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Jobcenter Pforzheim

21. Juli 2017

Persönlicher AktionsPlan auf Rädern - aufsuchende Sozialarbeit

Kristin Künkele (li.) und Diana Sayegh (re.) vom Sozialen Träger GSI
Kristin Künkele (li.) und Diana Sayegh (re.) vom Sozialen Träger GSI Quelle: GSI
  • Schwerpunktthema Langzeitarbeitslosigkeit, Coaching und Beratung, Integration in Arbeit, Soziale Teilhabe
  • Zielgruppe Langzeitarbeitslose, Menschen mit psychischen Erkrankungen

Überall gibt es einen gewissen Anteil erwerbsfähiger Leistungsberechtigter, den das Fallmanagement des Jobcenters nicht erreicht. Teilweise wollen oder kennen die Kundinnen und Kunden nicht zu ihren Terminen im Jobcenter erscheinen. Für diese Menschen bestand im Jobcenter Pforzheim 2016 der Bedarf, ein niedrigschwelliges Angebot ins Leben zu rufen: das Projekt „Persönlicher AktionsPlan“ (PAP), bei dem Sozialarbeiterinnen und Sozialarbeiter die Menschen zu Hause oder an einem gewünschten Ort trafen und berieten – mit dem Ziel ist, sie wieder an das Fallmanagement des Jobcenters heranzuführen.

Das Projekt lief vom 15.06.2016 bis 14.06.2017.

Die Region Pforzheim bietet vor allem in den Branchen Pflege und Gastronomie gute Beschäftigungsmöglichkeiten. Auch der Bedarf an staatlich anerkannten Erzieherinnen und Erziehern ist hoch. Daneben bestehen gute Aussichten für die Anstellung in Helfertätigkeiten in den Bereichen Produktion, Lager und Metall.

In Pforzheim leben viele Pendler mit guter Anbindung an die Städte Karlsruhe und Stuttgart. Die Kundinnen und Kunden des Jobcenters leben dabei meist in unmittelbarer Nähe des Jobcenters, das für sie mit den öffentlichen Verkehrsmitteln gut erreichbar ist. Viele haben einen Migrationshintergrund.

Langzeitarbeitslose Menschen, die nicht oder zumindest nicht regelmäßig das Jobcenter aufsuchen, sollen in ihrem sozialen Umfeld erreicht werden. Nach der persönlichen Kontaktaufnahme im gewünschten Umfeld versucht der Sozialarbeiter oder die Sozialarbeiterin, die Teilnehmenden an das Fallmanagement des Jobcenters Pforzheim anzubinden. Gleichzeitig beginnt er oder sie mit dem Abbau vorhandener Vermittlungshemmnisse, sodass die Teilnehmenden an individuell passgenaue arbeitsmarktpolitische Maßnahmen herangeführt werden können. Die Perspektive ist stets die Integration in Ausbildung und Arbeit.

Das Angebot richtete sich an erwerbsfähige Leistungsberechtigte mit besonderem Unterstützungsbedarf und multiplen Vermittlungshemmnissen, die für das Fallmanagement nicht erreichbar sind, da Termine im Jobcenter nicht wahrgenommen werden oder wahrgenommen werden können.

Der Projektpartner war die gemeinnützige Service- und Integrationsgesellschaft Enzkreis mbH (GSI). Die GSI steht für Integration, Beschäftigung und berufspraktische Qualifizierung. Ihre Aufgabe ist die sozialpädagogische Betreuung der Kundinnen und Kunden. Als Netzwerkpartner waren örtlich ansässige soziale Organisationen sowie Arbeitgeber beteiligt.

Grundlage für die Ausschreibung der Maßnahme „PAP auf Rädern – aufsuchende Sozialarbeit“ war die Frage, wie der Personenkreis der Kundinnen und Kunden, die sich dem Fallmanagement entziehen, wieder ins Jobcenter zurückgeführt werden kann. Die Idee, dass das Fallmanagement mobil zu den Kundinnen und Kunden kommt, war zunächst nicht einfach umsetzbar. Dann entwickelte das Jobcenter das Konzept einer „Sozialarbeiterin oder eines Sozialarbeiters auf Rädern“, die GSI übernahm die Umsetzung. Die GSI nahm innerhalb von drei Tagen ab Zuweisung Kontakt zu den Teilnehmenden auf und vereinbarte ein Erstgespräch in bevorzugter Umgebung. Nach dem Erstgespräch erfolgte eine Standortbestimmung (Profiling) mit konkreten Zielvereinbarungen. So entstand eine Grundlage, um Vertrauen aufzubauen und nach und nach bekannte Schwierigkeiten anzugehen. Hierzu gehörten gewöhnlich die Gesundheit, die Jobsuche und das soziale Umfeld. Besteht Bedarf an weiterführenden Hilfen, stellte die Beratungsstelle entsprechende Kontakte her. Während der gesamten Maßnahme waren die Teilnehmenden aufgefordert, ein Tagebuch zu führen. Die individuellen Treffen fanden zweimal wöchentlich über einen Zeitraum von sechs Monaten statt. Fahrtkosten wurden den Teilnehmenden ab zwei Kilometern erstattet.


PAP bot den Teilnehmenden somit aktive Unterstützung an, aus ihrer aktuellen Situation herauszutreten, neuen Lebensmut zu gewinnen und eine Zukunftsperspektive zu entwickeln. Langfristig gesehen sollten die Menschen befähigt werden, die Chance auf Wiedereingliederung in die Arbeitswelt zu ergreifen.


Erste Erfolge zeichnen sich bereits in der Frühphase des Projektes ab: Es war eine höhere Bereitschaft zu beobachten, sich wieder mit dem Fallmanagement des Jobcenters in Verbindung zu setzen. Termine wurden seltener versäumt.