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Ein Obstkorb für alle ist auch keine Lösung

1. November 2018

Ein Rückenkurs hier, eine Ernährungsberatung da: Immer mehr Jobcenter bieten ihren Mitarbeitenden Maßnahmen zur Gesundheitsförderung an. Je breiter und langfristiger der Begriff Gesundheit dabei gedacht wird, desto besser.

Überlasteter Mensch am Schreibtisch
Quelle: Huza/shutterstock.com

Jedes Jahr veranstaltet das Jobcenter Rostock einen Gesundheitstag, eine Art Betriebssportfest. Ebenfalls im Angebot: Firmenlauf und Stadtradeln. Für die Beschäftigten im Jobcenter Dresden steht ein eigener Aktivraum zur Verfügung, in dem sie sich sportlich betätigen können. Zudem lädt die Kantine jährlich zu einem gesunden Frühstück ein.

Maßnahmen wie diese zählen zu den Klassikern beim Thema Gesundheit am Arbeitsplatz. Noch besser sei es jedoch, das „B“ in Betriebliche Gesundheitsförderung stärker zu betonen, sagt Björn Wegner, Leiter des Referats Psychologie und Gesundheitsmanagement der Unfallversicherung Bund und Bahn. „Der Yogakurs oder das Raucherentwöhnungsseminar kann bei jeder Krankenkasse oder Volkshochschule auch außerhalb der Arbeit besucht werden. Das Besondere im Betrieb sollten Maßnahmen sein, die direkt mit der Tätigkeit in Zusammenhang stehen. Also warum nicht eine Rückenschule am Arbeitsplatz oder ein Stimmtraining für Callcenter-Mitarbeiter?“

Langfristig zu denken, heißt zudem, bei der Gesundheitsförderung nicht stehen zu bleiben, sondern ein Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) einzurichten. Jedes BGM beginnt mit einer Analyse: Was verursacht Krankheit am Arbeitsplatz? Aber auch: Wo liegen die Ressourcen? „Was ich nicht brauche, ist eine Rückenschule, sondern Rückendeckung“, bekam Wegner hier einmal als etwas überspitzte Antwort. Soll heißen: Oft sind es auch falsche Führung oder mangelnde Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die krank machen. Hier mit den Beschäftigten zu Lösungen zu kommen, das fördert die Gesundheit. „Die Mitarbeitenden wissen in der Regel genau, was besser laufen müsste“, so Wegner. Trainings zum Thema Gesundheit als Führungsaufgabe oder Weiterbildungen im Zeitmanagement können mögliche Antworten sein. Aber auch sogenannte verhältnispräventive Maßnahmen wie flexiblere Arbeitszeitmodelle oder stärkere Beteiligungsmöglichkeiten der Beschäftigten.

Viele Jobcenter sind in Sachen BGM bereits auf dem richtigen Weg: In Dresden gibt es beispielsweise einen Arbeitskreis Gesundheit, an dem neben der Geschäftsführung auch der Personal rat und Beschäftigte teilnehmen. In Rostock wird das Thema psychische Belastung am Arbeitsplatz regelmäßig abgefragt und evaluiert. Die gesunde Führung ist Bestandteil des Leitbildes. BGM trägt damit zu einer motivierenden und wertschätzenden Unternehmenskultur in den Jobcentern bei. Davon profitieren am Ende auch die Kundinnen und Kunden.