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3 Fragen an Julia Löffler

2. April 2020

Porträtfoto von Julia Loeffler. Sie trägt eine blaue Brille, eine blaue Bluse; im HIntergrund stehen verschwommen Palmen.
Julia Löffler aus dem kommunalen Jobcenter Odenwaldkreis

Servicestelle SGB II: Frau Löffler, Sie nehmen im kommunalen Jobcenter Odenwaldkreis eine Doppelfunktion ein. Sie sind sowohl Beauftragte für Chancengleichheit am Arbeitsmarkt (BCA) als auch für das SGB II-Controlling verantwortlich. Welche Möglichkeiten und welche Herausforderungen ergeben sich aus dieser Stellenteilung? 

Julia Löffler: Als SGB II-Controllerin und BCA arbeite ich bereits seit August 2013. Die Aufgabe des SGB II-Controlling beinhaltet das Recherchieren am örtlichen Arbeitsmarkt sowie das Erarbeiten der möglichen Zielwerte, die mit dem Land Hessen in einer Zielvereinbarung für das darauffolgende Jahr abgeschlossen werden. Es beinhaltet jedoch kein Finanzcontrolling.  Die Doppelfunktion bietet die Möglichkeit die Kennzahlen nach § 48 a SGB II zu erhalten, auszuwerten und aufzubereiten. Seit zwei Jahren präsentiere ich nicht nur die Integrationen gesamt, sondern auch getrennt nach den Geschlechtern. Dabei konnte man über die Zeit eine Verbesserung der Integrationen von Frauen erkennen. Die Herausforderung besteht darin, sich immer bewusst zu machen, aus welcher Blickrichtung man sich z. B. die Kennzahlen anschaut. Aus Sicht der SGB II-Controllerin sind erhöhte Vermittlungszahlen und Rückgang der Langzeitleistungsbezieher anzustreben. Aus Sicht der BCA soll eine Vermittlung unter Berücksichtigung von Familie und Beruf sowie stärkenorientiert erfolgen. Eine weitere Herausforderung ist, dass man in dieser Rolle bei wichtigen Vorgängen immer mit einbezogen wird. Hier fällt es dann auf, dass man im ersten Moment nicht als BCA sondern nur als SGB II-Controllerin gesehen wird.  

Servicestelle SGB II: Wie organisieren Sie Ihren Arbeitsalltag, um beiden Aufgaben gerecht zu werden? 

Julia Löffler: Ich organisiere meinen Arbeitsalltag sehr individuell und jeden Tag sehr unterschiedlich. Es gibt Zeiten, in denen ich überwiegend als BCA arbeite. Jedoch gibt es auch Phasen, in denen ich mich mehr um das SGB II- Controlling kümmere. Ich versuche jedoch, zwischen beiden Aufgabengebieten ein Gleichgewicht zu halten. Als BCA lasse ich es mir nicht nehmen an den Netzwerktreffen der hessischen BCA der Optionskommunen sowie an verschiedenen weiteren Netzwerktreffen („TAff (Teilzeit Ausbildung finden und fördern) in Hessen“ oder „Netzwerk Chancengleichheit Südhessen“ – mit BCA aus den Rechtskreisen SGB II, SGB III sowie Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten der Landkreise Bergstraße, Darmstadt-Dieburg, Groß-Gerau Odenwald und der Stadt Darmstadt) teilzunehmen und daraus wichtige Informationen im eigenen Haus wieder einfließen zu lassen.  

Servicestelle SGB II: Welche Themen beschäftigen Sie aktuell? Gibt es Überschneidungen? 

Julia Löffler: Aktuell beschäftigen mich die Fragen: Wie können wir unsere Kundinnen und Kunden mit zum Teil gesundheitlichen Einschränkungen nachhaltig in den Arbeitsmarkt integrieren? Und welche Gesundheitsmaßnahmen werden im Vorfeld benötigt? Es geht uns darum, nicht nur unsere Integrationen zu steigern, sondern auch unsere Leistungsberechtigten in eine nachhaltige Beschäftigung zu vermitteln. Aus Sicht der BCA verhält es sich oft anders. Hier geht es zunächst darum, wieder eine Tagesstruktur aufzubauen. Dadurch erleben sich die Kundinnen und Kunden wieder als ein Teil der Gesellschaft und die Motivation wieder eine Arbeit aufzunehmen steigert sich. Nur wer Unterstützung bei seinen Problemen – Kinderbetreuung, Gesundheit, etc. – erhält, hat den Kopf frei für eine dauerhafte soziale und berufliche Integration. Zudem gibt es direkte Überschneidungen, denn die auszuschreibenden Maßnahmen werden gemeinsam mit mir geplant und die Leistungsbeschreibung erstellt. Nach Rücklauf der Ausschreibung bewerten zwei Teamleiter und ich als BCA die Angebote. Hierbei schaue ich auch auf Gleichstellungsaspekte. Während der laufenden Maßnahme schaue ich als SGB II- Controllerin auf die im Vorfeld festgelegten messbaren Ziele. Für mich schließt sich so wieder der Kreis und beide Bereiche profitieren von der Doppelfunktion. 

Für Frau Löffler sind Gleichstellungsaspekte auf dem Arbeitsmarkt ein Kernanliegen. Finden Sie mehr interessante Artikel zum Thema Chancengleichheit in unserem Themendossier.