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3 Fragen an Riky Ehrke

18. Dezember 2018

Seit dem Jahr 2006 arbeitet Riky Ehrke im Jobcenter Wesermarsch, seit 2017 bei den Netzwerken ABC. Für seinen dort entwickelten Beratungsansatz "Perspektivwechsel" tauscht er mit Kundinnen und Kunden die Rollen und lernt dabei auch selbst Neues.

Portrait von Riky Ehrke. Er trägt eine kleine runde Brille sowie Vollbart.

Servicestelle SGB II: Ihr Beratungsansatz „Perspektivwechsel“ entstand zufällig: ein Kunde nahm versehentlich auf Ihrem Stuhl Platz, woraufhin Sie spontan auf die Idee kamen, mit ihm ein Beratungsgespräch mit getauschten Rollen zu führen. Mit Ihrer Intuition lagen Sie richtig, das Gespräch zeigte unerwartet positive Wirkungen auf die Motivation des Kunden. Wann wenden Sie diesen Ansatz nun bewusst an?

Riky Ehrke: Nur dann, wenn ich bereits einen guten Draht zur Kundin oder zum Kunden habe, mein Gegenüber einschätzen kann und ein gewisses Vertrauen aufgebaut habe. Ich entscheide dann aus der jeweiligen Situation heraus, wann ich den Ansatz anwende. Für mich bietet er sich an, wenn von der Kundin oder dem Kunden gar kein Input mehr kommt und die Situation eingefahren wirkt – dann versuche ich den Perspektivwechsel als aktivierenden Anstoß. Im vergangenen Jahr habe ich mich insgesamt fünf Mal dazu entschieden.

Servicestelle SGB II: Hat der Ansatz auch etwas an Ihrer eigenen Haltung verändert? 

Riky Ehrke: Ja, ich habe dadurch gelernt, mich mehr in Geduld zu üben und Stille einfach mal auszuhalten – statt immer sofort Lösungen anzubieten. Außerdem habe ich erfahren, dass ein Rollenwechsel die Beratungssituation auflockern und damit den Zugang zur Kundin oder zum Kunden erleichtern kann. Bei denjenigen, die sich auf den „Perspektivwechsel“ einlassen, ist mir aufgefallen, dass sie durchaus alleine auf eine Lösung kommen, wenn ich als Berater die nötige Geduld aufbringe. Die meisten von ihnen fühlten sich dann einfach ernster genommen und wurden dadurch wieder aktiver.

Servicestelle SGB II: Was würden Sie anderen Kolleginnen und Kollegen raten, die den Beratungsansatz „Perspektivwechsel“ ausprobieren möchten?

Riky Ehrke: Erstens: Einfach mal machen! Dazu gehört auch, den Mut aufzubringen, den eigenen Platz und damit die eigene Komfortzone zu verlassen. Zweitens: Der Kundin oder dem Kunden Zeit geben, sich in der neuen Situation zurechtzufinden. Dazu kann auch gehören, die dann entstehende Stille für eine Zeit auszuhalten. Und drittens: Sich klarmachen, dass es kein Risiko ist, einen Perspektiv- und Platzwechsel auszuprobieren. Wenn man merkt, dass es nicht funktioniert, kann jede Beraterin oder jeder Berater den Rollentausch abbrechen.

Näheres über den Beratungsansatz „Perspektivwechsel“ lesen Sie im zweiten Themenheft "chancen – Ein Magazin der Netzwerke ABC" auf Seite 12.