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Jobcenter Landeshauptstadt München

24. April 2017

Logo Jobcenter Landeshauptstadt München
  • Schwerpunktthema Integration in Arbeit, Chancengleichheit, Coaching und Beratung, Langzeitarbeitslosigkeit
  • Zielgruppe Geringqualifizierte, Langzeitarbeitslose

Mit dem Projekt PlanB beteiligt sich das Jobcenter Landeshauptstadt München am Bundesprogramm des Europäischen Sozialfonds (ESF) zur Eingliederung langzeitarbeitsloser Leistungsberechtigter nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch (SGB II) in den allgemeinen Arbeitsmarkt. Es sollen Perspektiven für arbeitsmarktferne, langzeitarbeitslose Leistungsbezieher im SGB II geschaffen werden und damit ein nachhaltiger Beitrag zum Abbau der Langzeitarbeitslosigkeit geleistet werden. Das Projekt bietet eine gute Möglichkeit, verstärkt Beschäftigungsmöglichkeiten für Langzeitarbeitslose zu gewinnen. Durch die verzahnten Fördermöglichkeiten Betriebsakquisiteur – Lohnkostenzuschuss – begleitendes Coaching wird dem Arbeitgeber eine umfangreiche Unterstützungsstruktur zur Verfügung gestellt, die die Bereitschaft erhöht, langzeitarbeitslose Menschen zu beschäftigen.

Die Projektlaufzeit ist vom 01.06.2015 bis zum 30.12.2020.

Bis zum Jahr 2012 war die Zahl der langzeitarbeitslosen Menschen von ursprünglich 14.700 Personen im Jahr 2008 auf 10.700 deutlich zurückgegangen. Danach konnte dieser rückläufige Trend nicht fortgesetzt werden. Aktuell sind in der Landeshauptstadt München 11.000 Menschen länger als ein Jahr arbeitslos gemeldet, davon 9.500 bzw. fast 90% in der Betreuung des Jobcenters Landeshauptstadt München. Das größte Risiko, arbeitslos zu werden und für lange Zeit zu bleiben, besteht besonders bei Menschen ohne abgeschlossene Berufsausbildung. Die Arbeitslosenquote bei Ungelernten liegt in München bei 17,3% und ist damit mehr als viermal so hoch wie bei Fachkräften (4,2%).

Als regionale Besonderheit gehört die Landeshauptstadt München zu den Städten mit einem eher geringen Anteil von erwerbsfähigen Leistungsberechtigten (eLB) nach dem SGB II (eLb-Quote), mit einem hohem Beschäftigungspotential in einfachen Tätigkeiten, günstigen allgemeinen Arbeitsmarktbedingungen im Umland sowie hohen Wohnkosten und hohem Migrationsanteil. Von den rund 9.500 Langzeitarbeitslosen haben 62,2% keine abgeschlossene Berufsausbildung. Noch höher liegt der Anteil bei den Frauen (66%) und bei den ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürgern (78,2%). Besonders hoch ist der Anteil in der Altersgruppe der 35 bis unter 40-jährigen; dort sind es knapp 70% bzw. 782 Personen, die formal zu den Nicht-Qualifizierten zählen. Der signifikant höhere Anteil in dieser Altersgruppe ist darauf zurückzuführen, dass in dieser Kohorte die Zahl der langzeitarbeitslosen Frauen und ausländischen Mitbürgerinnen und Mitbürger besonders hoch ist.

Ziel des Projekts ist es, 300 langzeitarbeitslose Leistungsberechtigte wieder in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzugliedern. Zusätzlich setzt sich das Projekt als Querschnittsziele: eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie und die Förderung der Chancengleichheit und der Nichtdiskriminierung mittels Empowerment und Diversity Management.
Das Programm richtet sich an Menschen, die keinen verwertbaren Berufsabschluss haben, älter als 35 Jahre sind und länger als zwei Jahre ohne Arbeit waren. In München erfüllen rund 2.700 Empfängerinnen und Empfänger von Arbeitslosengeld II die Voraussetzungen, um an dem Programm teilzunehmen. Mit seiner genderspezifischen Ausrichtung richtet sich PlanB gleichermaßen an Frauen und Männer.
Träger des Projekts ist das Jobcenter Landeshauptstadt München. Projekt-Netzwerkpartner sind die Handwerkskammer für München und Oberbayern, die Industrie- und Handelskammer für München und Oberbayern, die Wohlfahrtspflege in München und Tertia, eine Coaching-Drittfirma.

Die Kundinnen und Kunden, die die Voraussetzungen für PlanB erfüllen, werden dem Projektteam zur Betreuung übertragen. Das Projektteam besteht aus Betriebsakquisiteurinnen und Betriebsakquisiteuren, die sowohl geeignete Arbeitgeber anwerben als auch in der Kundenberatung aktiv sind. Mit einem günstigen Betreuungsschlüssel von 1:50 können die Betriebsakquisiteure die langzeitarbeitslosen Menschen dabei wesentlich intensiver betreuen. Sie begleiten ihre Kundinnen und Kunden auch zum Arbeitgeber, bestärken sie bei Bewerbungsgesprächen in der (Selbst-)Darstellung und stehen auch nach der beruflichen Integration für Fragen über das angebotene Coaching hinaus zur Verfügung.

Die Minderleistung der neuen Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der vermittelten Anstellung wird durch einen degressiv geschalteten Lohnkostenzuschuss ausgeglichen. Die Arbeitszeit muss dabei mindestens 20 Stunden wöchentlich umfassen. Die Förderung bei zwei bis unter fünf Jahren Arbeitslosigkeit für insgesamt 18 Monate beträgt für sechs Monate 75%, für neun Monate 50% und für drei Monate 25%. Anschließend besteht eine sechsmonatige Nachbeschäftigungspflicht. Eine Intensivförderung bei fünf Jahren Arbeitslosigkeit und einem weiteren Integrationshemmnis wird über insgesamt 36 Monate ermöglicht. Integrationshemmnisse umfassen beispielweise eine Behinderung, einen fehlenden Schulabschluss, oder mangelhafte Deutschkenntnisse. Hier besteht keine Nachbeschäftigungspflicht.

Zudem wird ein verpflichtendes Coaching der Teilnehmer durchgeführt. Coaches beraten und unterstützen jeden Teilnehmer während der Programmteilnahme - mindestens aber während der ersten sechs Monate – mit dem Ziel, deren Leistungsvermögen zu steigern, das Beschäftigungsverhältnis zu stabilisieren und sie dauerhaft in den allgemeinen Arbeitsmarkt einzugliedern. Hierbei wird das Jobcenter durch die Coachingfirma Tertia unterstützt.

Bei Bedarf werden tätigkeitsbezogene Qualifizierungen nach Arbeitsaufnahme gefördert.

In der Arbeitgeberansprache arbeiten die Betriebsakquisiteurinnen und -akquisiteure eng mit den Kammern zusammen. Sie informieren und beraten Unternehmen und Betriebe über geeignete Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sowie die entsprechenden Fördermöglichkeiten. In allen zur Verfügung stehenden Stellendatenbanken werden auf das Leistungsprofil der Arbeitssuchenden passende bzw. weitgehend passende Stellenangebote herausgesucht. Diese Arbeitgeber werden kontaktiert, ein persönliches Gespräch wird vorgeschlagen und ggf. ein Termin vereinbart. Kommt ein Gespräch zustande, werden das Projekt und die damit verbundenen Fördermöglichkeiten für den Arbeitgeber, wie Lohnkostenzuschüsse, Coaching und Weiterbildungsangebote, vorgestellt. Bei grundsätzlichem Interesse, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Rahmen des Projekts „PlanB“ einzustellen, werden Kundinnen und Kunden vorgeschlagen. Diese Vorgehensweise führt bei 90% der Fälle zu einem Vorstellungsgespräch. Die Kundinnen und Kunden werden intensiv auf das Vorstellungsgespräch vorbereitet und zum Vorstellungsgespräch begleitet.

Bereits 134 langzeitarbeitslose Menschen konnten mit Hilfe der durch „PlanB“ gestellten Unterstützung in Arbeit vermittelt werden. 33 Prozent von ihnen waren älter als 55 Jahre, zwei Drittel Männer und 34 Prozent haben einen Migrationshintergrund. Guter Nebeneffekt: Von den Betriebsakquisiteurinnen und Betriebsakquisiteuren konnten weitere 44 langzeitarbeitslose Menschen im Bewerbungsverfahren auch ohne Förderung von sich überzeugen und in Arbeit vermittelt werden.