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3 Fragen an Franz Wimmer

26. April 2022

Franz Wimmer ist Geschäftsführer des Jobcenters Landkreis Rottal-Inn in Niederbayern. Bereits 20 Prozent der dortigen Leistungsberechtigten erledigen ihren Schriftverkehr online. Im Interview erzählt Wimmer, wie sein Team mit jobcenter.digital arbeitet – und wie Kaffeetassen zum Erfolg beitrugen.

Franz Wimmer

Jobcenter-Steckbrief: Das Jobcenter Landkreis Rottal-Inn hat seinen Sitz in Pfarrkirchen. Mit 60 Mitarbeitenden (50 Vollzeitstellen) kümmert es sich um 3.200 Leistungsberechtigte. Der Landkreis liegt zwischen Passau und München und grenzt im Süden an Österreich. Der regionale Arbeitsmarkt ist geprägt durch handwerkliche Betriebe und große Unternehmen der Auto- und Chemieindustrie, im Landkreis herrscht nahezu Vollbeschäftigung. (Stand: April 2022)

Viele Ihrer Leistungsberechtigten nutzen jobcenter.digital – schon 20 Prozent greifen darauf zurück. Wie haben Sie diese hohe Quote erreicht?

Franz Wimmer: Erreicht haben wir die hohe Online-Quote durch Schulung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, durch eigene jobcenter.digital-Beauftragte und durch konsequente Werbung. Wir haben seit dem Jahr 2020 allen im Team jobcenter.digital ausführlich gezeigt. Nur, wer das Produkt kennt und davon überzeugt ist, kann es verkaufen. Zeitweise waren dann zwei Mitarbeitende ausschließlich für jobcenter.digital verantwortlich. Heute kümmert sich eine Kollegin in Teilzeit um Digitalisierung und speziell um jobcenter.digital. Man kann das nicht einmal einführen und dann läuft es. Es ist wie mit einem Garten, der gepflegt werden will. Und dann muss man kontinuierlich Werbung machen, auch intern. Alle Mitarbeitenden haben bei der Schulung jobcenter.digital-Tassen bekommen mit einem QR-Code drauf – auch so ist das Thema immer präsent.

Wie konnte Ihr Team dann so viele Leistungsberechtigte überzeugen?

Franz Wimmer: Indem wir auch aktiv Werbung betrieben haben. Wir haben alle angeschrieben und darum gebeten, den Weiterbewilligungsantrag online zu stellen. 1.600 Personen haben wir separat ihren Benutzernamen und ihr Kennwort als Brief geschickt. Nur wer ausdrücklich nicht wollte, hat den Antrag in Papierform bekommen. So kamen wir zeitweise auf eine Online-Quote von 40 Prozent – viele haben aber im Laufe der Monate ihre Benutzerkennungen vergessen oder verloren. So ist die Quote gesunken. Neuerdings kann man leichter eine neue Benutzerkennung online beantragen – wir hoffen, dass damit eine Hürde beseitigt ist. Ehrlicherweise befürchteten zu Beginn viele bei uns, dass unsere Leistungsberechtigten nicht zurechtkommen mit Onlinediensten. Als wir dann aber eine Online-Quote von 40 Prozent hatten, waren viele positiv überrascht und sehr motiviert. Wir haben einen internen Newsletter, mit dem wir uns gegenseitig über neue Funktionen informieren und in dem wir auch unsere Erfolge feiern.

Nicht nur Digitales, sondern auch die Telefonie ist seit der Pandemie wichtiger geworden. Ein Anruf spart lange Wege durch den Landkreis. Wie wird Ihr Jobcenter den telefonischen Service künftig stemmen?

Franz Wimmer: Anrufe zu uns laufen seit 2016 über ein regionales Servicecenter der Bundesagentur für Arbeit. Mit der Pandemie kam dann bei uns im Haus eine Corona-Hotline hinzu mit einer eigenen Rufnummer. Diese beiden Kontaktwege plus der digitale und der postalische Weg haben die persönliche Vorsprache zeitweise ersetzt. Und bis heute haben wir weniger Vorsprachen, weil wir auf anderem Wege gut erreichbar sind. In den anrufstarken Zeiten – Montag- und Donnerstagvormittag – saßen bis zu vier Kolleginnen und Kollegen an der Hotline. Das ist weniger geworden. In Zukunft wollen wir nur noch Anrufe im Haus entgegennehmen, wenn das Servicecenter ausgelastet ist. Im Servicecenter sitzen die Profis – und wir selbst brauchen nun die Kapazitäten, um Ukrainerinnen und Ukrainern zu helfen.

Wie arbeiten andere Jobcenter online mit Leistungsberechtigten? Für das chancen-Magazin hat sich die Servicestelle SGB II im Vogtland, im Jerichower Land und im Ostalbkreis zum Thema Videoberatung umgehört, den Artikel lesen Sie hier.

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