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Bundesagentur für Arbeit / Agentur für Arbeit Göttingen

30. August 2018

Das Projekt „Mittendrin“ half Menschen mit Schwerbehinderung, eine Beschäftigung auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu finden – mit der Methode der dialektischen Strategie in der Beratung und der Sensibilisierung der Wirtschaftsakteure vor Ort.

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  • Schwerpunktthema Integration in Arbeit
  • Zielgruppe Menschen mit Behinderung

1. Mai 2015 bis 30. April 2018

Menschen mit Schwerbehinderung sind bundesweit immer noch stärker von Arbeitslosigkeit betroffen als Menschen ohne Behinderung. Und dies, obwohl sie oftmals über gute Qualifikationen für den aktuellen Arbeitsmarkt verfügen. Diese Tatsache war ein Auslöser für die Projektidee „Mittendrin − Integration von schwerbehinderten Menschen“. Zum Zeitpunkt der Projektkonzeption lebten in Stadt und Landkreis Göttingen sowie im ehemals Landkreis Osterode rund 550 schwerbehinderte arbeitslose Menschen ab 20 Jahren aus den Rechtskreisen SGB II und SGB III. Das Qualifikationsniveau dieser Personen war in Stadt und Landkreis Göttingen sowie im damaligen Landkreis Osterode hoch. Mehr als zwei Drittel der Personen hatte mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung. Weniger als ein Drittel der Personen war als Helfer qualifiziert und/oder hatte keine abgeschlossene Berufsausbildung.

Das Projekt zielte ab auf eine nachhaltige berufliche Integration schwerbehinderter Menschen mit besonderen Vermittlungshemmnissen. Damit erfüllte es eine wesentliche Voraussetzung für die Förderung im Rahmen des Programms des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) zur „intensivierten Eingliederung und Beratung von schwerbehinderten Menschen“. Menschen mit Schwerbehinderung sollte der Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt mit einer möglichst langfristigen und stabilen Beschäftigungsperspektive erleichtert werden. Die konkrete Zielsetzung des Projekts lautete, innerhalb von drei Jahren 210 Menschen in das Projekt aufzunehmen und mindestens 63 von ihnen in den ersten Arbeitsmarkt zu integrieren: erreicht werden sollte eine Steigerung der bisherigen Integrationsquote von 20 auf 30 Prozent.

Das Projekt richtete sich an Menschen mit Schwerbehinderung oder ihnen gleichgestellte Menschen mit besonderen Vermittlungshemmnissen. Die Teilnehmenden aus den Rechtskreisen SGB III und SGB II sollten in der Regel über 20 Jahre alt und kein Fall anerkannter beruflicher Rehabilitation nach § 19 SGB III sein. Vorgaben zu vorhandenen Qualifikationen der Teilnehmenden oder Eingrenzungen zur Art ihrer Behinderungen gab es keine. Um das Ziel der beruflichen Integration der betroffenen Menschen zu befördern, war es ein Anliegen des Projektes, Arbeitgeber und die Öffentlichkeit als wichtige Akteure und Partner zu erreichen.

Gefördert wurde das Projekt aus Mitteln des vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales verwalteten Ausgleichfonds. Träger des Projektes und Antragstellerin war die Agentur für Arbeit Göttingen (Bundesagentur für Arbeit). Partner des Projektes waren der Landkreis Göttingen und der Landkreis Osterode am Harz, die Stadt Göttingen und die Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR). Während die Agentur für den Rechtskreis SGB III zuständig war, wirkten die genannten Landkreise und die Stadt Göttingen im Rechtskreis SGB II. Die Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR) als beauftragte durchführende Institution betreute teilnehmende Personen aus beiden Rechtskreisen.
Diese rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit war in dieser Form bislang einmalig in Südniedersachsen. Träger und Projektpartner konzipierten den Projektantrag mit der umsetzenden Stelle − der Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR) − gemeinsam und führten das Projekt auch zusammen durch. Zu den Projektpartnern zählten die Arbeiterwohlfahrt Kreisverband Göttingen e.V., der Arbeitgeberverband Mitte e.V. Göttingen, der Behindertenbeauftragter Landkreis Göttingen, die Industrie- und Handelskammer Hannover, Stadt und Landkreis Göttingen, die Diakonische Beratungsstelle Goslar gGmbH und viele andere.

„Mittendrin“ als Beratungsangebot zeichnete sich zum einen durch einen deutlich günstigeren Betreuungsschlüssel (1:35) aus, zum anderen durch die spezielle Methode DSB: der dialektischen Strategie in der Beratung. Ergänzend dazu bot das Projekt ein Skillstraining an. Dieses Training persönlicher Kompetenzen war modular angelegt und behandelte Themen wie Stresstoleranz, Umgang mit Gefühlen oder Achtsamkeit. Weitere Gruppenangebote und Seminare vom Bewerbungstraining bis hin zu EDV-Schulungen, einer Mediengruppe und zahlreichen Betriebsbesichtigungen halfen den Kundinnen und Kunden, die eigenen Kompetenzen zu erweitern. Außerdem förderte dies deren individuelle Auseinandersetzung mit dem Thema Schwerbehinderung im Beruf und in der Öffentlichkeit. Betriebsberatungen und Informationsveranstaltungen sensibilisierten Unternehmen für die Belange von Menschen mit Schwerbehinderung. Zusätzlich bot „Mittendrin“ ein Peer Counseling an – „Schwerbehinderte Menschen beraten schwerbehinderte Menschen“. All diese Aktivitäten waren eingebettet in Öffentlichkeitsarbeit und regionale Netzwerkaktivitäten.
Des weiteren wurde ein sogenannter Snoezelenraum eingerichtet. Ein solcher Raum fördert mit besonderem Mobiliar und abgestimmten Licht-, Klang- und Aromaelementen Ruhe und Entspannung, aber auch Anregung. Das sollte die Teilnehmenden stärken, Vertrauen in sich und zu anderen Personen, Dingen und der Umwelt zu wecken und ihre Kommunikations- und Kontaktbereitschaft verbessern. Die Kundinnen und Kunden konnten diesen Raum vor oder nach den Beratungsgesprächen nutzen. Da das Snoezelen-Angebot jedoch auf wenig Resonanz stieß, wurde der Ansatz im Modellprojektverlauf nicht weiter intensiv beworben.

Die bei der Beschäftigungsförderung Göttingen (kAöR) angesiedelte Projektleitung für das operative Geschäft tauschte sich regelmäßig mit der Agentur für Arbeit, einem Lenkungsausschuss sowie einem Begleitausschuss aus. Die Beratungsangebote wurden von speziell ausgebildeten Inklusionsberaterinnen und -beratern in enger Zusammenarbeit mit den zuweisenden Rechtskreisen SGB II und SGB III an vier Standorten umgesetzt.

Im Verlauf von drei Jahren unterstützte „Mittendrin“ fast 350 schwerbehinderte Menschen dabei, sich beruflich zu orientieren, (neue) berufliche Perspektiven zu entwickeln und umzusetzen. Von ihnen konnten 171 in den ersten Arbeitsmarkt, in eine Ausbildung oder Umschulung integriert werden. Die Vermittlungschancen für schwerbehinderte Menschen mit ihrem Zugang zum Ausbildungs- und Arbeitsmarkt sowie die Perspektiven für langfristige und stabile Beschäftigungsmöglichkeiten wurden vor Ort damit deutlich verbessert. Das Projekt erfüllte einen weiteren Aspekt der förderpolitischen Ziele des Förderprogramms des BMAS: Kleine und mittelständische Betriebe, die bislang noch keine schwerbehinderten Menschen beschäftigten, erhielten umfangreiche Informationen zum Thema berufliche Inklusion.