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3 Fragen an
Otto Richter

26. März 2018

Seit August 2017 ist Otto Richter Geschäftsführer im Jobcenter Waldeck-Frankenberg. Neben der Integration von Langzeitarbeitslosen und Geflüchteten in den Arbeitsmarkt ist es dem 52-Jährigen wichtig, die gute Arbeit seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in die Öffentlichkeit zu tragen.

Porträtfoto von Otto Richter, JC Waldeck-Frankenberg

Servicestelle SGB II: Herr Richter, Sie sind mit dem Ziel angetreten, die Langzeitarbeitslosigkeit im Kreis abzubauen und Geflüchtete besser zu integrieren. Wie ist die Bilanz bisher?

Otto Richter: Insgesamt haben wir den Bestand an Langzeitarbeitslosen im vergangenen Jahr um 20 Prozent reduzieren können. In unserer Region verzeichnen wir eine gute konjunkturelle Entwicklung, der Arbeitsmarkt ist sehr aufnahmefähig. Die Arbeitgeber suchen händeringend nach Fach- und Hilfskräften und zeigen sich offen und kompromissbereit: Für uns bietet das die Chance, gezielt auch benachteiligte Personengruppen am Arbeitsmarkt zu platzieren. Langzeitarbeitslose können daher viel eher am Arbeitsleben teilhaben als früher.

Im Frühjahr 2017 stieg die Zahl der erwerbsfähigen leistungsberechtigten Geflüchteten bei uns im Landkreis von 500 auf 1.500. Im vergangenen Jahr fanden von diesen 1.500 fast 350 eine Arbeit. Die Motivation und der Wille der Geflüchteten, am Arbeitsleben teilzuhaben, spielten dabei die größte Rolle. Außerdem stand und steht die Sprachförderung im Vordergrund, denn Sprache ist der Schlüssel zur Integration. Besonders toll finde ich, dass 30 von ihnen eine Ausbildung begonnen haben. Sie haben sich sehr schnell an das Sprachniveau herangetastet und die erforderlichen Qualifikationen für die Ausbildung angeeignet. Und genau das braucht es für den Ausbildungs- und Arbeitsmarkt.

Servicestelle SGB II: Was sind Ihre Ziele für das nächste halbe Jahr?

Otto Richter: Geflüchtete werden weiter unsere Zielgruppe bleiben. Wir wollen dafür sorgen, dass ihre langfristige Integration in den Arbeitsmarkt gelingt. Dabei setzen wir auf alle Förderinstrumente, über die wir als Jobcenter verfügen. Außerdem besetzen wir alle Maßnahmen mit Einheimischen und Geflüchteten gleichermaßen. Das ist gut für die praktische Vertiefung von Sprache und erleichtert die Integrationsarbeit, weil sich auch ein gegenseitiges Verständnis für die unterschiedlichen Kulturkreise entwickelt.

Wichtig ist mir, auch die zu fördern, die bislang nicht von der guten Entwicklung am Arbeitsmarkt profitiert haben: Familien mit vielen Kindern oder gesundheitlich Beeinträchtigte zum Beispiel. Wir wollen ihnen den Weg in ein selbstbestimmtes Leben ebnen. In der Intensivberatung nehmen wir diese Personenkreise besonders in den Fokus – mit einer kürzeren Kontaktdichte als üblich.

Außerdem habe ich mir vorgenommen, die gute Arbeit meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auch für die Außenwelt sichtbarer zu machen. Ich finde, mit unseren Erfolgen brauchen wir nicht hinterm Berg zu halten. Deshalb ist es mir ein Anliegen, unsere guten Beispiele in den lokalen Zeitungen vorzustellen und die Öffentlichkeitsarbeit noch stärker auszubauen. Eine hausinterne Arbeitsgruppe entwickelt gerade zudem eine Website für unser Jobcenter, um den Informationsbedarf von Leistungsempfängern, aber auch Bürgerinnen und Bürgern zu stillen.

Servicestelle SGB II: Bei all den Aufgaben, die Ihr Arbeitsalltag für Sie bereithält – wie tanken Sie in Ihrer Freizeit Kraft für Ihren Job?

Otto Richter: Wichtig sind mir in meiner Freizeit vor allem meine Familie und die Musik. Seit 17 Jahren spiele ich den schottischen Dudelsack. Das ist ein schöner Ausgleich. Gleichzeitig erfordert es viel Disziplin, Kreativität, Geduld und einen langen Atem. Und genau das braucht es im Job auch – gerade wenn es darum geht, mit Langzeitarbeitslosen zu arbeiten und mit ihnen gemeinsam zum Ziel zu kommen.