer Arbeit gegenüber erwartet. Das Lob ist eine schöne Wertschätzung für uns und unsere Arbeit.

Was nehmen Sie aus den Workshops mit?

Reinhard Fohrmann: Die verschiedenen Zielgruppen bringen einen Strauß an Herausforderungen mit, die sie im Alltag beschäftigen, beispielsweise fehlende Kinderbetreuung, Sorgerechtsstreitigkeiten oder Sprachbarrieren. Alle drei Zielgruppen wünschen sich Unterstützung in ihren Lebenssituationen. Wir schaffen also einen Mehrwert in der Beratung, wenn wir die individuellen Probleme aufgreifen und erst dann auf die Themen Perspektive, Entwicklung und Arbeitsmarkt kommen. Denn wenn die individuellen Sorgen so gravierend sind, haben die Leistungsbeziehenden den Kopf nicht frei für unsere Angebote im Jobcenter.

Was passiert mit den Ergebnissen der Workshops?

Reinhard Fohrmann: Wir haben die Ergebnisse allen Mitarbeitenden vorgestellt und werden zukünftig mit denen, die Lust dazu haben, eine Arbeitsgruppe bilden, um an der Weiterentwicklung der Beratung zu arbeiten. Bisher ist das Projekt bei vielen Mitarbeitenden gut angekommen, deshalb bin ich sicher, dass sich viele Interessierte melden werden.

Was braucht es Ihrer Meinung nach, damit Partizipationsprojekte wie das im Jobcenter Hamm funktionieren?

Reinhard Fohrmann: Partizipationsprojekte dürfen nie einseitig sein. Man muss alle Beteiligten einbeziehen. Wir haben das sowohl mit den Mitarbeitenden als auch mit den Leistungsberechtigten gemacht. Außerdem sollte man offen für den Prozess und die Ergebnisse sein. Ich würde sagen, Offenheit, Ehrlichkeit und Vertrauen in die Beteiligten sind wichtig, damit Partizipationsprojekte gelingen.

Steckbrief

  • Standort: Jobcenter Hamm AöR
  • Organisationsform: zugelassener kommunaler Träger
  • Anzahl der Beschäftigten: 370
  • Anzahl der Leistungsbeziehenden: 18.459
  • Projekt: Partizipationsworkshops
  • Thema: Kulturwandel