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Kommunikation

„Immer menschlich. Immer für dich da.“ Berliner Jobcenter präsentieren sich in neuem Licht

Nahbar, selbstkritisch und bunt zeigen sich die zwölf Berliner Jobcenter im Rahmen einer Kampagne. Seit Ende Januar 2024 finden sich die farbenfrohen Plakate in der Berliner Öffentlichkeit. Über die Idee dahinter haben wir mit Elena Zavlaris (Geschäftsführerin Jobcenter Tempelhof-Schöneberg) und Winfried Leitke (Geschäftsführer Jobcenter Spandau) gesprochen.

Privat

Elena Zavlaris und Winfried Leitke

Welche Grundidee steht hinter der Kampagne der Berliner Jobcenter?

Elena Zavlaris: In Berlin lebt mehr als jeder zehnte Mensch vom Bürgergeld, das sind rund 470.000 Menschen. Die Mitarbeitenden der Jobcenter leisten also wichtige Arbeit. Seit der Einführung der Grundsicherung für Arbeitsuchende im Jahr 2005 haben die Jobcenter jedoch einen schlechten Ruf. Viele Menschen haben Angst vor uns oder vertrauen uns nicht. Eine Umfrage im Vorfeld der Kampagne hat ergeben, dass unser Bild in der Berliner Bevölkerung überwiegend schlecht ist. Befragte man hingegen Menschen, die bereits mit dem Jobcenter zu tun hatten, fiel das Ergebnis genau andersrum aus: Hier ist das Ansehen der Berliner Jobcenter bei über 60 Prozent positiv bis sehr positiv. Lediglich 15 Prozent der Menschen, die uns aufsuchen, berichteten von negativen Erfahrungen. Mit der Kampagne wollen wir die gute Arbeit deutlich machen, die die Mitarbeitenden der Jobcenter in Berlin leisten. Hier arbeiten Menschen für Menschen und das wollen wir in die Öffentlichkeit tragen.

Winfried Leitke: Wir wollen öffentlich kommunizieren, was die Jobcenter eigentlich alles leisten. Das passiert bei der Kampagne durch große bunte Plakate und Texte, die zum Weiterlesen animieren. Es sollten keine langweiligen Infos sein, wie man das vielleicht sonst an anderer Stelle vorfindet. Die Inhalte sollten kurz und prägnant und ein Hingucker sein. Ziel ist, dass die Jobcenter nahbarer werden, indem sie gängige Vorurteile aufgreifen und reflektieren. In Berlin ist die Besonderheit, dass es zwölf Jobcenter gibt mit rund 6.400 Beschäftigten. Sie spielen in den Bezirken eine große Rolle für den sozialen Bereich der Existenzsicherung und der Arbeitsmarktintegration. Das Motto der Kampagne lautet ja: „Immer menschlich. Immer für dich da“. In die Jobcenter kommen täglich Menschen in besonderen Notlagen und vertrauen sich uns an. Hier leisten wir Unterstützungsarbeit und zeigen uns menschlich. Menschlich bedeutet aber auch, dass wir uns eingestehen, wenn Fehler passieren – und an ihnen arbeiten. Mit der Kampagne gehen wir also ganz offensiv in die Öffentlichkeit, nicht weil wir es müssen, sondern weil wir es können und überzeugt sind von unserer guten Arbeit.

Warum ist die Ausrichtung der Kampagne wichtig für die Berlinerinnen und Berliner?

Elena Zavlaris: Je nach persönlicher Einstellung arbeiten die Menschen anders mit uns zusammen. Wenn wir die Menschen beraten wollen, brauchen wir ihr Vertrauen. Ohne eine Vertrauensbasis findet keine gute gemeinsame Integrationsstrategie statt. Nimmt uns die Öffentlichkeit als Feind wahr statt als Unterstützer, dann wird ein Beratungsgespräch nicht besonders gut laufen. Merken die Bürgerinnen und Bürger hingegen, dass hier Menschen sind, die Ihnen helfen wollen, dann erscheinen sie auch eher zu den Terminen. Sie sind in den Gesprächen offener und arbeiten auf einer Vertrauensbasis mit uns. Gleichzeitig informieren wir durch die Kampagne auch über die vielfältigen Angebote, die es in den Jobcentern gibt.

Jobcenter Berlin Mitte

Der Slogan "Du findest uns zu offline. Wir uns auch." ziert eine Berliner Plakatwand.

Auf einem der Plakate steht: „Du findest uns zu offline? Wir uns auch.“ Werden die Jobcenter hier aufholen?

Winfried Leitke: "Ehrlich gesagt müssen wir gar nicht aufholen. Es gibt schon jede Menge digitaler Zugangsmöglichkeiten. Zum Beispiel kann die Betriebs- und Heizkostenabrechnung direkt online hochgeladen werden. Dort wird sie unmittelbar in der Leistungsakte hinterlegt. Auch Fragen zum Antrag können über den Postfachservice im Chat geklärt werden. Es herrschen also beste Bedingungen, um uns online und datenschutzkonform zu erreichen. Das andere ist aber der Eindruck nach außen. Da müssen wir uns die Frage stellen: Warum nutzen immer noch so wenige Leistungsbeziehende die digitalen Zugänge? Hier bedarf es Aufklärungs- und Überzeugungsarbeit, sodass die Menschen unsere digitalen Zugangswege auch tatsächlich nutzen. Das gilt natürlich nur für die Menschen, die solche Wege auch nutzen können. Das werden nie alle sein.

Die Kampagne kann uns da unterstützen. Wir haben uns bewusst dafür entschieden, auf den Plakaten das Vorurteil der nicht-digitalen Behörde aufzugreifen und damit Aufmerksamkeit zu bekommen. Danach lesen die Menschen weiter und sehen: Es gibt ja ganz viele Wege, die Jobcenter digital zu erreichen."

Was planen Sie konkret in Ihrem Jobcenter? Wie möchten Sie diesen neuen Ansatz in die Praxis umsetzen?

Elena Zavlaris: "Es gibt trotz der Bürokratie in den Jobcentern immer Möglichkeiten, Wege zu erleichtern. Wir können uns zum Beispiel mit anderen Behörden absprechen und vernetzen. Diesen Weg sind wir auch schon in der Vergangenheit gegangen, zum Beispiel bei wohnungslosen Menschen. Hier haben wir einen direkten Draht zum Bezirksamt, sodass wir eine Kostenübernahme sehr eng miteinander abstimmen können.

Natürlich müssen wir uns an die gesetzlichen Vorgaben halten. Aber wir versuchen, uns so verständlich wie möglich auszudrücken in den Gesprächen mit den Bürgerinnen und Bürgern und zu erklären: Was bedeutet das denn eigentlich, was wir da schreiben? Auch bei den Formularen können wir helfen und diese vorbereiten.

Im Jobcenter Tempelhof-Schöneberg ist außerdem neu, dass wir aufsuchende Beratung durchführen. Denn manche Menschen schaffen es nicht, persönlich zu uns zu kommen. Das kann verschiedenste Gründe haben, etwa Depressionen, Phobien, Suchtprobleme oder Analphabetismus. Indem wir zu den Leistungsbeziehenden kommen und sie vor Ort beraten, erleichtern wir den Kontakt. Hier haben wir bereits sehr positive Rückmeldungen erhalten."

Winfried Leitke: "Im Zuge der Kampagne können wir zudem unterstützen, dass die Menschen künftig über die digitalen Kontaktwege zu uns finden. Ein weiterer Punkt ist die Terminierung: Wir wollen als Jobcenter möglichst Beratungsgespräche terminieren. Denn es ist immer zielführender, ein Beratungsgespräch vorbereitet und in einer definierten Zeit durchzuführen.

Auch wir gehen mittlerweile gezielt in die Kieze in unserem Bezirk und bieten persönliche Beratung und Unterstützung an. Dadurch finden wir zu bestimmten Personen einen besseren Zugang und sind auch vor Ort für die Menschen erreichbar. Da entsteht dann plötzlich ein ganz anderes positives Bild von uns."

Kann sich die Kampagne positiv auf die öffentliche Wahrnehmung der Arbeit der Jobcenter auswirken?

Elena Zavlaris: Ich bin überzeugt davon, dass die Kampagne uns dabei helfen kann, in der Öffentlichkeit anders wahrgenommen zu werden. Die Plakate zeigen die Kritik an den Jobcentern. Aber wir sind viel besser als unser Ruf. Wir sind eine Behörde, die bereits ziemlich viel digitalisiert hat, die leistungsfähig ist und vor der die Menschen keine Angst haben müssen. Und das gilt es zu transportieren. Natürlich prägen auch die Medien unser Bild in der Öffentlichkeit. Dort wurde die Arbeit der Berliner Jobcenter aufgegriffen und positiv über uns berichtet. All das trägt zu einem verbesserten Bild der Jobcenter bei.

Winfried Leitke: "Natürlich wird die Kampagne auch kritische Bemerkungen erzeugen. Eine Kampagne, die nicht zu öffentlichen Diskussionen oder Kontroversen führt, ist aus meinen Augen keine richtige Kampagne. Die Menschen sprechen über die Inhalte und setzen sich kritisch mit ihnen auseinander. Das ist wichtig.

Wie relevant die Kampagne ist, zeigen auch die aktuellen Diskussionen um die Kindergrundsicherung und der Frage, ob nicht die Jobcenter zur Vermeidung von Schnittstellen bestimmte Leistungen auszahlen können. Denn hier kommen altbekannte Vorurteile gegenüber den Jobcentern zum Tragen. Wir wollen zeigen: Diese Argumente sind nicht gerechtfertigt. Ein weiterer Aspekt ist der Fachkräftemangel. An fast jeder Ecke werden Arbeitskräfte gesucht. Trotz derzeit schwächelnder Konjunktur gibt es noch viele Möglichkeiten. Die Jobcenter spielen hier eine wichtige Rolle, indem sie dazu in der Lage sind, Menschen in Arbeit zu integrieren. Ich glaube, da ist die Kampagne wirklich positiv. Und zwar nicht nur für die Jobcenter in Berlin, sondern letztlich für die Arbeit aller Jobcenter in der Republik."