Navigation und Service

Für mehr "Wir" im Jobcenter

1. Oktober 2018

Bei der Zukunftswerkstatt der Servicestelle SGB II zur „Marke Jobcenter“ Mitte September 2018 entwickelten Geschäftsführende und Presseverantwortliche von knapp 40 Jobcentern neue Ideen für die Kommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern, Netzwerkpartnern sowie den eigenen Beschäftigten. Zudem erörterten sie gemeinsam, wie eine wertschätzende Organisationskultur gelebt werden kann.

Grafik: Portraits im Fünfeck angeordnet, mit verschiedenen Verbindungen

Das Wir-Gefühl stärken, die Leistungen der Jobcenter transparent kommunizieren und eine wertschätzende Kultur leben – um als Arbeitsort attraktiv zu bleiben. Diesen Anspruch mit Leben füllen wollten die Geschäftsführenden und Presseverantwortlichen aus rund 40 Jobcentern bei einer neuen Ausgabe der Zukunftswerkstatt derServicestelle SGB II in Berlin. Sie erarbeiteten Strategien, Erfolgsfaktoren und Gestaltungsmöglichkeiten, um näher an den Menschen und auch in Zukunft als Arbeitsort interessant zu sein.

Eine Kleingruppe tauscht sich über Ideen und neue Formate der Pressearbeit aus.
Eine Kleingruppe tauscht sich über Ideen und neue Formate der Pressearbeit aus.

Impulse gab Dr. Stefan Döring. Der Experte für Personalmanagement, Unternehmenskultur und Personalgewinnung klärte gleich vorab: einen einzigen bewährten Weg gibt es nicht. An einigen Eckpfeilern aber können sich Organisationen trotzdem orientieren: Welche Werte, Traditionen und welches Selbstverständnis vertreten wir? Wie sieht unsere Zukunft aus? Und – ganz wichtig – was unterscheidet uns von anderen?

Das daraus entstehende Leitbild soll keine austauschbare Blaupause sein, damit Identifikation und eine Wir-Kultur möglich werden, sagt der Experte. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssen dieses Leitbild nachvollziehen können und seinen Werten zustimmen. Das klappt nur im ständigen Austausch – zwischen allen, die in der Organisation arbeiten. Wie das geht, zeigen etwa die Jobcenter Kreis Unna, Weimarer Land und team.arbeit.hamburg mit wöchentlichen oder monatlichen Sprechstunden sowie (Team-)Dialogen mit der Geschäftsführung.

Das oberste Gebot, so Döring, ist, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu beteiligen, mit ihnen zu reden, ihnen zuzuhören. In Hamburg und Unna findet das zum Beispiel in Arbeitskreisen statt. Während in Unna die Mitarbeiterzufriedenheit zentrales Thema ist, steht in Hamburg der Kulturwandel für mehr Identifikation, Zufriedenheit, Kommunikation und Motivation im Fokus. Bis zu viermal jährlich wollen die Hamburger Arbeitskreise künftig einen Newsletter verschicken, darin über ihre Arbeit informieren und ums Mitentscheiden bei Ideen und offenen Fragen bitten. Das Jobcenter Stendal bearbeitet mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Schwerpunktthemen in Workshops und verbesserte so zum Beispiel die Zusammenarbeit zwischen Eingangs- und Leistungsbereich. Das Jobcenter Holzminden organisiert sich intern teilweise neu – und befragte die Mitarbeiterschaft vorab, in welchen Positionen sie sich sehen. Den Prozess begleitet und bewertet ein Umsetzungsbeirat, bestehend aus je ein bis zwei Mitgliedern aus allen Teams.

Ergebnisse der Zukunftswerkstatt: Zwölf neue Formatideen für eine bürger- und mitarbeiterorientierte Kommunikation der Jobcenter.
Ergebnisse der Zukunftswerkstatt: Zwölf neue Formatideen für eine bürger- und mitarbeiterorientierte Kommunikation der Jobcenter.

Haben die Beschäftigten das Leitbild verstanden und ihm zugestimmt, ist der letzte Schritt, auch darauf zu vertrauen, sagt Döring. Hier sind insbesondere die Führungskräfte in ihrer Vorbildfunktion gefragt. Gute Führungskräfte leben und handeln selbst danach und vertrauen ihren Beschäftigten und deren Fähigkeiten. Sie verzichten auf Macht und Kontrolle, und achten auf Leistung, nicht auf Anwesenheit. So treiben sie für ihre Beschäftigten erlebbar das Wir-Gefühl voran und zeigen Flagge. Das heißt auch, zu den eigenen Fehlern zu stehen – und die Fehler von anderen zuzulassen. Nicht, um vorzuführen, sondern um aus ihnen zu lernen.

Das wirkt sich letztlich auf das Betriebsklima aus, das zentral ist für den Zusammenhalt der Mitarbeiterschaft. Fördern können das Teamtage oder wertschätzende Gesten. Das Jobcenter Hamm nahm sich dem Wohlbefinden der Beschäftigten an und entwarf mit ihnen ein Sicherheitskonzept. Das Jobcenter Stendal veranstaltet in diesem Jahr zum ersten Mal einen „Gesunden Tag“ für die Mitarbeiterschaft, und im Jobcenter Weimarer Land gibt’s nach der Mittagspause kleine Gymnastikeinheiten für alle, die mitmachen wollen.

Die Ansätze aus den Jobcentern zeigen: Ideen für wertschätzende Unternehmenskultur und ein stärkeres Wir-Gefühl gibt es viele. Erfolgreich sind sie, wenn die Erwartungen auf beiden Seiten klar sind und eingelöst werden. Gleichzeitig braucht es Transparenz, ein offenes Ohr und Freiräume zur Mitgestaltung. Schließlich wirkt dieses wertschätzende Selbstverständnis auch nach außen. Denn Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind wertvolle Markenbotschafter, die ihren Arbeitgeber weiterempfehlen können. Das birgt die Chance, das Bild der Jobcenter in der Öffentlichkeit zum Positiven zu wenden – und damit langfristig auch als Arbeitsort attraktiv zu bleiben.