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3 Fragen an Larissa Mihm

14. August 2019

Sonderpädagogin Larissa Mihm arbeitet seit 2018 als Coach unter anderem mit Teilnehmenden des Regelinstruments §16i SGB II im Jobcenter Fulda. Mit ihrem Glauben an das Gute im Menschen gelingt es ihr, Langzeitarbeitslose in Arbeit zu bringen. Was ist ihr Erfolgsrezept?

Porträtfoto von Larissa Mihm. Sie hat blonde lange Haare und trägt einen schwarzen Blaser über einer hellgrauen Bluse.

Servicestelle SGB II: Frau Mihm, Sie bezeichnen sich selbst als Coach. Was verbirgt sich dahinter und was unterscheidet Ihre Arbeit von der einer klassischen Fallmanagerin?

Larissa Mihm: Als Coach sehe ich mich als Begleiterin und Unterstützerin der Langzeitleistungsbeziehenden. Meine Aufgabe ist es, ihnen den Weg zurück in die Arbeitswelt zu ebnen, sie zu stabilisieren und wieder an die grundsätzlichen Arbeitstugenden heranzuführen. Im Gegensatz zur klassischen Jobcenter-Arbeit treffe ich die Teilnehmenden außerhalb des Jobcenters. In der Regel besuche ich ihre Arbeitsstätte, um auch mit den Vorgesetzten über mögliche Probleme zu sprechen. Mein Job ist es aufzuzeigen, welche Auswirkungen es auf die Teilnehmenden oder ihre Familien hat, wenn sie den Job nicht weiterführen. Ich versuche zu motivieren und den Menschen das Vertrauen zu geben, dass sie einen guten Job machen. Der regelmäßige persönliche Kontakt und die engmaschigere Betreuung als im Jobcenter ermöglichen es mir, eine Vertrauensbasis zu den Menschen aufzubauen. Nur so kann ich Veränderungen erreichen und auch unangenehme Themen ansprechen.

Servicestelle SGB II: Gibt es eine spezielle Methode, die Sie Ihren Kolleginnen und Kollegen besonders empfehlen würden?

Larissa Mihm: Es gibt in meinen Augen nicht die eine Methode. Wir vereinbaren gemeinsam Ziele und arbeiten daran, diese zu erreichen. Dabei stecke ich gerne kleine Schritte ab, damit das große Ziel am Ende nicht unerreichbar wirkt. Mein langfristiges Ziel ist es, den Menschen vor dem Ende unserer Zusammenarbeit so weit zu stärken, dass er in einem stabilen Verhältnis zu seiner Arbeit und seiner eigenen Persönlichkeit steht. Ich kümmere mich darum, dass Arbeitsverträge weiterlaufen oder die Menschen einen anderen Job bekommen. Gibt es ein dringendes Problem, gehen wir das zuerst an. Was sich zu lange aufstaut, erscheint zunehmend unüberwindbar und es kostet umso mehr Zeit, das Problem zu lösen. Manchmal reicht es auch schon, einen Behördenbrief verständlich zu erklären. Wenn etwas unklar ist, hilft mir der enge Austausch mit den Fallmanagerinnen und Fallmanagern vor Ort im Jobcenter.

Servicestelle SGB II: Ihr Job ist nichts für schwache Nerven. Welche Werte sowie persönliche und fachliche Voraussetzungen sollte man dafür mitbringen?

Larissa Mihm: Um in meinem Job erfolgreich zu sein, sollte man immer positiv denken, eine freundliche Ausstrahlung haben und Verständnis für die Menschen aufbringen. Es ist wichtig, authentisch zu sein und Leidenschaft für den Job mitzubringen. Wenn es Rückschläge gibt, versuche ich das nicht persönlich zu nehmen. Ich messe mich nicht an den Rückschlägen, sondern an den kleinen Erfolgen. Ich denke da zum Beispiel an eine alleinerziehende Mutter, die jetzt über das Regelinstrument § 16i nach 15 Jahren wieder in ihren gelernten Beruf als Sachbearbeiterin zurückkehren konnte. Die finanzielle Unterstützung und die Begleitung durch einen Coach haben der Firma Sicherheit und ihr das Vertrauen gegeben, dass es mit der richtigen Unterstützung auch nach Jahren noch möglich ist, den Weg zurück in den Beruf zu finden.

Als Coach muss man sich auch immer wieder klar machen, dass diese Menschen Hilfe brauchen, aber man sein eigenes Leben dabei nicht vergessen darf. Dazu gehört auch, dass ich mit dem Verlassen des Jobcenters auch die Arbeit zurücklasse. Neben diesen persönlichen Voraussetzungen sollten aus meiner Sicht ein pädagogisches Studium oder eine pädagogische Ausbildung vorliegen. Ich wende beispielsweise gerne erlernte Gesprächstechniken oder Inhalte aus meinem Studienschwerpunkt Psychoanalyse an.