Navigation und Service

Jobcenter Stuttgart

12. Dezember 2017

Im Dezember 2016 wurde im Jobcenter Stuttgart die neue Abteilung „Migration und Teilhabe“ gegründet. Die Umorganisation wurde insbesondere duch den Zugang von Geflüchteten und Asylberechtigten in den Rechtskreis SGB II veranlasst. Die Abteilung betreut Geflüchtete und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen und ermöglicht diesen Kundinnen und Kunden durch Intensivcoaching die nachhaltige berufliche und gesellschaftliche Integration.

Logo JC Stuttgart
  • Schwerpunktthema Soziale Teilhabe, Integration in Arbeit
  • Zielgruppe Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen, Flüchtlinge / Asylbewerber/ Asylberechtigte
Die Planung begann im Herbst 2015. Nach der Gründung der Abteilung im September 2016 eröffnete im Dezember 2016 die erste Liegenschaft.
Die Abteilung Migration und Teilhabe (MuT) des Jobcenters Stuttgart trat ihre Arbeit im Dezember 2016 an und befindet sich weiterhin im Aufbau, der voraussichtlich im ersten Halbjahr 2018 abgeschlossen wird.

Der Zugang von Geflüchteten und Asylberechtigten in den Rechtskreis SGB II veranlasste die Neustrukturierung. Denn anerkannte Flüchtlinge, Geduldete (deren Abschiebung seit mindestens 18 Monaten ausgesetzt ist), Asylberechtigte und Kontingentflüchtlinge des Bundes haben ein Recht auf alle Leistungen zur Sicherung des Lebensunterhalts und der Unterkunft sowie zur Eingliederung in Arbeit. Somit kommt dem Jobcenter Stuttgart eine zentrale Aufgabe bei der Bewältigung der gesamtgesellschaftlichen Integration zu. Um dieser optimal begegnen zu können, war eine organisatorische Anpassung notwendig: Die neue Abteilung Migration und Teilhabe wurde gegründet.

Sie betreut neben Geflüchteten auch Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen. Denn hier gibt es Gemeinsamkeiten: Alle Bereiche betreiben Intensivcoaching, sind nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert und die Abrechnung erfolgt aus dem Eingliederungstitel. Ein weiterer Grund sind fachliche Überschneidungen, so werden zum Beispiel auch geflüchtete Menschen im Intensivcoaching mit der Zielrichtung „Gesundheitsförderung“ beraten.

Insbesondere die Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen Institutionen und Anbietern von Unterstützungsleistungen erfordert ein besonderes Wissen zu den zielgruppenspezifischen Netzwerken. Zudem soll die Chance genutzt werden, bürgerschaftliches Engagement zielgerichtet und koordiniert einzubinden.
Ein weiteres Anliegen war es, die Zusammenarbeit mit den Unternehmen zu verbessern, die sich übersichtliche Strukturen mit zentralen und kompetenten Ansprechpartnerinnen und Ansprechpartnern wünschten.

Ein hohes Beschäftigungspotenzial und eine gute Aufnahmefähigkeit prägen den regionalen Arbeitsmarkt in Stuttgart. Allerdings hängt dies stark von der jeweiligen Branche und den Qualifikationen ab. SGB II-Leistungsberechtigte profitieren nur bedingt vom starken Beschäftigungsaufbau in bestimmten Branchen und der hohen Nachfrage nach gut ausgebildeten Arbeitskräften. Qualifizieren ist und bleibt somit eine Kernaufgabe für alle Akteure am Arbeitsmarkt.
Die Landeshauptstadt Stuttgart gewährleistet als Optionskommune die Grundsicherung für Arbeitsuchende nach dem SGB II in kommunaler Verantwortung. Dazu verfolgt das Jobcenter Stuttgart einen stark dezentralen Ansatz und ist in nahezu allen Stadtbezirken mit insgesamt 17 Zweig- und Außenstellen sowie drei weiteren zielgruppenorientierten Fachstellen vertreten. Dies gewährleistet eine gute Erreichbarkeit für die Leistungsberechtigten und den Kontakt mit lokalen Akteuren, Arbeitgebern und Sozialpartnern. Das Ziel ist es, die Sozialräume aktiv mitzugestalten.
Die nachhaltige berufliche und (sozial-)gesellschaftliche Integration von geflüchteten Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen beziehungsweise mit und ohne Schwerbehinderungen stehen im Fokus des Projektes.
Die Abteilung Migration und Teilhabe betreut geflüchtete Menschen und Menschen mit gesundheitlichen Einschränkungen mit und ohne Behinderung.
In den Liegenschaften der Abteilung Migration und Teilhabe gibt es mit der Agentur für Arbeit eine Bürogemeinschaft in Form einer gemeinsamen Anlaufstelle. Die Agentur für Arbeit stellt Arbeitsvermittlerinnen und -vermittler zur Verfügung, die ebenfalls auf die Beratung von geflüchteten Menschen spezialisiert sind.

Im Fokus der Abteilung Migration und Teilhabe steht eine räumliche und fachliche Verzahnung ohne Spezialisierung auf einzelne Zielgruppen. Dabei orientiert sich die Beratung an der Familie oder der Bedarfsgemeinschaft. Der oder die jeweilige Fallmanager/-in übernimmt die Federführung für die Fallsteuerung.

Die Abteilung Migration und Teilhabe (MuT) besteht aus drei Sachgebieten:

1. Sachgebiet „Eingliederung in Arbeit“
Hier findet das Regelgeschäft im Bereich der Aktivleistungen statt (Fallmanagement).

2. Sachgebiet „Sicherung des Lebensunterhalts“
Hier findet das Regelgeschäft im Bereich der Passivleistungen statt (Leistungsgewährung).

3. Sachgebiet „Netzwerke für Aktivierung, Beratung und Chancen“
Das Jobcenter Stuttgart ist seit Januar 2016 nach der Akkreditierungs- und Zulassungsverordnung Arbeitsförderung (AZAV) zertifiziert, um im Rahmen der „Netzwerke für Aktivierung, Beratung und Chancen“ (Netzwerke ABC) künftig für bestimmte Zielgruppen und Zielsetzungen bedarfsgerecht und unbürokratisch Maßnahmen selbstständig durchführen zu können. Die Beschaffung der Leistung erfolgt im Rahmen einer Inhouse-Vergabe.

Weitere Besonderheiten der Abteilung:
• Das beschäftigungsorientierte Fallmanagement als durchgängiges Leitprinzip in der Beratung wird ergänzt durch einen ganzheitlichen und systemischen Ansatz: Die Fallmanagerinnen und Fallmanager stellen den Menschen und seine jeweilige persönliche Situation in den Mittelpunkt ihrer Beratung. Dabei versuchen sie, das familiäre und soziale Umfeld der Leistungsberechtigten bei der Lösung von Problemen einzubeziehen.
• Der verbesserte Betreuungsschlüssel im Sachgebiet „Netzwerke ABC“ ermöglicht ein Intensivcoaching vor Ort.
• Die Kreation eines „Innovationsraums“ als strukturiertes Mittel zur kontinuierlichen Optimierung des Angebots. So werden unter Anwendung von Kreativmethoden (z.B. Design Thinking, World-Café) neue Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen entwickelt. Im Coaching werden diese anschließend erprobt, evaluiert und gegebenenfalls weiterentwickelt. Das Jobcenter stellt Materialien, Raum, Methoden und bei Bedarf auch Moderation für den „Innovationsraum“ zur Verfügung.
• Die individuelle Kunden- und Firmenbetreuung durch Arbeitgeberberaterinnen und -berater ermöglicht direkte Zugänge in den Arbeitsmarkt, da der Arbeitgeber-Service in der Abteilung durchgehend vertreten ist.
• Die passgenaue Einbindung von Angeboten Dritter (Sprachkurse, Maßnahmen) und die kontinuierliche bedarfsgerechte (Weiter-) Entwicklung des Angebotes.
• Bei Einstellungen und Personalentwicklungsmaßnahmen stehen die Haltung des Personals und der Organisation im Mittelpunkt. Ein gutes Miteinander im Kollegium wird aktiv gefördert, außerdem wird Wert auf ein diskriminierungsfreies Auftreten und die Dienstleistungsorientierung der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelegt.

Da sich die Abteilung jedoch noch im Aufbau befindet, gibt es noch keine abschließende Wirkungsanalyse. Die ersten Ergebnisse sind gut.

Der innovative Charakter basiert auf verschiedenen Punkten: Der AZAV-zertifizierten und eigenständigen Durchführung von Maßnahmen der Netzwerke ABC; der verzahnten, ganzheitlich und systemisch angelegten Beratungsstruktur sowie der hohen Bedeutung und aktiven Förderung einer „guten Haltung“ bei der externen und internen Dienstleistungserbringung.