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3 Fragen an Alexander Haberer

15. Juni 2018

Alexander Haberer war Kind der ersten Stunde im Jobcenter Stadt Stuttgart. Seit 2013 leitet der zweifache Familienvater die Fachstelle für Selbstständige. Warum diese Arbeit genauso herausfordernd wie lohnenswert ist, erzählt er im Interview.

Porträtfoto von Alexander Haberer

Servicestelle SGB II: Seit fünf Jahren werden die Selbständigen und Kunden mit einem Gründungsvorhaben durch die spezialisierte Fachstelle in Ihrem Jobcenter betreut. Vor welche Herausforderungen stellt diese Beratung Sie noch heute?

Alexander Haberer: Die Fachstelle für Selbstständige treiben zum Teil andere Themen um als das restliche Jobcenter. Für uns stellt sich häufig die Frage, wie ist das geltende Recht bei komplexen Fallgestaltungen, die Selbständige mit sich bringen, richtig anzuwenden. Wir sind zudem laufend mit neuen Entscheidungskriterien konfrontiert: Es geht nicht nur darum, ob eine Geschäftsidee tragfähig ist und die Eignung einer Gründerpersönlichkeit vorliegt. Sondern auch darum, ob die öffentliche Hand wirtschaftliche Konzepte mit besonderen ethischen Fragestellungen unterstützen möchte und kann. So sind Marktverzerrungen auszuschließen und Schaden von Dritten abzuwenden. Kann zum Beispiel ein Geistheiler gefördert werden? Führt dieser eventuell unzulässige Heilbehandlungen durch, in deren Konsequenz Menschen nicht zum Arzt gehen und vielleicht Schaden erleiden?

Servicestelle SGB II: Wie unterscheidet sich die Arbeit mit Selbstständigen darüber hinaus von der mit anderen Leistungsbeziehenden?

Alexander Haberer: Da gibt es massive Unterschiede: Gerade die Antragstellerinnen und Antragsteller, die bisher erfolgreich ihr umsatzstarkes Unternehmen am Markt geführt haben, kommen in einer Krise zum Teil mit einem sehr hohen Lebensstandard und starker Überschuldung zu uns. Zudem haben wir einen hohen Anteil an Akademikern unter den Selbständigen und den Gründungsinteressierten und tauschen uns mit einer ganz anderen Diskussionstiefe aus. Gleichzeitig hinterfragen diese Bürgerinnen und Bürger viel mehr, was wir im Jobcenter eigentlich tun und tun dürfen. Sie sind es gewöhnt, kritisch nachzuhaken und sich für ihr Unternehmen und ihre Existenz einzusetzen. Dementsprechend sind die Widerspruchs- und Klagequoten bei dieser Personengruppe erhöht – und zwar bundesweit. Eine weitere Herausforderung liegt in der Komplexität. Wir müssen uns intensiv mit den Planungen der Selbständigen auseinandersetzen und Investitionen und Entscheidungen im Detail prüfen.

Servicestelle SGB II: Was schätzen Sie an Ihrem Job?

Alexander Haberer: Da ich während des Studiums bereits selbstständig im Veranstaltungsmanagement gearbeitet habe, weiß ich um die Themen, die unsere Selbständigen umtreiben. Es geht um rechtliche Probleme, Genehmigungen, Auflagen oder Angst vor Misserfolg. Und die Frage: Lohnt sich das alles überhaupt?

Ich mache meinen Job gern, denn er ist vielseitig und herausfordernd. Spannend sind zum Beispiel die Kontakte in die Wirtschaft, denn letztlich verstehen wir uns als festen Teil der Gründungsgemeinschaft hier in Stuttgart. Und ich lerne tolle Menschen und Ideen kennen. Viele wollen etwas bewegen. Da stoßen wir in einen Bereich der Arbeitsvermittlung, der sehr wertvoll ist: Was kann unsere Kundin oder unser Kunde besonders gut? Das erlaubt, Menschen in Bereichen zu fördern, von welchen ich nicht dachte, dass man da Geld verdienen kann. Und dann entstehen Dinge, die es so auf der Welt kein zweites Mal gibt.