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Bürgergeld im Main-Kinzig-Kreis: So hält das Jobcenter Mitarbeitende auf dem Laufenden

21. Dezember 2022

Workshops, Leitfäden und Videos: Das kommunale Jobcenter im Main-Kinzig-Kreis kommuniziert die Bürgergeld-Umsetzung auf vielen Kanälen. Eine Projektgruppe nimmt Fragen entgegen und informiert – teils auch vor der Handykamera.

Tobias Heckmann (links) ist Teil der Projektgruppe Bürgergeld. Fallmanagerin Anja Hofmann und Maßnahmenmanager Jonas Wess setzen die Änderungen in ihren Bereichen um. (Fotos: KCA Main-Kinzig-Kreis)
Tobias Heckmann (links) ist Teil der Projektgruppe Bürgergeld. Fallmanagerin Anja Hofmann und Maßnahmenmanager Jonas Wess setzen die Änderungen in ihren Bereichen um. (Fotos: KCA Main-Kinzig-Kreis)

Wenn Mitarbeitende im Kommunalen Center für Arbeit (KCA) des Main-Kinzig-Kreises eine Frage zum Bürgergeld haben, bekommen sie die Antwort manchmal dreifach: in einem Meeting, als Text und als Video. Die Vielfalt an Neuerungen hat östlich von Frankfurt am Main auch eine Vielfalt in der internen Kommunikation angestoßen. Eine Schaltstelle dafür: die Projektgruppe Bürgergeld.

Tobias Heckmann ist Referatsleiter Recht im kommunalen Jobcenter und Mitglied der vierköpfigen Projektgruppe. Heckmann sagt: Mit Blick auf die Dynamik dieses Gesetzgebungsverfahrens und den allzu oft politisch geprägten Informationen in den Medien war es besonders wichtig, die Mitarbeitenden von Anfang an ausreichend und sachlich zu informieren.

So kommuniziert das KCA die Bürgergeld-Umsetzung

  • Fragen stellen: Das können im KCA alle Mitarbeitenden – über ein eigens eingerichtetes E-Mail-Postfach. Die E-Mails kommen bei der Projektgruppe Bürgergeld an und sind ein Indikator, was die wirklich wichtigen Themen für die Praktikerinnen und Praktiker sind.
  • Austausch fördern: Das Jobcenter nutzt regelmäßige Videokonferenzen, um gemeinsam über häufig gestellte Fragen zu sprechen. An den Terminen nahmen zuletzt teils 70 bis 80 Personen teil. Sie können flexibler stattfinden als Versammlungen vor Ort. Zudem sind Videokonferenzen für die Mitarbeitenden seit den coronabedingten Lockdowns ein geübtes Instrument.
  • Wissen sammeln: Damit das dort Gesagte nicht gleich vergessen ist, entsteht parallel ein Übergangsleitfaden. Dies ist eine Art Onlinelexikon, angelegt in der schon zuvor bestehenden Wissensdatenbank. Diese wiederum ist Teil einer vom KCA genutzten Fachsoftware. Bei uns im Haus hat sich bei größeren Gesetzesänderungen die Verwendung von einem Übergangsleitfaden bewährt, in dem die Mitarbeitenden auf einen Blick die nun geltenden Regelungen samt den Auswirkungen auf verfahrenstechnische Abläufe erfassen können, sagt Tobias Heckmann. Die Texte im Leitfaden entstehen in der Projektgruppe Bürgergeld, unterstützt von den jeweiligen Fachleuten.
  • Gesicht zeigen: Dies geschieht nicht nur in Videokonferenzen, sondern auch in Videoansprachen. Das Format „Inside KCA“ ist 2022 gestartet mit dem Konzept, zu bestimmten Fragen die Expertinnen und Experten aus dem Haus vor die Kamera zu holen. Rund ein Dutzend Folgen sind 2022 entstanden. Gefilmt wird mit einem Smartphone plus Mikrofon, das Video erscheint dann auf einer Videoplattform.
  • Schnell informieren: Schon seit Jahren gibt es einen internen Newsletter. Er erscheint immer dann, wenn es Neues zu berichten gibt – in Zeiten des Bürgergeldes also häufig. So können der Vorstand des KCA und die Projektgruppe laufend über die Umsetzung berichten.
  • Öffentlich informieren: Auch bei Leistungsbeziehenden und in der breiten Bevölkerung gibt es Fragen zum Bürgergeld. Das KCA versucht, proaktiv zu kommunizieren. Um möglichst wenig doppelt zu arbeiten, haben sich die hessischen kommunalen Jobcenter über den Landkreistag ausgetauscht und gemeinsam Texte vorformuliert. Diese Vorlage für Internetseite- und Pressemeldungen kann jedes Jobcenter durch spezifische lokale Elemente ergänzen – und dann online stellen und an Lokalmedien verschicken.
  • Persönlich austauschen: Auch Präsenzveranstaltungen gab und gibt es. In einer regulären Personalversammlung informierte der Jobcenter-Vorstand über Neuerungen. Weitere Infoveranstaltungen sind für das Jahr 2023 geplant – mit einem Schwerpunkt auf Maßnahmen, die das Jobcenter den Leistungsbeziehenden künftig anbietet.

Jobcenter will mit Qualifizierung auch Unerreichbare erreichen

Denn: Der Neustart in der Grundsicherung für Arbeitsuchende soll zu vielen Neustarts für Leistungsbeziehende führen. Dies ist auch die Hoffnung von Fallmanagerin Anja Hofmann. Durch den starken Fokus des Bürgergelds auf Qualifizierung könnten sich Menschen aktivieren lassen, die bisher nicht erreichbar waren. Meine Hoffnung ist, dass die Menschen durch die neuen Zielsetzungen positiv, hoffnungsvoll und motiviert in die Zusammenarbeit gehen, Vertrauen zu uns Fallmanagerinnen und Fallmanagern aufbauen, sagt Hofmann. Sie setzt sich aktuell dafür ein, die Angebote übersichtlicher zu gestalten und Leistungsbeziehende intensiver zu beraten. 

Viele seien überfordert mit den Möglichkeiten und Angeboten, aber grundsätzlich bereit für Unterstützung und eine nachhaltige Veränderung. Wird das Plus an Vertrauen womöglich ausgenutzt? Nein, denkt Hofmann, denn es habe immer einige gegeben, die keine Unterstützungsangebote angenommen haben. Dies wird auch zukünftig der Fall sein und daran wird das Bürgergeld leider nichts ändern, sagt Hofmann. Zudem wird es auch in Zukunft immer nachvollziehbare Gründe und multiple Hemmnisse geben, die einer Qualifizierung und Integration in den Arbeitsmarkt im Weg stehen.

Neue Angebote sollen das Interesse der Menschen wecken

Das Bürgergeld ist für das Jobcenter ein erneuter Anlass, die Angebote für Leistungsbeziehende auf den Prüfstand zu stellen. Es gehe darum, Angebote zu schaffen, die von unseren Klientinnen und Klienten möglichst freiwillig und auf der Grundlage von vorhandenem Eigeninteresse besucht werden, sagt Jonas Wess aus dem Maßnahmenmanagement und -controlling. Dazu fanden bereits mehrtägige Planungsworkshops statt, um die aktuelle Struktur der Leistungsbeziehenden zu analysieren und das Angebot an Qualifizierungen daraufhin zu optimieren.

Wess spricht von einer Ablösung des Work-First-Ansatzes zugunsten einer Weiterbildungsoffensive, die die Nachhaltigkeit von Beschäftigung steigern soll. Dies bedeutet etwa: Das KCA hat sein Budget für Bildungsgutscheine erhöht. Die Hoffnungen, die sich hier mit den Änderungen durch das Bürgergeld verbinden: Mitarbeitende können attraktivere Angebote vermitteln, Leistungsbeziehende nehmen motivierter teil und erreichen häufiger ihre Ziele.

Mehr Informationen

• Alles zum Bürgergeld finden Sie auf unserer Themenseite.
Praxisbericht: Wie sich das Jobcenter Vorpommern-Rügen das Bürgergeld erarbeitet.
• Bei Fragen oder Anregungen zur Umsetzung des Bürgergeldes wenden Sie sich gern an servicestelle@sgb2.info