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„YouConnect“ stärkt unterstützendes Netzwerk

3. Juli 2020

YouConnect
  • Schwerpunktthema Rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit / Gemeinsame Anlaufstelle, Soziale Teilhabe
  • Zielgruppe Jugendliche und junge Erwachsene / U25

Lisa ist 17 Jahre alt und gerade dabei ihren Schulabschluss zu machen. Allerdings hat sie vor Kurzem festgestellt, dass sie schwanger ist und überdies neigt ihr Vater zu Gewaltausbrüchen. Eine Situation, die für die junge Frau alles andere als einfach ist. Also wendet sie sich ans Jugendamt, um sich beraten zu lassen. Dort schildert sie ihre Situation und bittet um Unterstützung. Da sie noch nicht so richtig weiß, wie es nach der Schule und mit Baby weitergehen soll, hat sie auch noch einen Termin beim Jobcenter. Hier erklärt sie ihre prekäre Situation ein weiteres Mal.

Lisa gibt es nicht wirklich. Sie ist eine Zeichentrickfigur in einem Erklärvideo, das das Vorhaben des Projekts „YouConnect“ veranschaulicht. „YouConnect“ ist eine Plattform für die gemeinsame Fallarbeit, die die Bundesagentur für Arbeit den Jugendberufsagenturen zur Verfügung stellt. Es soll den digitalen Datenaustausch zwischen Jobcenter, Arbeitsagentur, Trägern der Jugendhilfe und anderen Partnern ermöglichen und so die Zusammenarbeit der einzelnen Institutionen erleichtern.

„Niemand soll verloren gehen“ 

Im Bereich des Übergangs von der Schule in den Beruf sei die Zusammenarbeit der einzelnen Sozialleistungsträger besonders wichtig, erklärt Martin Meyer, fachlicher Teilprojektleiter von „YouConnect“ bei der Bundesagentur für Arbeit. Denn: Die Ungelerntenquote in der Altersgruppe der 20- bis 24-Jährigen lag 2017 bei 13,5 Prozent. So steht es im Datenreport des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB). Und die Tendenz ist steigend. Der Beratungsbedarf dieser jungen Menschen ist demnach besonders groß und alle beteiligten Institutionen wollen diese hohe Ungelerntenquote reduzieren. „Niemand soll beim Übergang von der Schule in die Ausbildung verloren gehen“, heißt es in dem Animationsfilm.

Um beim Film und bei Lisa zu bleiben: Aktuell ist es so, dass auf Grund der unterschiedlichen Zuständigkeiten der einzelnen Träger Lisa ihr Anliegen jedem Sozialleistungsträger einzeln darlegen muss. Das ist nicht nur mühsam - und manchmal sogar unangenehm - für die junge Frau, sondern für alle Beteiligten ein Zeitaufwand. Dank des neuen IT-Systems „YouConnect“ muss die junge Frau künftig ihre Situation nur noch einer Mitarbeiterin oder einem Mitarbeiter bei einem Träger schildern. Die für andere Träger relevanten Gesprächsinhalte werden - sofern Lisa der jeweiligen Datenübermittlung zustimmt - in diesem System erfasst. War Lisa beispielsweise zunächst beim Jugendamt vorstellig und hat zu einem späteren Zeitpunkt einen Termin beim Jobcenter, weiß die oder der Mitarbeitende dort direkt über Lisas Fall Bescheid, ohne dass sie sich erneut erklären muss. Sowohl Lisa als auch ihr Gegenüber können sich im Gespräch also direkt auf mögliche Hilfestellungen des Jobcenters konzentrieren. Jene Inhalte dieses Gesprächs, die für die weitere gemeinsame Fallarbeit benötigt werden, werden dann ebenfalls im „YouConnect“-System gespeichert, so dass die oder der Mitarbeitende der Jugendhilfe wiederum darauf zurückgreifen kann. Die Effizienz des Informationsaustauschs zwischen den Institutionen könne so nochmals gesteigert werden und auch die Förderungen schneller aufeinander abgestimmt werden, sagt Meyer.

Test ab September 2020 an 19 Standorten

Aktuell läuft der Austausch zwischen den einzelnen Sozialleistungsträgern noch manuell und nicht digital. Teilweise funktioniere das auch ganz gut, sagt Martin Meyer, „vor allem, wenn die Wege zwischen den Büros kurz sind“. Doch sind die einzelnen Institutionen auf unterschiedliche Standorte im Landkreis verteilt, wird der Austausch meist schwieriger. „Dann kommen die Mitarbeitenden von Jobcenter, Arbeitsagentur und Jugendhilfe eventuell nur einmal im Monat zu Fallkonferenzen zusammen, um sich zu besprechen“. So gehe wertvolle Zeit verloren. Zudem fehle es manchmal auch an einem gemeinsamen Wissen über aktuelle oder geplante Unterstützungsangebote der beteiligten Sozialleistungsträger. Die Angebotsvielfalt kann über die neue Plattform künftig gemeinsam dargestellt und passgenaue Unterstützungsbedarfe können transparent abgestimmt werden.

Meyer und sein Team arbeiten seit März 2019 an „YouConnect“. Für September 2020 ist ein Testlauf des Tools geplant. 19 Standorte in ganz Deutschland werden daran teilnehmen. Die Auswahl ist gemischt: „Es sind Standorte dabei, die im ländlichen Bereich liegen, Großstädte, aber auch kleinere Städte“, erklärt Meyer, „darunter im SGB II auch kommunale Jobcenter“. Die Konzeption des Tools sei kein leichtes Unterfangen gewesen: zum einen seien die Belange für jede Institution und an jedem Ort unterschiedlich und zum anderen müssten strenge Datenschutz-Richtlinien eingehalten werden, erläutert Meyer. Denn um den Austausch zu ermöglich, müssen Basisdaten und Gesprächsdaten der Leistungsberechtigten gespeichert werden und dafür „gelten höchste Sicherheitsstandards", sagt Meyer.

Nach der Testphase von „YouConnect“ soll die Plattform zur gemeinsamen, rechtskreisübergreifenden Zusammenarbeit den Jugendberufsagenturen ab Dezember 2020 zur Verfügung gestellt werden.

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