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Starthilfe 2.0

6. April 2020

Jobcenter Stendal

Jobcenter Stendal
  • Schwerpunktthema Gesundheitsförderung
  • Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene / U25, Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen

Jugendliche und junge Erwachsene mit Suchterkrankungen fallen oft durch das Raster üblicher Unterstützungsangebote. Das Projekt „Starthilfe 2.0“, das das Jobcenter Stendal gemeinsam mit der Jugendwerkstatt Hindenburg durchführt, setzt hier an: Es schafft Strukturen und gibt den jungen Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigene Selbstwirksamkeit zu erleben.

Das Projekt richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit Suchterkrankungen. Fast alle Teilnehmenden konsumieren mehrere Suchtmittel und nutzen exzessiv Computerspiele.

01.03.2016 bis 31.12.2018 auf Grundlage von § 16f SGB II. Ab 2019 in gleicher Form nach § 16h SGB II weitergeführt.

Das Projekt wird vom Träger Jugendwerkstatt Hindenburg in Abstimmung mit dem Jobcenter Stendal durchgeführt. Es wurde vom Jobcenter bis 31.12.2018 als suchtbezogene Jugendmaßnahme nach §16f SGB II finanziert und wird seit Januar 2019 auf Grundlage des 2016 neue eingeführten §16h SGB II weitergeführt. Das Jugendamt beteiligt sich über eine Kofinanzierung. Aufgrund der vielschichtigen Problemlagen der Jugendlichen ist die Steuerung im Jobcenter im Team Fallmanagement verankert. Für die Zusammenarbeit mit dem Träger sind enger persönlicher Kontakt und kurze Wege entscheidend: Beide Projektpartner tauschen sich einmal wöchentlich aus und nutzen aufgrund der Komplexität der Einzelfälle in vielen Fällen auch eine gemeinsame Fallberatung. Auch Zu- und Abgänge werden persönlich besprochen.

Für den Erfolg des Projektes ist zudem die Netzwerkarbeit ein wichtiger Faktor. Aufgrund des Alters der Teilnehmenden ist in den meisten Fällen eine Kooperation mit den Jugendgerichtshelferinnen und -helfern, dem Jugendamt oder den gerichtlich bestellten Betreuerinnen und Beteuern erforderlich. Beim überwiegenden Teil der Teilnehmenden bestehen gute Kontakte zu den Haus- und Fachärzten, die teilweise erst durch das Projekt für die Jugendlichen akquiriert wurden. Auch eine intensive Zusammenarbeit mit dem lokalen Suchthilfesystem ist unabdingbar. Weitere Partner aus überregionalen Suchthilfeeinrichtungen, Fachverbänden und aus dem Kreis fachkompetenter Einzelpersonen wie ehemaligen Konsumentinnen und Konsumenten werden ebenfalls eingebunden. Das Projekt wird durch die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg evaluiert.

Zentraler Hebel für die Projektarbeit ist es, das Selbstbewusstsein und die Handlungsfähigkeit der jungen Menschen zu fördern und persönliche Kompetenzen zu entwickeln, damit sie ihre Probleme eigenständig lösen können. Den Kern bildet dabei die Arbeit in der Jugendwerkstatt, die durch Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter begleitet wird. Ein wichtiger Baustein für das Projekt ist zudem ein Helfernetzwerk, das sich aus dem persönlichen sozialen Umfeld der Teilnehmenden sowie aus Ärztinnen und Ärzten, Beratungsstellen und Ämtern rekrutiert. Innerhalb des Projekts besteht kein ausdrückliches Abstinenzgebot. Allerdings dürfen die Teilnehmenden keine Drogen zur Maßnahme mitbringen. Die jungen Menschen erhalten zudem eine Mobilitätsunterstützung: Wenn nötig, werden sie für die Maßnahme von zu Hause bzw.  wohnungslose junge Menschen von ihrem regulären Aufenthaltsort abgeholt. Ziel ist jedoch, dass sie den Fahrweg selbstständig bewältigen. Dafür erhalten die jungen Menschen Wochen- und bzw. Monatstickets, die sie nach Projektende zurückgeben müssen.

Für die Teilnehmenden läuft die Maßnahme über insgesamt maximal 16 Monate. Dabei gliedert sich die Laufzeit des Projekts in drei Phasen: Die Vorarbeitsphase dauert bis zu elf Wochen. Hier geht es darum, akute persönliche Probleme anzugehen und zu beseitigen, Ziele zu setzen und Regeln festzulegen. Dafür gehen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Trägers – der Jugendwerkstatt Hindenburg – im Rahmen der aufsuchenden Sozialarbeit auf die jungen Menschen, die im Vorfeld dem Projekt zugewiesen wurden, zu. Sie vereinbaren mit den Jugendlichen Treffen, um sie zu aktivieren und an die Jugendwerkstatt heranzuführen. Diese Phase wird durch ein gemeinsames Gespräch der Teilnehmenden mit Jobcenter und Träger abgeschlossen, bei dem sich gemeinsam über die Weiterführung der Maßnahme verständigt wird.

Haben sich die Beteiligten für eine Fortsetzung entschieden, folgt die Festigungsphase, die bis zu 46 Wochen dauert. Hier werden über Wochenarbeitspläne, Arbeitsaufgaben und Projekte Strukturen geschaffen; die individuelle Arbeit wird durch Gruppenarbeit flankiert. Das tägliche praktische Arbeiten in der Werkstatt ist ein wichtiger Bestandteil des Projekts, bei dem die Jugendlichen Erfolge, Kontinuität und Verlässlichkeit erleben und eigene Findungsprozesse in Gang setzen. Dabei sind praktisches Tun und soziale Arbeit eng verzahnt: Wichtige Gespräche können im direkten Arbeitsumfeld stattfinden, wo die Teilnehmenden sich sicher fühlen und sich bei Bedarf Rückendeckung oder konstruktive Kritik durch die Ausbilderinnen und Ausbilder holen können. Zugleich führen die jungen Teilnehmenden ein Berichtsheft und reflektieren ihre Erlebnisse, Schwierigkeiten und Fortschritte täglich in der Gruppe. Zudem besteht die Möglichkeit, weitere Angebote in den Bereichen Gesundheitserziehung, Ernährung, Tiertherapie, Sport und Kultur wahrzunehmen.

Die abschließende Nachbetreuungsphase, als Teil des Projektes, mit 3 bis maximal 5 Teilnehmenden, richtet sich an den individuellen Bedarfen der jungen Menschen aus. Über die Ausgestaltung der Begleitung im Einzelfall entscheiden die Teams aus Jobcenter und Maßnahmenträger gemeinsam. Dabei kann es sich beispielsweise um Unterstützung bei Problemen beim Beginn einer Ausbildung oder Arbeit, aber auch um die Begleitung während einer stationären Therapie handeln.

Die Projektergebnisse aus der ersten Projektphase bis Ende 2018 sind gut. So zeigen sich bei über einem Drittel der insgesamt 50 Teilnehmenden während der Laufzeit des Projektes teils gravierende Fortschritte, wie zum Beispiel der Übergang in einen professionellen Entzug oder eine Therapie, das Nachholen des Hauptschulabschlusses oder die Aufnahme einer Arbeit. Ein Großteil der Teilnehmenden, die zu Beginn des Projektes ohne festen Wohnsitz waren, konnte in geregelte Verhältnisse gebracht werden. Zudem konnten die Fehlzeiten im Vergleich zu Vorprojekten deutlich reduziert werden.

Entscheidend war, dass es gelungen ist, Vertrauensbeziehungen aufzubauen und die jungen Menschen durch die erste vorgeschaltete Phase aufsuchender Sozialarbeit zu gewinnen. Insbesondere die freiwillige Vereinbarung zur weiteren Teilnahme nach Abschluss der ersten Phase sorgt für Verbindlichkeit und macht es möglich, die Mitwirkung auch gegenüber den Teilnehmenden mit Nachdruck einzufordern. Weitere Erfolgsfaktoren sind der gute Personalschlüssel sowie die Mobilitätsunterstützung für die Teilnahme. Das Projekt hat sich mittlerweile auch bei den Jugendlichen herumgesprochen, die sich aktiv wünschen, am Projekt teilzunehmen.

Allerdings muss die Nachbetreuungsphase nach Abschluss der Maßnahme noch optimiert werden, um die Erfolge zu verstetigen und Rückschläge zu vermeiden. Hier gibt es in einigen wenigen Fällen für die Jugendlichen noch keine passenden Anschlussangebote. Das Jobcenter Stendal erarbeitet hier gemeinsam mit dem Maßnahmeträger ein Gesamtkonzept, in das auch die Ergebnisse der Evaluation durch die Universität Magdeburg einfließen.

Weitere Informationen zum Thema der Gesundheitsförderung finden Sie hier.

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