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3 Fragen an Ana Paula May

1. Oktober 2019

Ana Paula May ist Geschäftsbereichsleiterin und stellvertretende Geschäftsführerin im Jobcenter Region Hannover. Täglich pendelt die 44-Jährige von Hildesheim ins Büro. Die Staus auf der A2 erträgt sie mit NDR Info und viel Gelassenheit. Diese Eigenschaft – gepaart mit ihrer Zielstrebigkeit – halfen ihr dabei, im Jobcenter Region Hannover einen Kulturwandel mit anzustoßen.

Porträtfoto von Ana Paula May. Sie hat dunkle Haare und trägt eine schmale Brille sowie ein Halstuch.

Servicestelle SGB II: Frau May, was brauchte Ihre Organisation, um eine gemeinsame Haltung zu entwickeln?

Ana Paula May: Klarheit in der eigenen Zielsetzung ist das, was eine Organisation definitiv braucht. Wo soll die Reise hingehen? Das in einem Leitbild und in den Führungsleitlinien zu manifestieren und auf Papier schön bunt abzubilden heißt aber noch lange nicht, dass das Auswirkungen hat. Deshalb haben wir die Theorie ins konkrete Tun übersetzt. Was wollen wir eigentlich? Was meinen wir mit Wertschätzung? Was erwarten wir von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern? Und wie können wir uns so gut aufstellen, um unseren gesetzlichen Auftrag zu erfüllen und die beste Dienstleistung für die Menschen hier in der Region zu erbringen? All das mussten wir in nachvollziehbare Worte kleiden – bei Workshops, Meetings oder Gesprächen mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Hannover hat über 1.700 Beschäftigte, verteilt auf 19 Standorte. Hier mit allen Beschäftigten im Gespräch zu bleiben ist eine ziemlich große Herausforderung für uns gewesen.

Servicestelle SGB II: Wie haben Sie es geschafft, diese zu bewältigen?

Ana Paula May: Damit sind wir nie fertig: Wir haben ja Fluktuation. Deswegen kommunizieren wir das Thema permanent. Dabei spielen die Führungskräfte eine wichtige Rolle. Auch sie müssen verstehen, was wir wollen, es übersetzen und als Vorbild vorleben. Dafür holen wir alle Führungskräfte mindestens zweimal im Jahr für eine große Tagung zusammen. Außerdem haben wir ein eigenes Mentorenprogramm, in dem neue Führungskräfte eine erfahrene aus dem Haus an die Seite kriegen. Im Onboarding für neue Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben wir das Thema Haltung ebenfalls platziert. Sie lernen die Erwartungshaltung an die Aufgabenerledigung, das Auftreten und den Umgang miteinander und mit den Leistungsberechtigten kennen. Diese Fragestellungen ziehen sich außerdem durch unsere Schulungen. Dass das etwas bringt, merkt man: Die Qualität des Miteinanders und des Austauschs hat sich deutlich verändert. Und die Erwartungshaltung ist natürlich, dass sich all das auch auswirkt auf das tägliche Tun mit den Leistungsberechtigten. Ein Gradmesser kann die Anzahl der Kundenreaktionen sein: Die kritischen, negativen Rückmeldungen sind deutlich zurück gegangen. Wir hatten im Jahr 2014 noch über 1.100 Kundenreaktionen, fast ausschließlich Beschwerden. Zuletzt lagen wir bei rund 600 Kundenreaktionen im Jahr. Zwanzig Prozent davon waren positives Feedback und Ideen.

Servicestelle SGB II: Wo Sie sich beruflich so stark mit Haltung und der Wirkung von Verhalten auseinandersetzen: Spielt das auch privat eine Rolle für Sie?

Ana Paula May: Wenn es um Werte und Haltung geht, ist das nicht etwas, was ich nach Feierabend von mir streifen kann. Dabei geht es schon auch um meine Persönlichkeit. Die Themen Führung und Kulturwandel in Organisationen sind durchaus etwas, womit ich mich auch privat beschäftige. Besonders gern lese ich Anselm Grün, der bei Führungshandeln von Demut in der Menschenführung spricht. Und das sind natürlich Dinge, die ich versuche, auch als Mutter unseren Kindern mit auf den Weg zu geben. Unsere Tochter ist Schulsprecherin und mit mir natürlich auch eng im Austausch, wenn es darum geht: Wie kann ich Dinge verändern? Wie kann ich Prozesse anstoßen? Wie kann ich Menschen gewinnen, die mit mir in dieselbe Richtung gucken? All das strahlt auch ins Private, und aus dem Privaten wieder zurück ins Dienstliche. Das kann man gar nicht voneinander trennen.