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3 Fragen an Winfried Dürr

7. Oktober 2019

Betriebsakquisiteur (BAK) Winfried Dürr aus dem Jobcenter Landkreis Calw coacht seit einigen Monaten die Teilnehmenden im neu eingeführten Sozialen Arbeitsmarkt (§ 16i SGB II). Weshalb er ergänzend auch auf externe Angebote zurückgreift, erzählt der ausgebildete Bankkaufmann im Interview.

Portrait von Winfried Dürr. Er hat grau melierte Haare und trägt einen Anzug mit Krawatte.

Servicestelle SGB II: Herr Dürr, im Zuge des neuen Regelinstruments § 16i SGB II hat sich Ihr Jobcenter zunächst für die interne Coaching-Variante entschieden. Wie gehen Sie dabei vor?

Winfried Dürr: Unser Coaching-Ansatz gliedert sich in drei Phasen: Im ersten Schritt gilt es, das Arbeitsverhältnis zu stabilisieren. Dafür identifizieren wir zunächst potentielle Störfaktoren, die die Anstellungen gefährden und meist im Alltag oder der Persönlichkeitsstruktur der Teilnehmenden verwurzelt sind. Gemeinsam arbeiten wir dann an Lösungsstrategien. In der zweiten Phase versuchen wir dann, das Leistungsvermögen der Menschen zu steigern und sie in den Dingen weiter zu bestärken, die sie bereits gut können. In beiden Phasen gehört es zu meinen Aufgaben, die mehr Verständnis beim Arbeitgeber gegenüber kleinen Schwächen zu schaffen – etwa, wenn die Teilnehmenden in der Anfangszeit vielleicht nicht jeden Tag pünktlich zur Arbeit erscheint, weil sie die Tücken der Anfahrtstrecke nicht mehr gewohnt sind. Da haben wir zum Glück schon einige Unternehmen gefunden, die dazu bereit sind. Unser langfristiges Ziel ist es dann natürlich in der dritten und letzten Phase, die Teilnehmenden auch über den Förderzeitraum hinaus zu effektiven Mitarbeitenden im Betrieb weiterzuentwickeln und somit dauerhaft zu integrieren.

Servicestelle SGB II: Ergänzend arbeiten Sie auch mit externen Coaching-Anbietern zusammen. Wie kommt es dazu?

Winfried Dürr: Bereits bevor die beschäftigungsbegleitende Betreuung beginnt, können wir über die Regelangebote auf unterstützende regionale Angebote zugreifen. Der Vorteil davon ist: Das Coaching kann schon in der Bewerbungsphase beginnen. Über die örtliche Volkshochschule können wir zum Beispiel ein Persönlichkeitscoaching mit einer Schauspielerin aus der Region in Anspruch nehmen. Ein externer Coach kann unsere Kunden „als neutrale Person“ und mit seiner ureigenen Vorgehensweise und persönlichen Note ansprechen. Die Teilnehmenden gehen aus diesen Treffen regelmäßig mit einem völlig neuen Auftreten heraus: Zum einen machen viele einen gepflegteren Eindruck, noch wichtiger ist allerdings das gesteigerte Selbstbewusstsein. Eine gerade Haltung, fester Blickkontakt und selbstbewusste Argumentation – wir sind wirklich überrascht, welch‘ bemerkenswerte Auswirkungen dieses Coaching selbst auf unsere „härtesten Fälle“ hat. Für das beschäftigungsbegleitende Coaching ergibt sich daraus, dass ich auf diese positive Verhaltensänderung gut aufbauen kann.

Servicestelle SGB II: Unabhängig von der internen oder externen Coaching-Variante: Welche Werte und Einstellungen des Coaches sind Ihrer Meinung nach entscheidend, damit der Prozess für alle Beteiligten ein Erfolg wird?

Winfried Dürr: Das Coaching funktioniert nur, wenn auch meine innere Haltung dazu stimmt. Ich gehe immer mit einer vorurteilsfreien Einstellung in die Coaching-Gespräche und schaffe es in der Regel auch, über diese Offenheit das Vertrauen der Leistungsbeziehenden zu gewinnen. Gleichzeitig muss ich als BAK meine Grenzen kennen: Ich bin kein Psychologe, kein Arzt und auch nicht der Ehepartner der Teilnehmenden. Wenn ich merke, dass es an den entsprechenden Stellen kriselt, dann leite ich die Leute an Experten aus meinem Netzwerk weiter. Und zu guter letzt muss ich mir immer darüber im Klaren sein, dass ich mich nur um machbare und vom Teilnehmenden akzeptierte Lösungsvorschläge kümmern kann. Der dazu notwendige Veränderungswille muss jedoch immer von der Person selbst kommen.