Navigation und Service

3 Fragen an Martina Würker

21. Februar 2020

Martina Würker ist seit einem Jahr Geschäftsführerin im Jobcenter Köln. Uns berichtet sie im Interview, wie ihr erstes Jahr verlaufen ist und was das Besondere an einem großen Jobcenter wie Köln ist.

Porträtfoto von Martina Würker. Sie hat kurze dunkle Haare und trägt eine dunkle Hornbrille und eine schwarze Bluse.

Servicestelle SGB II: Frau Würker, vor einem Jahr haben Sie die Geschäftsführung im Jobcenter Köln übernommen. Wenn Sie eine Bilanz Ihres ersten Jahres in der Domstadt ziehen, wie sieht diese aus?

Martina Würker: Die Bilanz ist durchweg positiv. Natürlich gab es bei dem Geschäftsführerwechsel im Jobcenter Köln nach so langer Zeit – 14 Jahren - etwas Bewegung im Gebälk: wo geht es lang, wie tickt die Neue, will sie was ändern, was will sie ändern? Und auch ich war gespannt, was mich erwartete. Ich wurde gut unterstützt bei der Einarbeitung und Orientierung in der Kölner Behörden-, Wirtschafts- und Soziallandschaft. Nach diesen ersten 10 Monaten wird mir von meinen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, aber auch von außen gespiegelt: es hat Veränderungen gegeben und es sind Prozesse auf den Weg gebracht worden. Und die Menschen gehen da mit. Dies betrifft insbesondere Fragen der Haltung und der Kommunikation. Ja, ich hinterfrage gern Dinge: macht das Sinn oder kann das weg? Bremsen wir unsere Arbeit aus, wenn wir uns hinter Paragrafen verschanzen und kann ich mehr Eigenverantwortung walten lassen? Sowas zieht sich dann durch alle Tätigkeitsbereiche und Ebenen. Und ich freue mich darüber und darauf, das weiter voranzubringen. Als Einzelkämpferin wäre das unmöglich – deshalb bin ich für den Rückhalt der Kolleginnen und Kollegen dankbar.

Servicestelle SGB II: Mit rund 1.500 Mitarbeitenden ist das Kölner Jobcenter das drittgrößte in ganz Deutschland. Wie behält man in so einer Institution den Überblick? Was können Sie von kleineren Jobcentern lernen?

Martina Würker: Wie ich bei 1.500 Mitarbeitenden den Überblick behalte? Genau das ist es: Überblick. Nicht Einblick in jede Kleinigkeit. Ich interessiere mich für Menschen – und anstatt 100 Leuten flüchtig zuzunicken, schaue ich lieber 10 Leuten ins Gesicht und lerne sie kennen. In Köln habe ich mit einer „Tournee“ begonnen, um möglichst viele Kolleginnen und Kollegen persönlich kennenzulernen – und nicht nur deren Führungskräfte. Ich habe gelernt, zu vertrauen, zuzuhören und nicht gleich alles zu beurteilen. Meine Kolleginnen und Kollegen möchte ich dazu ermuntern, noch mehr selbständige Entscheidungen zu wagen, neue Wege zu gehen – und auch Mut zu möglichen Fehlern zu haben. 
Und unabhängig davon, wie groß ein Jobcenter ist: wir können alle voneinander lernen – auch deshalb ist ein Austausch untereinander wertvoll.

Servicestelle SGB II: Sie haben durch das Teilhabechancengesetz über 700 Menschen (770, Statistik der BA  Januar 2020) zum Sprung von der Langzeitarbeitslosigkeit in das Berufsleben verholfen. Wie beurteilen Sie die Umsetzung des Teilhabechancengesetzes?

Martina Würker: Das Teilhabenchancengesetz schafft tatsächlich Chancen - von Anfang an. Menschen erleben wieder soziale Beziehungen. Es gibt Erfolgserlebnisse. Wertschätzung. Langzeitarbeitslose, die manchmal einsam und ohne Selbstbewusstsein waren, sind jetzt Kolleginnen und Kollegen, Teil eines Teams. Das stärkt die Menschen und begeistert auch Arbeitgeber. Der eine oder andere ist überrascht, was in den Leuten steckt, deren Bewerbung sie sonst aussortiert hätten. Ich bin gespannt, ob die „16i“-ler weiter durchhalten. Bisher ist die Zahl der Abbrüche gering und wir wollen weiter erfolgreich sein: Unser Job ist es jetzt, dran zu bleiben. An den Arbeitnehmern, den Arbeitgebern und an den Kundinnen und Kunden, die solche eine Chance brauchen.

Nicht nur Frau  Würker  betrachtet die bisherige Umsetzung des Teilhabechancengesetzes als gelungen. Auch Sabine Meyer, BCA im Jobcenter Bottrop,  zieht eine positive Zwischenbilanz. Das Interview finden Sie hier.

Des Weiteren gibt das gemeinsame Jobcenterporträt des Jobcenters Kiel und des Jobcenters Münster einen Einblick in die Umsetzung des Teilhabechancengesetzes in zwei Jobcenter unterschiedlichen Organisationstyps. Die Reportage finden Sie hier.