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Jobcenter MAIA - Landkreis Potsdam-Mittelmark

27. September 2017

AmigA: Arbeitsförderung mit gesundheitsbezogener Ausrichtung

Logo des Jobcenters Maia - Landkreis Potsdam Mittelmark
  • Schwerpunktthema Gesundheitsförderung
  • Zielgruppe Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen

Gesundheitsförderung ist im Fallmanagement des Jobcenters MAIA unverzichtbar. Ärzte und Psychologen sind regelmäßig in den Dienststellen des Jobcenters im Landkreis Potsdam-Mittelmark präsent und unterstützen die Fallmanager durch gemeinsame Gespräche mit Leistungsberechtigten, aber auch in Fallbesprechungen oder Fallkonferenzen. Wenn seelische Probleme vorliegen, kann das Jobcenter auf psychosoziale Beratungsstellen zugreifen, die in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialdezernat aufgebaut wurden.

AmigA war im Jahr 2005 zunächst ein Modellprojekt, das nach Ende der Projektlaufzeit dauerhaft als Regelangebot weitergeführt wird.

Arbeitslose und insbesondere Langzeitarbeitslose haben im Durchschnitt einen deutlich schlechteren Gesundheitszustand, deutlich höhere gesundheitliche Belastungen sowie weniger gesundheitliche Ressourcen als Erwerbstätige. Diese Einschränkungen sind problematisch für die Integration in den Arbeitsmarkt. Das im Modellprojekt AmigA erprobte interdisziplinäre Fallmanagement hat sich bewährt: Es verbessert die Beschäftigungsfähigkeit und unterstützt bei der Integration in den Arbeitsmarkt. Heute ist AmigA aus dem Jobcenter nicht mehr wegzudenken.


Der Landkreis Potsdam-Mittelmark ist der bevölkerungsreichste Kreis im Land Brandenburg. Mehr noch als in anderen ostdeutschen Regionen ist die Wirtschaftsstruktur vorrangig von kleinen und mittelständischen Unternehmen geprägt; es gibt nur wenige Industriebetriebe von geringer Größe. Daneben spielen Land- und Forstwirtschaft sowie Gartenbau und Tourismus eine Rolle. Die Arbeitslosigkeit ist für ostdeutsche Verhältnisse niedrig und liegt mit einer Quote von 4,5 Prozent (Stand: 07/2017) unter dem Bundesdurchschnitt. Gute Verkehrsverbindungen nach Berlin und Potsdam ermöglichen intensive Pendlerbeziehungen in die Metropolregion.

Die Aufgabe des Jobcenters MAIA ist es, jeden erwerbsfähigen Hilfebedürftigen zu unterstützen – und zwar qualifiziert, umfassend und entsprechend der individuellen Bedürfnisse. Das Ziel ist die Eingliederung in Arbeit und/oder in Ausbildung. Bei Personen mit gesundheitlichen Einschränkungen kann es zunächst auch nur darum gehen, die gesundheitlichen Probleme schrittweise abzubauen, um einer Integration näher zu kommen.

AmigA zielt auf Integrationsfortschritte bis hin zur erfolgreichen Integration ab und will den Hilfebedarf nach dem SGB II verringern beziehungsweise beenden. Zudem unterstützt das Projekt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer bei der Beantragung einer vollen Erwerbsminderungsrente.

Die Zielgruppe von AmigA sind erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit psychischen und physischen Einschränkungen.

Professionelle Beratung durch das AmigA-Team
Im Mittelpunkt des AmigA-Prozesses steht ein Team: Ein Sozialmediziner und ein Psychologe unterstützen den Fallmanager des Jobcenters je nach Bedarf. Arzt und Psychologe sind regelmäßig in den Dienststellen des Jobcenters präsent. Die Sozialmediziner werden aus dem Verwaltungskostenbudget des Jobcenters finanziert und unterstützen die Fallmanager bei gemeinsamen Gesprächen mit den Leistungsberechtigten. Sie stehen darüber hinaus allen Integrationsfachkräften als Ansprechpartner für medizinische Fragen zur Verfügung. Auch die AmigA-Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst können individuelle Gespräche mit den Ärzten führen. Das AmigA-Fallmanagement betreut etwa zwei Prozent der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Jobcenter.

Schulung für alle Integrationsfachkräfte
Ein Schulungsangebot für alle Integrationsfachkräfte ist die Grundlage der Gesundheitsorientierung im Jobcenter. Dabei lernen die Mitarbeiter insbesondere psychische Erkrankungen zu erkennen und Leistungsberechtigte mit gesundheitlichen Problemen professionell zu beraten.

Suchtberatung und psychosoziale Betreuung
Das dritte Element von AmigA ist Suchtberatung und psychosoziale Betreuung, welche speziell auf die Bedürfnisse des Jobcenters ausgerichtet ist und in enger Zusammenarbeit mit dem Sozialdezernat der Kreisverwaltung entstand. Die Fachkräfte (Psychologen und Suchtberater) in den Beratungsstellen bieten zunächst eine Diagnostik und darauf aufbauend eine qualifizierte Beratung in Einzel- oder Gruppengesprächen an. Die Psychologen wirken im AmigA-Team mit und sind Mittler zum Beratungszentrum. Die Finanzierung läuft hier über den Kreishaushalt.

Freiwillige Teilnahme
Das gesundheitsorientierte Fallmanagement ist klar strukturiert: Leistungsberechtigte mit gesundheitlichen Problemen werden auf freiwilliger Basis in das AmigA-Programm aufgenommen, wenn das AmigA-Team bei ihnen eine Motivation zur Verbesserung ihrer Situation erkennt. In der Regel soll die Teilnahme ein Jahr dauern, aber sie richtet sich in erster Linie nach den Bedürfnissen der Teilnehmenden und kann deshalb auch verlängert werden. Die durchschnittliche Teilnahmedauer beträgt 1,3 Jahre (2015/2016).

Eine Steuerungsgruppe koordiniert die durch externe Träger angebotenen Leistungen der Suchtberatung und der psychosozialen Betreuung. In ihr sind neben dem Jobcenter das Sozialamt und das Gesundheitsamt vertreten. Innerhalb des Jobcenters koordiniert eine Teamleiterin den AmigA-Prozess.

120 Personen schlossen in den Jahren 2015 und 2016 insgesamt ihre Teilnahme an AmigA ab. Die Ergebnisse sind sehr ermutigend:

  • 29 Prozent der Teilnehmerinnen und Teilnehmer nahmen eine Arbeit oder eine Ausbildung auf.
  • Für 10 Prozent der Arbeitssuchenden konnte durch die intensive Betreuung die Bewilligung einer vollen Erwerbsminderungsrente erreicht werden.
  • Bei 24 Prozent wurde AmigA ohne eine direkte Integration in den Arbeitsmarkt beendet.
  • 10 Prozent der Teilnehmenden brachen das Programm ab.
  • In 18 Prozent der Fälle wurde das Programm aus anderen Gründen nicht abgeschlossen. Dazu zählen beispielsweise Umzüge oder das Enden des Leistungsanspruches.
  • 9 Prozent konnten zwar keinen Job am ersten Arbeitsmarkt, aber eine Tätigkeit in einer öffentlich geförderten Beschäftigungsmaßnahme aufnehmen.

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