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3 Fragen an Dorothea Court

Dorothea Court ist Amtsleiterin des kommunalen Jobcenters Landkreis Ravensburg. Im Interview gibt sie Einblicke in die Bürgergeld-Umsetzung im Südwesten, Kooperationen zwischen Kommune und Bundesagentur für Arbeit – und wie das Bürgergeld auch die Belegschaft wieder zusammenführt.

Jobcenter-Steckbrief: Das Jobcenter Landkreis Ravensburg hat seinen Sitz in Weingarten und Standorte in Wangen und Leutkirch im Allgäu. Mit mehr als 150 Mitarbeitenden (123 Vollzeitstellen) kümmert es sich um nahezu 9.200 Menschen (Dezember 2022). Der Landkreis gehört zur Region Bodensee-Oberschwaben und grenzt im Osten an Bayern. Sein Arbeitsmarkt ist geprägt von mittelständischen Unternehmen. Die meisten Beschäftigten arbeiten im Bereich der Gesundheitswirtschaft, auch der Einzelhandel und der Maschinenbau spielen wichtige Rollen. Die durchschnittliche Arbeitslosenquote im SGB-II-Bereich liegt bei 1,3 %. (Stand: Februar 2023)

Wie ist der Start ins Bürgergeld-Jahr 2023 für Ihr Jobcenter gelaufen?

Dorothea Court: Aus meiner Sicht relativ reibungslos. Ich bin froh über die jetzige Ausführung des Gesetzes. Das Prinzip des Forderns und Förderns beizubehalten, finde ich richtig – und es steht auch nicht im Widerspruch zu dem Ziel, wertschätzend und auf Augenhöhe im Dialog miteinander umzugehen. Für uns stand zunächst die Auszahlung der Grundsicherung im Vordergrund. Die neuen Regelsätze kamen noch so rechtzeitig vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS), dass wir sie Ende 2022 ins Fachverfahren eingeben und das Bürgergeld pünktlich auszahlen konnten. Natürlich gibt es darüber hinaus viele Fragen. Leistungsberechtigte erkundigten sich, ob sie neue Anträge stellen müssen, wie wir jetzt mit Vermögen umgehen, ob ihr Wohnraum angemessen ist. Die Fragen landen dann in der Sachbearbeitung. Aber dank der Informationen von BMAS, Deutschem Landkreistag, dem Landkreistag Baden-Württemberg und auch der Bundesagentur für Arbeit (BA) haben wir die Einführung des Bürgergelds sehr gut gemeistert. Darüber hinaus sind alle Leistungssachbearbeitenden im Jobcenter von unserer Qualitätsmanagerin Leistung/Recht persönlich in Gruppenveranstaltungen zum Bürgergeld geschult worden.

Sie sind ein kommunales Jobcenter, arbeiten aber dennoch eng mit der Bundesagentur für Arbeit (BA) zusammen. Wie kommt es dazu?

Dorothea Court: Das Jobcenter befindet sich seit 2012 in kommunaler Trägerschaft. Viele Mitarbeitende haben ihre Wurzeln in der BA und dort noch gute Kontakte und direkte Ansprechpersonen. Im Übrigen ist die BA ein zuverlässiger und konstanter Kooperations- und Netzwerkpartner, mit dem wir vertrauensvoll und gewinnbringend für die Bürgerinnen und Bürger rechtskreisübergreifend zusammenarbeiten. Wir nutzen regelmäßig die Merkblätter und Antragsformulare sowie die fachlichen Weisungen der BA. Organisatorisch läuft das bei uns so: Es gibt im Jobcenter die sogenannten Qualitätsbeauftragten Recht, Leistungsgewährung und Fallmanagement. Diese Kolleginnen bereiten alle Informationen auf und besprechen sich mit den Fachkoordinatorinnen und -koordinatoren. Diese wiederum sind originär in der Leistungssachbearbeitung verortet. In den sozialraumorientierten Sachgebieten fungieren sie als Multiplikatorinnen und Multiplikatoren.

Viele Änderungen werden ab Juli 2023 umgesetzt – das betrifft vor allem Beratung, Qualifizierung und Vermittlung. Wie bereitet sich Ihr Jobcenter darauf vor?

Dorothea Court: Wir haben die Einführung des Bürgergeldes zum Anlass genommen, unsere eigene Beratungs- und Vermittlungsstrategie noch einmal selbstkritisch zu hinterfragen. Deshalb gab es im Januar eine Projektwoche für alle 50 Fallmanagerinnen und Fallmanager sowie die Führungskräfte des Jobcenters. Für diese dienstliche Veranstaltung waren die Mitarbeitenden für eine Woche freigestellt. Bürgerinnen und Bürger, die in diesen Tagen ein dringendes Anliegen hatten, konnten sich vertrauensvoll an die Zentrale des Jobcenters wenden oder eine E-Mail schreiben. Diese Projektwoche war für uns als Team fachlich, aber auch strategisch wichtig. In den vergangenen drei Jahren hatten wir zahlreiche Abordnungen ins Impfzentrum, ins Gesundheitsamt und ins Amt für Migration und Integration. Bis zu 50 Prozent unseres Personals war zeitweise außerhalb des Jobcenters eingesetzt. Vor diesem Hintergrund war die Projektwoche auch ein Auftakt in ein agiles und erfolgversprechendes Fallmanagement 2023. Die Mitarbeitenden haben die Woche auch genutzt, um sich kennenzulernen und sachgebietsübergreifend auszutauschen. Zum Abschluss formierten sich die Teilnehmenden in fünf Projektgruppen zu Themen aus den Bereichen Beratung, Qualifizierung und Vermittlung. Die Zwischenergebnisse werden dann im Rahmen großer FM-Dienstbesprechungen vorgestellt und diskutiert. Auch dieses neue Kommunikationsformat war ein Wunsch aus der Belegschaft. In einer sehr positiven Aufbruchstimmung setzen wir nun als starkes Team das Bürgergeld um.