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Stimmen aus den Jobcentern

23. Januar 2019

Welche Schwerpunkte setzen die Jobcenter beim Thema Chancengleichheit? Und welche Hindernisse überwinden sie dabei? Wir haben bei Geschäftsführungen nachgefragt und freuen uns über die Zusendung weiterer Statements zum Thema.

Drei unterschiedlich große Sprechblasen

Der Schlüssel zum Erfolg liegt in der Familie selbst

Porträtbild von Ansgar Seidel. Er trägt eine Halbglatze sowie eine randlose Brille und lacht.
Dr. Ansgar Seidel, Amtsleiter des Jobcenters Kreis Warendorf

„Im Jobcenter Kreis Warendorf richten wir den Blick auf die gesamte Familie. Kennen unsere Integrationsfachkräfte deren Lebenswirklichkeit, können sie Ziele und Ressourcen jedes Familienangehörigen in die Beratung einbeziehen. Damit steht und fällt die Bereitschaft zu Veränderungen in der Familie – und somit auch die Einstellung zur Erwerbstätigkeit der Mutter. So kommt es zu langfristigen, individuellen Lösungen, die von der gesamten Familie getragen werden. Gleichzeitig sensibilisieren wir die Familien frühzeitig und behutsam für die Zeit nach der Erziehungsphase. Denn eine nachhaltige Integration unter Berücksichtigung der familiären Verpflichtungen bedarf einer guten Vorarbeit. Hier gilt es, die Familien mit ihren Traditionen zu verstehen und ihre Lebenswirklichkeit einzubeziehen. Wenn es dann in dem ein oder anderen Fall gelingt, den Vater verstärkt in Kindeserziehung oder Haushalt einzubeziehen und die Mutter in eigene Erwerbstätigkeit zu bringen, sind wir auf einem guten Weg.“

Frauen überdurchschnittlich fördern

Porträt Armin Mittelstädt. Er hat kurze Haare, lächelt und trägt eine große runde Brille.
Armin Mittelstädt, Geschäftsführer Jobcenter Kommunale Arbeitsförderung Ortenaukreis

„Wichtig sind uns vor allem die Wiedereinsteigerinnen und Alleinerziehenden. Sie haben ein hohes Potential und wir wollen ihnen die Chance geben, am Arbeits- und Ausbildungsleben teilzunehmen: Über Teilzeitqualifizierungen, -ausbildungen und gesicherte Kinderbetreuung. Ungleichheiten werden am besten beseitigt, wenn Benachteiligte nicht nur gleichbehandelt, sondern bevorzugt werden. Dazu heißt es auch in unserem Leitbild: „Um die Gleichstellung von Frauen zu erreichen, wollen wir sie überdurchschnittlich fördern.“ Dies hatte seinerzeit zu regen Diskussionen in unserem Haus geführt; nicht alle haben diese Überzeugung von Anfang an geteilt. Einige befürchteten eine neue Benachteiligung – nämlich die der Männer. Dies ist natürlich nicht eingetreten, da die Schlechterstellung von Frauen auch durch unseren progressiven Ansatz nicht behoben, sondern lediglich vermindert wurde.“

Gesellschaftliche und individuelle Wünsche vereinen

Porträtbild Edgar Oettig. Er hat kurze braune Haare und trägt eine Brille sowie Drei-Tage-Bart.
Edgar Oettig, Geschäftsführer Jobcenter Hohenlohekreis

„Wenn ich auf die Bedarfsgemeinschaften mit Kindern blicke, wird mir klar: Gleiche Chancen für beide Elternteile verringern das Risiko, als Familie auf Leistungen angewiesen zu sein und generationenübergreifend SGB II zu beziehen. Die Möglichkeiten für gesellschaftliche Teilhabe, Förderung der Kinder und wirtschaftliche Unabhängigkeit steigen. Das gesellschaftlich Wünschenswerte muss zudem mit dem individuell Gewünschten zusammenpassen. Wird das nicht oder zu wenig berücksichtigt, verfehlt die Beratung ihre Wirkung; mögliche Unterstützung wird nicht angenommen. Erweitern wir aber die persönlichen Perspektiven, kann das ungeahnte Energien freisetzen: Wir erleben, dass Frauen während und nach der Familienphase Schulabschlüsse nachholen, Ausbildungen in Teilzeit beginnen und sich für eine Arbeit qualifizieren.“