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3 Fragen an Dyana Mieske-Borchers

4. Dezember 2018

Seit drei Jahren ist Dyana Mieske-Borchers Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) im Jobcenter im Landkreis Celle. Mit dem Systemischen Beratungsansatz unterstützt sie Kundinnen und Kunden dabei, Familie und Beruf besser zu vereinbaren.

Portrait von Dyana Mieske-Borchers. Sie hat blonde Locken und lächelt.

Servicestelle SGB II: Das Jobcenter Celle arbeitet mit dem Systemischen Ansatz. Wie kam es dazu?

Dyana Mieske-Borchers: Unserer Geschäftsführung liegen Kinder und Jugendliche, die mit ihren Eltern von Arbeitslosengeld II leben, besonders am Herzen. Daher entstand vor drei Jahren die Maßnahme „Familiencoaching für Bedarfsgemeinschaften“ und die Idee einer ganzheitlichen Beratung. Ich begeisterte mich von Anfang an sehr für das Projekt. Nachdem ich bereits neun Jahre im Jobcenter tätig war, vor allem als Vermittlerin und Trainerin für Beratungskonzeption, bewarb ich mich zu dieser Zeit als Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Das Projekt begleite ich nun seit seinem Beginn im Herbst 2016. Da hatten wir im Landkreis Celle etwa 200 Bedarfsgemeinschaften mit mehr als drei Kindern, die wir in diese Beratung einbeziehen wollten. Wir sind überzeugt, dass die meisten Probleme nur dann sinnvoll angegangen werden können, wenn jedes Familienmitglied die Lösungsansätze mitträgt. Das kann man oft nur erreichen, wenn man ein Familiencoaching mit einem Systemischen Ansatz anbietet. Daher haben wir unsere Integrationsfachkräfte im Bereich der Systemischen Beratung geschult.

Servicestelle SGB II: Welche Herausforderungen bringt der Systemische Ansatz in der Praxis mit sich? 

Dyana Mieske-Borchers: Kern des Systemischen Ansatzes ist es, das gesamte soziale Umfeld der Kundin oder des Kunden in die Beratung miteinzubeziehen. Das ist leider so idealtypisch nicht immer möglich, da selten alle relevanten Personen für Gespräche bereit oder greifbar sind. Zudem hat sich gezeigt, dass die Beratung einer größeren zusammengehörigen Gruppe komplex und anspruchsvoll ist. Einigkeit über gemeinsame Ziele und Wege dorthin sind nicht selbstverständlich und müssen oft erst mühsam mit der Beraterin oder dem Berater erarbeitet werden.

Servicestelle SGB II: Wie gelingt das Familiencoaching dennoch?

Dyana Mieske-Borchers: Zentral ist zunächst, dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gut ausgebildet sind und strukturiert sowie mit viel Geduld und Empathie vorgehen. Zu Beginn der Beratung stellen sie zum Beispiel Kommunikationsregeln vor. Denn gerade Familien, die zahlreiche Probleme zu bewältigen haben, wie etwa Erziehungsfragen, Suchtprobleme, Geldsorgen, gesundheitliche Einschränkungen oder Sprachprobleme, profitieren sehr von einer klaren Linie, um dauerhaft zielorientiert und auf der Sachebene zu diskutieren. In der Beratung helfen anschauliche Methoden zur Problembewältigung, fachlicher Input und Begleitung bei der aktiven Zielbewältigung. Weiterhin müssen Impulse sehr behutsam platziert werden, um nicht zu über- oder zu unterfordern. Generell ist der Beratungsprozess zeit- und ressourcenintensiv, alle Beteiligten brauchen Geduld, Motivation und ein festes Ziel vor Augen. Aber es lohnt sich, denn wir sehen immer wieder, dass mit dem Familiencoaching festgefahrene Situationen tatsächlich gemeinsam angegangen und dann auch neue Lösungen gefunden werden – weil alle mit anpacken.