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3 Fragen an Jenny Vesper

29. Januar 2019

Wenn sich Kundinnen und Kunden mit dem Gang ins Jobcenter sehr schwertun, kommt dieses ihnen einfach ein Stück entgegen: Seit Herbst 2017 bietet das Jobcenter Dortmund eine mobile Obdachlosenbetreuung in den Drogen- und Wohnungslosenberatungsstellen der Stadt. Ein Interview mit Diplom-Sozialarbeiterin Jenny Vesper, die als Arbeitsvermittlerin gemeinsam mit dem Leistungssachbearbeiter unterwegs ist.

Jenny Vesper

Servicestelle SGB II: Frau Vesper, in Ihrer mobilen Obdachlosenbetreuung kommen Sie einigen Jobcenter-Kundinnen und -Kunden ein Stück entgegen. Wie gut kommt das an?

Jenny Vesper: Unser Beratungsangebot wird gut angenommen, etwa 40 bis 50 Personen nutzen es im Monat. Die Beratung ist dabei an keine großartigen Vorbedingungen geknüpft. Die Träger informieren mit Aushängen über unser Angebot und die Menschen kommen dann von selbst auf uns zu. Die Beratung passen wir ebenfalls an die Menschen an – nur selten beginnt ein solches Gespräch daher mit der Frage, ob sich eine Person auf eine Stelle beworben habe. Stattdessen klären wir zunächst gemeinsam die individuelle Situation: Wo liegen die Stärken und was müssen wir tun, damit eine Integration in Arbeit möglich wird? Die Kundinnen und Kunden spüren, dass sie keine Angst haben und nichts leisten müssen, dass sie derzeit einfach nicht erfüllen könnten. Einige von ihnen konsumieren illegale Drogen, manche prostituieren sich und wieder andere sind Alkoholiker, die seit fast 20 Jahren auf der Straße leben und keine Wohnung wollen. Als Beraterin oder Berater muss ich ihre Lebenslage kennen. Und je besser ich ihre Situation einschätzen kann, desto besser kann ich sinnvoll beraten. Die Kundinnen und Kunden merken, dass ich sie nehme, wie sie sind, fest für sie zuständig und immer für sie erreichbar bin. So können wir Pläne entwickeln und die nächsten kleinen und großen Schritte gehen. Aber es gibt auch klare Verbindlichkeiten: Ich erwarte, dass sie verlässlich und verbindlich Kontakt halten. Ich möchte auf dem Laufenden bleiben, denn nur dann kann ich reagieren. Bisher funktioniert das sehr gut.

Servicestelle SGB II: In der aufsuchenden Beratung arbeiten Sie mit vielen Netzwerkpartnern zusammen: die Drogenberatungsstelle Dortmund (DROBS), die zentrale Beratungsstelle für Wohnungslose der Diakonie, das Gasthaus Dortmund und die Mitternachtsmission für Aussteigerinnen aus Prostitution und Prostituierte. Wie haben Sie das aufgebaut und wie halten Sie das Netzwerk heute am Laufen?

Jenny Vesper: Als es losging, haben wir unsere Idee von der mobilen Beratung einfach persönlich bei den Trägern vorgestellt. Das lief super. Heute sitzen wir abwechselnd einmal pro Woche für zwei Stunden in der DROBS, in der Beratungsstelle der Diakonie und im Gasthaus – wir sind also regelmäßig vor Ort. Aber auch sonst sind wir in ständigem Kontakt mit den Trägern und telefonieren regelmäßig. Wir gehen zu Netzwerktreffen und führen Resümee-Gespräche mit allen Beteiligten. Wenn die Träger oder die Stadt Veranstaltungen oder runde Tische zum Thema Wohnungslosenhilfe machen, sind wir dabei. Netzwerken ist fester Bestandteil unserer Arbeit, und nur dadurch ist es uns möglich, unseren Kundinnen und Kunden die für sie jeweils passende Unterstützung zu bieten.

Servicestelle SGB II: Wie schaffen Sie es bei all den Herausforderungen, Ihre Kundinnen und Kunden wieder an Arbeit heranzuführen?

Jenny Vesper: Dafür muss ich ihnen mit viel Kreativität individuelle Wege anbieten. Es braucht in der Obdachlosenbetreuung eine sehr hohe Beratungsqualität und man darf die Kundinnen und Kunden nie allein lassen. Daneben üben wir natürlich auch die üblichen Dinge: Sich zu präsentieren, Bewerbungen zu schreiben, passende Kleidung auszuwählen. Seit Anfang 2018 haben 28 meiner Kundinnen und Kunden eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung gefunden. Oft ist es ein Problem von Schwerstabhängigen zu verlangen, von 8 bis 16 Uhr einer Arbeit nachzugehen. Deshalb sind Arbeitsgelegenheiten (AGH) stark gefragt. Meine Kundinnen und Kunden schätzen, dass sie nicht die volle Stundenzahl leisten müssen, sondern sich ausprobieren und gucken können, wozu sie in der Lage sind und wie lange sie durchhalten können. Etwa 50 von ihnen tun das gerade. Ich bin großer Fan von AGH für unsere Kundinnen und Kunden! Denn sie sind ein Baustein für mehr Stabilität im Leben. Gerade, wenn ein Mensch aus einer Therapie kommt. Da wäre Leerlauf sonst die größte Gefahr.

Sie möchten in Ihrem Jobcenter ebenfalls aufsuchend beraten? Jenny Vesper tauscht sich dazu gern mit Ihnen aus! Weitere Informationen erhalten Sie in unserem Extranet für die Netzwerke ABC. Sie sind noch nicht im Extranet angemeldet? Senden Sie bei Interesse eine E-Mail an netzwerke-abc@sgb2.info.