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Forum Frauen

29. Mai 2020

Schritt in ein neues, unabhängigeres Leben

Es ist eine Frau von vorne zu sehen mit kurzen blonden Haaren, in einem Gespräch mit einer Frau, deren Rücken zu sehen ist.
Im Beratungsgespräch
  • Schwerpunktthema Chancengleichheit, Integration in Arbeit, Berufsorientierung, Coaching und Beratung, Soziale Teilhabe
  • Zielgruppe Alleinerziehende, Arbeitslose, Leistungsbezieher

Alleinerziehend, ohne Ausbildung oder eine jahrelange Auszeit vom erlernten Beruf: Umstände, die eine Jobvermittlung erschweren und vor allem oft auf weibliche SGB-II-Beziehende zutreffen. „Frauen haben es auf dem Arbeitsmarkt leider immer noch schwerer als Männer“, sagt auch Simone Nitsche. Sie ist Mitarbeiterin des Sozialunternehmens ZORA gGmbH, das zusammen mit den Trägern BeFF – Berufliche Förderung von Frauen e.V., Caritasverband für Stuttgart e.V., Sozialdienst katholischer Frauen e.V. und dem Sozialunternehmen NEUE ARBEIT gGmbH das Projekt „FORUM FRAUEN“ trägt. Oberstes Ziel aller Aktivitäten ist die Unterstützung von Frauen bei der gleichberechtigten und existenzsichernden Teilhabe am Erwerbsleben.

Langjährige Erfahrung

Die fünf Institutionen arbeiten bereits seit vielen Jahren in anderen Projekten, um die berufliche und soziale Integration von Frauen zu fördern. Sie sind zudem Gründer des Stuttgarter Trägerkreises zur beruflichen Frauenförderung, der sich seit mehr als zehn Jahren für eine Verbesserung des Angebotsspektrums zur beruflichen Weiterentwicklung und Integration von Frauen in Stuttgart einsetzt, sich aber auch auf der strukturellen Ebene für die berufliche Frauenförderung in Stuttgart engagiert.
Doch eine Zusammenarbeit der fünf Träger war in der Vergangenheit meist ein Problem: Das Jobcenter konnte die SGB-II-Bezieherinnen zwar in einzelne der angebotenen Projekte vermitteln, eine Kombination der Angebote oder die Nutzung eines gemeinsamen Netzwerkes war jedoch aufgrund der fehlenden Clearingstelle als vermittelnde Instanz schwierig.

Das „FORUM FRAUEN“ gibt es seit 2018

Seit 2018 ist das anders. Denn da wurde das vom Jobcenter Stuttgart finanzierte Projekt „FORUM FRAUEN“ ins Leben gerufen. Die genannten fünf tragenden Institutionen arbeiten seitdem mithilfe einer gemeinsamen Clearingstelle zusammen und können so Frauen ein breit gefächertes Angebot machen. „Die Frauen können so leichter zwischen Projekten wechseln“, sagt Nitsche, die in der Clearingstelle arbeitet und das Projekt mitaufgebaut hat. Und: „Manchmal ändert sich die Lebenssituation der Frauen auch und wir können dann schnell und unkompliziert darauf reagieren, ohne dass sie noch mal zum Jobcenter müssen“, so die Mitarbeiterin. In der Clearingstelle erfolgt das sogenannte Profiling, um das passende Angebot für jede Frau zu ermitteln. Eine Besonderheit dabei sind zwei Mitarbeiterinnen, die zum einen für die Betriebsakquise und zum anderen für den Bereich Vereinbarkeit von Familie und Beruf zuständig sind, und allen Teilnehmerinnen und Mitarbeiterinnen zur Verfügung stehen.
Die Frauen erfahren in ihrem Gespräch beim Jobcenter vom „FORUM FRAUEN“. Dorthin vermittelt, gehe es in Einzelgesprächen zunächst darum, die berufliche Situation zu analysieren und die Entwicklungsperspektiven zu erarbeiten, erläutert Nitsche. Einzelgespräche werden auch genutzt, um Hilfestellung zum Beispiel beim Thema Schulden zu geben, gemeinsam Briefe an Behörden zu verfassen, über die Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse oder Sprachkurse bei Frauen mit Migrationshintergrund oder Geflüchteten zu sprechen. Darüber hinaus können die SGB-II-Bezieherinnen auch an Gruppencoachings teilnehmen. In dieser Form werden beispielsweise Computerkurse und Bewerbungstrainings angeboten. Auch Kurse zum Thema Stilberatung können die Projektteilnehmerinnen besuchen. Dort geht es dann darum, die richtige Kleidungsauswahl für Bewerbungsgespräche zu treffen. 

Ziele für jede Lebenssituation

Da sich jede Frau in einer anderen Lebenssituation befindet, haben die Initiatoren des „FORUM FRAUEN“ fünf unterschiedliche Ziele formuliert: Ziel 1 namens „Elternzeit – und dann?“ richtet sich an Frauen, die ein kleines Kind unter drei Jahren haben und noch in der Elternzeit sind. Sie gehen ein bis zwei Mal im Monat zu Einzelgesprächen und können nach Bedarf auch an Gruppencoachings teilnehmen. Ziel 2 trägt den Titel „Zukunft planen!“ und richtet sich an Leistungsberechtigte, die die Unterstützung auf dem Weg zum Beruf beziehungsweise zur Entwicklung einer beruflichen Perspektive nutzen möchten. Auch sie gehen jede Woche in ein Einzelgespräch und nehmen an Gruppenangeboten teil. Ziel 3: „Sprungbrett – Chancen nutzen!“, ist für Frauen gedacht, die insbesondere Gruppenangebote nutzen und dient zur konkreten Vorbereitung einer Beschäftigungsaufnahme für Frauen, die kurz- bis mittelfristig in den Arbeitsmarkt integriert werden können. Bei Ziel 4, „Startklar – Arbeit sofort!“, steht die Beratung bezüglich Bewerbungstrainings und die Jobsuche im Vordergrund. Und Ziel 5 mit dem Titel „Ich will mehr!“ kümmert sich um Frauen in nicht bedarfsdeckenden Beschäftigungen, die diese Situation ändern wollen, beispielsweise von Teil- auf Vollzeit aufstocken wollen. Auch in diesem Fall gehen die Frauen jede Woche in ein Einzelgespräch und nehmen an Gruppenangeboten teil.
Das Projekt verfüge mittlerweile über 254 Plätze, sagt Simone Nitsche. Das war nicht immer so. „Ausgeschrieben waren 220 Plätze und wir sind erst mal mit 20 Prozent weniger gestartet“, so die Clearingstellen-Mitarbeiterin Nitsche. Doch die Warteliste für die Projekt-Teilnahme sei immer länger geworden. Schließlich standen 100 Frauen auf der Liste, sie mussten im Durchschnitt sechs Monate auf einen Platz warten. Im Dezember 2018 wurden dann Plätze aufgestockt. Seitdem hat sich die Situation entspannt. „Nun stehen im Durchschnitt 25 Frauen auf der Warteliste“, sagt die Mitarbeiterin.

„Es kümmern sich alle ganz toll um mich“

Eine Teilnehmerin, die es in die Maßnahme geschafft hat, sagt: „Ich bin dankbar, dass ich das machen kann.“ Und: „Es kümmern sich alle ganz toll um mich.“ Die 38-Jährige ist seit fünf Jahren alleinerziehend, in ihrem Beruf hat sie schon lange nicht mehr gearbeitet. „Ich habe in Polen Bürokauffrau gelernt, dann bin ich vor mehreren Jahren nach Deutschland gekommen“, sagt sie. Hier habe sie dann ihre beiden Kinder bekommen, seitdem habe sie nicht mehr gearbeitet. Mittlerweile seien ihre Kinder 16 und 12 Jahre alt. Allerdings sei das jüngere Kind behindert und brauche besondere Betreuung. „Es ist schwierig, meinen beiden Kindern und gleichzeitig einem Arbeitgeber gerecht zu werden“, sagt die Alleinerziehende. „Dabei bin ich sehr gut strukturiert.“ Beim „FORUM FRAUEN“ habe man ihr vor allem beim Bewerbungen schreiben geholfen. „Außerdem nehme ich an einem EDV-Kurs teil, denn heutzutage verschickt man Bewerbungen nur noch online“, weiß die 38-Jährige. Auch beim Briefe formulieren an Behörden brauche sie manchmal Unterstützung. Und immer wieder schwierig sei für sie die Zusatzbelastung durch ihren behinderten Sohn. „Wenn er hingefallen ist und ich ins Krankenhaus muss, dann muss ich sofort alles stehen und liegen lassen“, sagt die Mutter. „Arbeitgeber haben da nicht immer Verständnis für.“ Und es sei anstrengend, sich immer wieder erklären zu müssen. Ihre Betreuerin beim „FORUM FRAUEN “ habe jedoch immer ein offenes Ohr für sie und ihre Situation, sagt die Teilnehmerin.
Selbst wenn die Teilnahme beim „FORUM FRAUEN “ für die Leistungsbezieherinnen irgendwann beendet ist, ist die Arbeit der Betreuerinnen und Betreuer meist noch nicht vorbei. Simone Nitsche erklärt: „Die Frauen werden von uns nachbetreut. Das heißt, wir begleiten sie beispielsweise noch in der Probezeit, manchmal sogar noch darüber hinaus.“ Denn teilweise tauchen für die ehemaligen Teilnehmerinnen noch Fragen auf, auf die sie keine Antwort wüssten oder es gebe Unsicherheiten im neuen Job. „Dann rufen sie manchmal an. Für uns ist das kein Problem, wenn wir schnell und unbürokratisch helfen können“, sagt Nitsche. Auch wenn die Probleme größer seien und eine neue Maßnahme von Nöten sei, seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter da, damit eine weitere Unterstützung durch das Jobcenter in die Wege geleitet werden könne.

Bis jetzt 802 Teilnehmerinnen

Das Projekt „FORUM FRAUEN“ läuft noch mindestens bis April 2021. Da der Bedarf da sei, werde es danach wieder eine Ausschreibung geben, sagt Simone Nitsche. Seit dem Start wurde das Projekt von 802 Frauen aus dem Raum Stuttgart durchlaufen. Mit unterschiedlichen Resultaten, wie Nitsche sagt: rund 25 Prozent der Teilnehmerinnen, die die Maßnahme beendet haben, bekamen mindestens einen Halbjahresvertrag für eine 50-Prozent-Stelle. Manche Frauen konnten im Anschluss eine Umschulung oder Weiterbildung machen, andere fanden einen Minijob, arbeiteten unter 50 Prozent oder machten ein Praktikum.
Für die 38-jährige „FORUM FRAUEN“-Teilnehmerin bedeutet die Maßnahme jedenfalls ein Erfolg: Sie hat mittlerweile die Zusage für ein Praktikum bei einem Rechtsanwalt. Zwei bis drei Wochen wird sie jeden Tag vier Stunden in der Kanzlei sein. Darauf freut sich die 38-Jährige schon sehr. „Dann sehe ich mal andere Leute und kann etwas arbeiten“, sagt sie. Es ist für sie ein erster Schritt in ein neues, unabhängigeres Leben.

Alle weiblichen SGB-II-Beziehenden des Jobcenters Stuttgart.

Oberstes Ziel ist die Unterstützung von Frauen bei der gleichberechtigten und existenzsichernden Teilhabe am Erwerbsleben. Dabei wird die Förderung auf die unterschiedlichen Lebenssituationen der Frauen ausgerichtet.

Fünf Institutionen arbeiten gemeinsam seit 2018 an dem Projekt „FORUM FRAUEN“, das noch bis April 2021 laufen soll.

Das vom Jobcenter Stuttgart finanzierte Projekt wird zusammen mit dem Sozialunternehmen ZORA gGmbH, dem BeFF – Berufliche Förderung von Frauen e.V., dem Caritasverband für Stuttgart e.V., dem Sozialdienst katholischer Frauen e.V. und dem Sozialunternehmen NEUE ARBEIT gGmbH getragen. 

Die berufliche Weiterentwicklung und die Integration in den Arbeitsmarkt, das sind die Kernideen des Projektes: „FORUM FRAUEN“. Die fünf tragenden Institutionen arbeiten seitdem mithilfe einer gemeinsamen Clearingstelle zusammen und können so Frauen ein breit gefächertes Angebotsspektrum zur beruflichen Weiterentwicklung anbieten. In der Clearingstelle erfolgt das sogenannte Profiling, um das passende Angebot für jede Frau zu ermitteln. Dabei werden fünf unterschiedliche Ziele verfolgt: 

  • Ziel 1 namens „Elternzeit – und dann?“ richtet sich an Frauen, die ein kleines Kind unter drei Jahren haben und noch in der Elternzeit sind. 
  • Ziel 2 trägt den Titel „Zukunft planen!“ und richtet sich an Leistungsberechtigte, die die Unterstützung auf dem Weg zum Beruf beziehungsweise zur Entwicklung einer beruflichen Perspektive nutzen möchten. 
  • Ziel 3: „Sprungbrett – Chancen nutzen!“, ist für Frauen gedacht, die insbesondere Gruppenangebote nutzen und dient zur konkreten Vorbereitung einer Beschäftigungsaufnahme für Frauen, die kurz- bis mittelfristig in den Arbeitsmarkt integriert werden können. 
  • Ziel 4, „Startklar – Arbeit sofort!“, fokussiert die Beratung bezüglich Bewerbungstrainings und die Jobsuche.
  • Ziel 5 mit dem Titel „Ich will mehr!“ kümmert sich um Frauen in nicht bedarfsdeckenden Beschäftigungen, die diese Situation ändern wollen, beispielsweise von Teil- auf Vollzeit aufstocken wollen. 

Wenn das Ziel jeder einzelnen Frau bestimmt wurde, geht es in Einzelgespräche, in denen die beruflichen Situationen analysiert und die Entwicklungsperspektiven erarbeitet werden. Einzelgespräche werden auch genutzt, um Hilfestellung zum Beispiel beim Thema Schulden zu geben, gemeinsam Briefe an Behörden zu verfassen, über die Anerkennung ausländischer Schulabschlüsse oder Sprachkurse bei Frauen mit Migrationshintergrund oder Geflüchteten zu sprechen. 

Darüber hinaus können die SGB-II-Bezieherinnen auch an Gruppencoachings teilnehmen. In dieser Form werden beispielsweise Computerkurse und Bewerbungstrainings angeboten. Auch Kurse zum Thema Stilberatung können die Projektteilnehmerinnen besuchen. Dort geht es dann darum, die richtige Kleidungsauswahl für Bewerbungsgespräche zu treffen.

Die Erfolge des Projektes zeigen sich insbesondere an der hohen Nachfrage und Teilnehmerinnenzahl. Das Projekt war anfänglich auf 220 Plätze begrenzt und wurde aufgrund der langen Warteliste auf 254 Plätze aufgestockt. Seit dem Start wurde das Projekt von 802 Frauen aus dem Raum Stuttgart durchlaufen. 

Für Frauen, die jahrelang ihre Kinder betreut haben, keine Ausbildung gemacht haben, diese in Deutschland nicht anerkannt wird oder die ihren Beruf lange nicht ausüben konnten, ist die Jobsuche oft besonders schwer. In Stuttgart haben sich deswegen die fünf Institutionen zusammengetan, um diese Zielgruppe zu unterstützen.

Website des Jobcenters Stuttgart hier.

Ein PDF zum FORUM FRAUEN hier.

Weitere spannende Informationen rund um das Thema Chancengleichheit finden Sie in unserem Themendossier Chancengleichheit.