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Netzwerke

Umfrage: Was steht für 2022 auf Ihrer Agenda?

Rund 80 Fachkräfte aus Jobcentern trafen sich zur Jahreskonferenz der Netzwerke ABC in Berlin. Zeit für Gespräche – und Zeit für Zukunftspläne. Die Servicestelle hat am 10. und 11. November sieben Teilnehmende gefragt: Was planen Sie für 2022, was hat sich Ihr Bereich im Jobcenter vorgenommen?

Die Jahreskonferenz der Netzwerke ABC fand 2021 im Berliner Cafe Moskau statt.

Nicole Heinig, Bereichsleiterin Markt und Integration für spezialisierte Teams im Jobcenter Lübeck:

Nicole Heinig

„Wir wollen 2022 einen Fokus auf die Frauen legen. Vor der Pandemie hatten wir sehr gute Integrationsquoten. Aber in der Coronazeit war es insbesondere für Frauen am Arbeitsmarkt schwer. Gastronomie und Einzelhandel waren in der Krise – Kinderbetreuung und Homeschooling blieb hingegen häufig Aufgabe der Frauen. Vielen hat die Zeit für Weiterbildung oder Bewerbungen gefehlt. Um diesen Trend umzukehren, haben wir gerade eine virtuelle Jobmesse für Frauen veranstaltet. Dort gab es ein Speeddating mit Arbeitgebenden. Dafür haben wir die Frauen gezielt von Trägern coachen lassen, damit sie sich sicher präsentieren. Ich bin guter Dinge, dass wir 2022 viele Frauen vermitteln können. Bei uns an der Ostsee ist der Tourismus stark – und dieser Sektor wird wieder suchen.“

Doris Dressler, Fallmanagerin im Reha-Bereich des Jobcenters Bayreuth Stadt:

Doris Dressler

„Wir haben auch während der Pandemie großen Wert auf engen Kundenkontakt gelegt. Nun merken wir, dass die Menschen wieder die persönliche Begegnung vor Ort suchen. Die werden wir ihnen 2022 hoffentlich wieder ohne Einschränkung bieten können. Aber wir lassen den Menschen zugleich die individuelle Freiheit, selbst zu wählen, wie sie mit uns sprechen. Dazu gehören bei uns auch Messenger-Dienste. Sie bieten im Austausch mit meinen Kundinnen und Kunden viele Vorteile. Meine Schwerpunkte bilden Rehabilitanden und Schwerbehinderte – und speziell für die Gehörlosen ist das Schreiben eine Erleichterung. Sie können uns schnell was tippen, brauchen keinen Gebärdendolmetscher oder jemanden, der für sie telefoniert. Ich bin gespannt, wie wir 2022 mit den Kundinnen und Kunden sprechen. Auf jeden Fall wird der Kontakt vielfältiger werden.“

Nils Hesse, Arbeitsvermittler im Team Netzwerke ABC des Jobcenters Salzgitter:

Nils Hesse

„2022 wollen wir unsere bestehenden Kontakte stärken und neue Netzwerke aufbauen. Die Vernetzung ist meine zentrale Aufgabe. Ich lade jeden ein: ‚Rufen Sie mich an, dann tauschen wir uns aus.‘ Als beschäftigungsorientierter Vermittler (boV) halte ich zum Beispiel Kontakt zu Arbeitgebenden. Ich frage aktiv nach, wo etwa Lagerhelfer benötigt werden, wenn wir interessierte Bewerber haben. Dieser Kontakt ist in der Pandemie schwieriger geworden. Nicht nur einzelne Menschen, sondern auch manche Arbeitgebende haben sich zurückgezogen. Oft kam nicht einmal eine Rückmeldung auf Bewerbungen. Da haben wir gesehen, dass wir den Austausch verstärken müssen. Wir haben schon gute Netzwerke in unserer Region, aber es ist noch mehr drin. Ich versuche für das Jobcenter wie eine Spinne auf jedes Netzwerk mit aufzuspringen.“

 

Valeria Hepting, Coach im Netzwerke-ABC-Team des Jobcenters Oberberg (Gummersbach):

Valeria Hepting

„Im kommenden Jahr können wir hoffentlich wieder ohne Bedenken persönliche Gespräche führen. Das ist in unserer Arbeit als Coach schon wichtig. Wir sind neun abc-Coaches im Jobcenter Oberberg und betreuen unsere Leistungsberechtigten über längere Zeit und engmaschig. Das ist auch nötig: Wir haben Arbeitsuchende und wir hätten auch Arbeitsplätze. Aber bei unseren Kundinnen und Kunden gibt es meist mehrere Vermittlungshemmnisse – und die Anforderungen im Arbeitsmarkt sind hoch. Das alles am Telefon zu besprechen und die nächsten Schritte zu planen ist irgendwie möglich, aber ich treffe die Menschen gerne. Wir gehen mit ihnen spazieren, Walk & Talk oder Walk to Talk nennen das manche. Hierbei bekommen wir häufig die erstaunte Rückmeldung: ‚Toll, Sie nehmen sich Zeit und interessieren sich ja wirklich für mich!‘“

Peter Schwarz, Geschäftsführer des Jobcenters Pirmasens:

Peter Schwarz

„2022 werden wir einen dauerhaften Wandel bei den Zugängen sehen. Die Menschen können uns natürlich persönlich im Jobcenter erreichen, allerdings werden wir keine klassische Eingangszone mehr haben, sondern einen Empfang und ansonsten nur Gespräche mit vorherigem Termin. Wir werden auch in Zukunft viel telefonieren – von meinen 87 Mitarbeitenden betreuen aktuell noch sieben unsere Hotline. Außerdem können die Leistungsberechtigten den digitalen Weg über jobcenter.digital wählen und ab 2022 auch die Videoberatung als neue Form. Die große Herausforderung lautet: gemeinsam mit den Kundinnen und Kunden zu besprechen, auf welchem Weg wir kommunizieren wollen. Das erfordert spezielle Kompetenzen bei uns im Jobcenter. Ganz neu haben wir deshalb eine Projektgruppe eingerichtet: Unser DigiTeam schaut, wo wir uns intern digital weiterbilden müssen. Denn nur wenn die Mitarbeitenden selbst offen sind für die Digitalisierung, können sie das Interesse daran an die Kundinnen und Kunden weitergeben.“

Christine Kowollik, Teamleiterin in der Fachstelle Sozialer Arbeitsmarkt des Kommunalen Centers für Arbeit Main-Kinzig-Kreis:

Christine Kowollik

„Ich bin sehr gespannt, wie sich 2022 die Videoberatung bei uns entwickeln wird. Momentan geht mein Team für unser Haus in eine Testphase. Wir betreuen Klientinnen und Klienten nach dem Teilhabechancengesetz, das heißt, für Vermittlung und Coaching stehen viele Außendiensttermine an. Wir haben Stand jetzt 30 Leistungsberechtigte und Arbeitgebende identifiziert, die als Pilotversuch bei Videogesprächen mitmachen möchten. Wenn sich das etabliert, werden alle Beteiligten Zeit sparen und die Videoberatung wird eine sinnvolle Ergänzung unserer Beratungsarbeit sein. Wir sind ein Flächenlandkreis – wenn eine Teilzeitkraft aus meinem Team 60 Kilometer zum Termin fährt, schafft sie teilweise nur zwei Termine am Tag. Mit der Videoberatung können wir flexibler auf Gesprächswünsche reagieren und ein Format anbieten, das etwas mehr persönliche Atmosphäre schafft als ein Telefonat. Natürlich ist hierbei auch immer zu berücksichtigen, dass wir Arbeitgebende sowie Klientinnen und Klienten gut mitnehmen und individuelle Grenzen beachten.“

Hans-Gerhard Gatzweiler, Geschäftsführer des Jobcenters Schwalm-Eder-Kreis:

Hans-Gerhard Gatzweiler

„In den kommenden Jahren wird die Digitalisierung die Jobcenter-Arbeit stark verändern. Damit meine ich zum einen die vielfältigen Zugangswege. Telefonische Beratung und Video werden nicht wieder verschwinden – und das ist gut so. Das bedeutet aber auch: Irgendwann ist Videoberatung keine Option mehr, sondern ein Standard. Alle Mitarbeitenden müssen sie beherrschen und das erfordert viel Weiterbildung. Hier schließe ich auch die Leistungssachbearbeitung mit ein. Sie wird sich durch digitale Anträge stark verändern. Es wird für die reine Sachbearbeitung viel weniger Menschen brauchen. Wenn wir nicht wollen, dass das zur Rationalisierung führt, müssen die Mitarbeitenden häufiger in den Kontakt gehen. Wir werden viel mehr Leistungsberatung machen und den Menschen erklären, woher sie auf welche Weise Geld bekommen können. 2022 wird spannend – für mich persönlich auch: Ich gehe in den Ruhestand. Das kann ich mir gerade kaum vorstellen, denn ich bin ein echtes Kind des Arbeitsamts und habe immer gerne gearbeitet.“

Und was steht auf Ihrer Agenda? Teilen Sie Ihre spannenden Projekte mit der Servicestelle SGB II. Wir stellen Ihre Erfahrungen gerne vor – online oder auf einer der kommenden Konferenzen. Sie erreichen unser Team unter E-Mail an servicestelle@sgb2.info.