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Eine neue Arbeit, ein neues Leben

Sie kennen sich nicht, haben aber viel gemeinsam. Maryna Boldyrieva und Maryna Morhun sind beide vor zwei Jahren aus der Ukraine geflüchtet und haben Arbeit im Jobcenter gefunden.

privat / Jobcenter LK Göppingen

v.l.n.r.: Maryna Boldyrieva und Maryna Morhun.

Sie tragen beide den gleichen Vornamen. Die eine ist 23 Jahre alt, die andere nur zwei Jahre älter. Beide sind vor zwei Jahren gemeinsam mit ihren Müttern nach Deutschland geflohen und fürs Erste bei Freunden untergekommen. Maryna Boldyrieva bei einer ukrainischen Freundin im sächsischen Plauen. Maryna Morhun im baden-württembergischen Göppingen bei einer deutschen Gastfamilie, die sie übers Internet kennengelernt hatte. Beide Frauen kamen gut ausgebildet nach Deutschland und können ihre vielseitigen Fähigkeiten jetzt in ihren neuen Positionen in den Jobcentern Landkreis Vogtland und Göppingen einbringen.

Die neue Stelle ist ein echter Glücksfall

Für Maryna Boldyrieva ist ihre neue Stelle als Fachassistentin in der Eingangszone des Jobcenters im Landkreis Vogtland ein echter Glücksfall. Ich mag diese Arbeit sehr. Ich habe gern mit Menschen zu tun, treffe hier Ukrainerinnen und Ukrainer, denen ich helfen kann und es ist sehr abwechslungsreich, erzählt die 23-Jährige. Bevor sie im Februar 2024 anfing, im Jobcenter zu arbeiten, hat sie als Freiwillige an einer Schule ukrainischen Kindern Deutsch beigebracht und in einem Verein erwachsenen Ukrainerinnen und Ukrainern bei Behördenangelegenheiten geholfen. Diese freiwillige Arbeit hat ihr Spaß gemacht, aber für sie war es wichtig, eine Vollzeitstelle zu finden.  Wenn du neu in Deutschland bist, ist es wichtig zu arbeiten, um hier anzukommen. Du lernst besser Deutsch und die Arbeit strukturiert meinen Tag. Ohne Arbeit möchte ich nicht leben, erklärt sie in nahezu perfektem Deutsch. Maryna Boldyrieva hatte das Glück, schon Deutsch zu können, bevor sie nach Plauen kam. In der Ukraine hat sie eine Fremdsprachschule besucht und später in Kiew Luftverkehrsmanagement studiert und ihren Master gemacht. Jetzt besucht sie abends Onlinekurse ihrer Heimatuniversität und schreibt am Wochenende an ihrer Doktorarbeit.

Ein bisschen wie Liebe auf den ersten Blick

Mit Frau Boldyrieva war es ein bisschen wie Liebe auf den ersten Blick. Sie ist sympathisch, aufgeschlossen, sehr strukturiert, sie passt perfekt auf die Stelle, erzählt Martina Kober, die Geschäftsführerin des Jobcenters Vogtland. Im Dezember 2023 hatte sie gemeinsam mit der Beauftragten für Chancengleichheit des Jobcenters einen Informationstag speziell für Ukrainerinnen veranstaltet, um in einer kleinen Runde darüber zu sprechen, was die Frauen an einer Arbeitsaufnahme hindere, und um gemeinsam Arbeitsmöglichkeiten auszuloten.
Maryna Boldyrieva fiel mir durch ihre guten Deutschkenntnisse und ihre positive Ausstrahlung auf und ich ermutigte sie, sich auf die ausgeschriebene Stelle im Jobcenter zu bewerben, erzählt Martina Kober, „wir erwarten von der Wirtschaft, dass die Unternehmen offen sind und Geflüchtete einstellen. Da müssen wir als Vorbild auch ein Stück weit vorangehen.“ Maryna Boldyrieva bewarb sich, bewährte sich im Vorstellungsgespräch und bekam die Vollzeitstelle als Fachassistentin.

Eine Zukunft in Deutschland

Sie arbeitet nun in der Eingangszone des Jobcenters, ist die erste Ansprechpartnerin am Infopoint. Sie gibt Auskunft zu allen anfallenden Fragen, hilft bei Antragstellungen und legt die Datensätze für neue Leistungsbeziehende an. Ich habe ein perfektes Team. Alle Kolleginnen und Kollegen waren am Anfang sehr hilfsbereit und haben geduldig all meine Fragen beantwortet, erzählt sie aus der Einarbeitungszeit. Ihre Zukunft sieht Maryna Boldyrieva in Deutschland und für ihre Vorgesetzte Martina Kober ist es gut vorstellbar, dass sie sich perspektivisch im Jobcenter beruflich weiterentwickeln kann.

Ohne Sprachkenntnisse war der Anfang schwer

Auch Maryna Morhun möchte in Deutschland bleiben, aber anders als Maryna Boldyrieva sprach sie überhaupt kein Deutsch, als sie vor zwei Jahren in Göppingen in der Nähe von Stuttgart ankam. Das war anfangs schwer, aber ich bin dann gleich in einen Deutschkurs gegangen, erzählt die 25-Jährige, die in der Ukraine Rechnungs- und Steuerwesen studiert und in einem mittelständischen Unternehmen als Abteilungsleiterin gearbeitet hat. Als sie im Herbst 2023 die ausgeschriebene Stelle als Arbeitsvermittlerin im Jobcenter Göppingen sah, bewarb sie sich sofort. Zu der Zeit hatte sie gerade ihre B2-Deutschprüfung bestanden.

Überzeugt durch Engagement

Sie überzeugte sofort mit ihrer zielstrebigen Art, ihrem großen Engagement, sich einzubringen. Wir waren nur etwas unsicher, ob ihre Sprachkenntnisse schon ausreichen, haben das aber in Kauf genommen und uns trotzdem für sie entschieden, weil sie uns so überzeugt hat, erzählt Silke Odum-Scharhag, Bereichsleiterin Markt und Integration des Jobcenters Göppingen.  Sie und ihr Team hatten dementsprechend eine längere Einarbeitungszeit eingeplant. Aber Frau Morhun hat uns eines Besseren belehrt. Ihr Deutsch wurde mit jedem Arbeitstag besser und sie konnte sehr schnell selbständig Beratungsgespräche auf Deutsch führen, erzählt die Bereichsleiterin weiter. Das Jobcenter profitiere sehr von der neuen Kollegin. Sie hat uns in der kurzen Zeit schon oft geholfen, blinde Flecken in unserem Arbeitsalltag aufzudecken, sagt Silke Odum-Scharhag. So habe Maryna Morhun zum Beispiel erklärt, dass ukrainische Leistungsbeziehende bei Zeitarbeitsangeboten eher zurückhaltend reagieren, da in der Ukraine Zeitarbeitsfirmen vor allem Arbeitskräfte ins Ausland vermitteln und diese Vermittlung kostenpflichtig ist.

Verständnis durch eigene Erfahrungen

Und Maryna Morhun versteht, warum Menschen aus der Ukraine manchmal einfach ohne Termin vorbeikommen und nicht verstehen, warum sie so viele Formulare ausfüllen müssen. Auf ukrainischen Ämtern kann man einfach jederzeit vorbeikommen und so viel Bürokratie wie hier kennen die Menschen einfach nicht, erklärt sie. Als ich in Deutschland ankam, habe ich selbst Hilfe gebraucht. Durch meinen eigenen Migrationsweg weiß ich, wie es sich anfühlt, ohne Sprache in einem fremden Land anzukommen, antwortet sie auf die Frage, was sie an ihrer neuen Stelle mag. Jetzt kann ich mit meiner Arbeit etwas zurückgeben.